Titel: Ueber die Straßenbeleuchtung mit Hydro-Oxygengas; von F. Moigno.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 2 (S. 353–354)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi04_2

Ueber die Straßenbeleuchtung mit Hydro-Oxygengas; von F. Moigno.

Wir haben dem in Paris angestellten Versuch über Straßenbeleuchtung mit Hydro-Oxygengas selbst zweimal beigewohnt. Derselbe bildet als physikalisches Experiment, sowie als neue Verwendungsweise des Drummond-Lichtes und als Beleuchtungsversuch einen wahren Triumph, welcher den HHrn. Tessié du Motav und Maréchal in Metz, nebst ihrem Assistenten Hrn. Schwarz-Weber zur größten Ehre gereicht. Der Erfolg hat sowohl vom wissenschaftlichen Standpunkte aus, als in Bezug auf das erzielte Resultat, alle Erwartungen weit übertroffen. Der Stadthaus-Platz wird von der Seite der Rivolistraße aus auf das Vollständigste beleuchtet; die Flammen sind ganz unbeweglich und behalten ihren Glanz die ganze Nacht hindurch. Obgleich die Apparate zum erstenmale entworfen, ausgeführt, in einem für ganz andere Zwecke bestimmten Gebäude (in den Kellern der Assistence publique) aufgestellt worden sind, so functioniren sie doch auf das Vollkommenste.

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Das Problem der wohlfeilen Darstellung des Sauerstoffgases ist durch Tessié du Motay und Maréchal vollständig gelöst.99)

In einem Ofen liegen sechs cylindrische Retorten; drei derselben sind mit mangansaurem, drei mit übermangansaurem Natron gefüllt; mittelst eines Ventilators wird den ersteren ein Strom heißer, durch Waschen mit Kalkmilch von ihrem Kohlensäuregehalte befreiter Luft zugeführt, um das in ihnen enthaltene Mangansäuresalz zu überoxydiren, es in Uebermangansäuresalz zu verwandeln. In die anderen drei Retorten tritt aus einem Generator ein Strom von überhitztem Dampfe, welcher ihrem Inhalte den Sauerstoff entzieht und das Uebermangansäuresalz wieder in Mangansäuresalz umwandelt. Darauf wiederholt sich der Proceß in umgekehrter Richtung, so daß der Luftstrom in die drei letzten, der Dampfstrom in die drei ersten Retorten tritt. Der aus den Retorten austretende Dampf gelangt in einen Condensator und läßt bei seiner Verdichtung das erkaltete Sauerstoffgas fahren, welches sich in dem mit den Candelabern des Platzes in Verbindung stehenden Gasometer ansammelt.

Bezüglich der Beleuchtung bleiben immer noch die Fragen hinsichtlich der erforderlichen doppelten Canalisirung (Röhrenleitung), sowie der Herstellungskosten der Apparate und der Gestehungskosten des Lichtes zu erörtern, theilweise vielleicht noch zu lösen. Der Zeitpunkt zu ihrer gründlichen Untersuchung ist noch nicht gekommen. Wir bemerken nur, daß vier Candelaber zu je fünf Brennern für das Drummond Licht, deren jeder 50 Liter Wasserstoffgas consumirt, mit 70 Liter Sauerstoffgas ein Licht geben, welches dem von vier Candelabern zu je neun Brennern, deren jeder 170 Liter Leuchtgas verbraucht, an Stärke mindestens gleich kommt. Wenn es also nur auf die Mengen des verbrannten Gases ankäme, so müßte die Ersparniß bei der neuen Beleuchtungsmethode eine höchst bedeutende seyn, sie würde über fünfzig Proc. betragen; allein es müssen noch andere wesentliche Elemente in Rechnung gezogen werden und wir müssen, um ein endgültiges Urtheil aufstellen zu können, warten, bis Hr. Felix Leblanc, der Leuchtgasinspector der Stadt Paris, den städtischen Behörden seinen umfassenden Bericht über die Ergebnisse des Versuches abgestattet haben wird.

Wir waren zwei Tage hinter einander bei den kürzlich in den Salons der HHrn. Hensch und Lutscher, rue Le Peletier, Nr. 20, abgeführten Versuchen zugegen und hatten dabei Gelegenheit, die neuen, wichtigen Verbesserungen der Apparate kennen zu lernen.

Die neue Anordnung, welche darin besteht, daß der kleine Cylinder von gepreßter Magnesia über den Brenner-Flammen des Gasgemisches aufgehängt wird, so daß diese Flammen den Cylinder tangential belecken, bietet bedeutende Vortheile dar. Der glühende Cylinder wirft so nicht den geringsten Schatten unter sich und seine Dauerhaftigkeit ist offenbar eine viel größere. Eine für das Cabinet des Seine-Präfecten bestimmte Lampe von der Form der großen Argandlampen war mit dieser Einrichtung und mit einer kugelförmigen Glocke versehen worden. Diese Hydro-Oxygengaslampe liefert ein sechsmal stärkeres Licht, als eine Oellampe von den gleichen Dimensionen und greift das Auge nicht im mindesten an. (Les Mondes, t. XVI, p. 89; Januar 1868.)

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Man s. über deren Verfahren polytechn. Journal Bd. CLXXXIV S. 522.

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