Titel: Carlier's Feuerlöschapparat.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 3 (S. 354–356)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi04_3

Carlier's Feuerlöschapparat.

Der Feuerlöschapparat (l'Extincteur) von Carlier in Paris – welcher im Jahrgang 1866 des polytechn. Journals, Bd. CLXXX S. 198, als die Erfindung von Courtines und Monnet beschrieben wurde, – wird jetzt von der Maschinenfabrik von Schäffer und Budenberg in Buckau-Magdeburg geliefert; derselbe besteht bekanntlich aus einem leicht tragbaren cylindrischen Gefäß (von verzinntem Stahlblech, um ihn bei nicht zu großem Gewicht sehr haltbar zu machen), in welchem sich Wasser unter hohem, durch directe Gasentwickelung vermittelst Chemikalien erzeugten Druck (circa 5 Atmosphären) befindet. Das Gas, welches diesen Druck hervorbringt, ist Kohlensäure, die durch Einwirkung von Weinsteinsäure auf doppeltkohlensaures Natron im Cylinder erzeugt wird. Die Apparate sind auf 10 Atmosph. |355| geprüft und ist dadurch ihre vollständige Gefahrlosigkeit gesichert. Armirt ist der Apparat unten mit einem Hahn, welcher zur Anbringung eines Schlauches eingerichtet ist, und mit zwei Tragriemen, vermittelst welcher er bequem auf dem Rücken getragen werden kann.

Die Apparate sind zunächst dazu bestimmt, Brände, welche noch keinen großen Umfang erreicht haben, also noch im Entstehen sind, zu löschen; doch lassen sich bei Anwendung einer größeren Zahl derselben auch bedeutendere Brände damit unterdrücken. Ein Hauptvorzug dieser Apparate ist der, daß sich mit ihnen brennender Theer, Harze, Lacke und sonstige mit Wasser nicht zu löschende Gegenstände leicht, sicher und mit größter Schnelligkeit löschen lassen; in England sind in den letzten 18 Monaten mit ihnen über 200 Brände gelöscht worden. Der mit Kohlensäure gesättigte Wasserstrahl wird aus möglichst größter Nähe in den Herd des Feuers geschleudert, hat aber auch noch bis auf circa 45' Entfernung Wirksamkeit. Der Druck in dem Apparat hält sich, wenn letzterer nicht auf irgend eine Weise schadhaft geworden oder bei der Füllung schlecht verschlossen ist, bei geeigneter Aufbewahrung Jahre lang in seiner vollen Wirksamkeit; um zu controlliren, daß noch genügender Druck – mindestens eine Atmosphäre – vorhanden ist, wird es sich zur Sicherheit empfehlen, von Zeit zu Zeit, etwa allmonatlich, mit einem Manometer die Probe anzustellen. Zeigt sich bei dieser ein geringerer Druck, so muß der Apparat geleert, genau revidirt, eventuell reparirt und demnächst mit neuer Füllung versehen werden. Die leichte Handhabung, Selbstthätigkeit und Beweglichkeit, die äußerst geringe, zur Verwendung kommende Wassermasse, die außerordentliche Wirkung, bedingt durch die Kohlensäure, sowie namentlich auch die stete Schlagfertigkeit dieser Apparate in dem Augenblicke der Entdeckung eines Feuerausbruches, machen dieselben sowohl für alle industriellen Etablissements, Schiffe, Eisenbahnen, öffentliche Gebäude, wie für jeden Hausbesitzer gleich wichtig, da dieselben gerade in dem Moment der Gefahr, wenn gewöhnlich die Löschmittel fehlen, die sichere Handhabe gewähren, ein ausgebrochenes Feuer im Entstehen zu ersticken. Die Magdeburger Feuerversicherungsgesellschaft hat ihre sämmtlichen Agenten angewiesen, sich für die Verbreitung dieses vorzüglichen Feuerlöschmittels zu bemühen und trotz der kurzen Zeit, seit welcher dieser Apparat in Deutschland Eingang gefunden hat, liegen bereits eine große Anzahl höchst anerkennender Zeugnisse über die Brauchbarkeit desselben vor. Der Magistrat von Buckau spricht sich z.B. über eine Probe mit demselben, der er beigewohnt hatte, folgendermaßen aus:

„Zunächst wurde ein Haufen leichtes Tannenholz von 21' Länge, 7' Höhe und 2 3/4' Breite, welcher stark mit Theer getränkt war, in Brand gesteckt, so daß der ganze Haufen eine einzige Feuergarde bildete. Ein paar Leute, von denen jeder einen Extincteur auf dem Rücken trug, wendeten sich gegen dieses Feuer, spritzten die im Extincteur enthaltenen Flüssigkeiten gegen die brennenden Holzmassen und in unglaublich kurzer Zeit war der Brand gelöscht. Derselbe Versuch wurde mit demselben Erfolg wiederholt. Sodann wurde ein Holzstoß, aus stärkerem Scheitholz bestehend, von 22' Länge, 4' Höhe und 3' Breite, welcher ebenfalls stark mit Theer getränkt war, wiederholt angezündet, bis derselbe allenthalben im heftigsten Brand stand. Aber nach kaum minutenlanger Anwendung der beiden Extincteure erschienen jedesmal die Flammen als gebändigt. Endlich wurden zwei große flache Pfannen einmal mit Theer, das andere Mal mit Petroleum übergossen und angezündet. Kaum aber wurden diese Gefäße mit der in dem Extincteur enthaltenen Flüssigkeit angespritzt, als die vorher mächtig emporlodernden Flammen urplötzlich erloschen. Die Apparate selbst erwiesen sich als leicht zu tragen und leicht zu handhaben. Die in dem Apparat befindlichen Flüssigkeiten sind sehr stark mit Kohlensäure geschwängert und haben deßhalb eine spontane Neigung zu entweichen, vermöge deren sie, sobald der Hahn des Apparates geöffnet wird, durch den vom Träger des Extincteur gehandhabten Schlauch auf solche Entfernung gegen das Feuer geschleudert werden, daß der Träger soweit zurücktreten kann als es nothwendig ist, um die sich durch das Löschungswerk selbst rasch vermindernde Hitze ertragen zu können. Die ungemeine Wichtigkeit des neuen Apparates für daß gesammte Feuerlöschwesen liegt hiernach auf der Hand. Am meisten wird sich derselbe jedoch empfehlen bei Bränden, welche noch nicht zu weit um sich gegriffen haben, namentlich bei Bränden solcher Stoffe, welche mit Wasser nicht gelöscht werden können.“

Die Apparate werden von Schäffer und Budenberg hauptsächlich in vier Größen angefertigt und complett mit allen Ausrüstungsstücken zu folgenden Preisen geliefert: |356|

Nr. 3 Inhalt 30 Pfd. à. 25 Thlr., jede Füllung dazu 1 Thlr. – Sgr.
Nr. 4 50 „ à. 30 „ „ „ „ 1 „ 10 „
Nr. 5 70 „ à. 35 „ „ „ „ 1 „ 20 „
Nr. 6 90 „ à. 40 „ „ „ „ 2 „ – „

Die kleineren Apparate Nr. 1 und 2 werden auf Verlangen auch abgegeben; der zur Controle nothwendige, für die Apparate jeder Größe passende Manometer wird à 10 Thlr. geliefert.

Prof. Dr. Hirzel in Leipzig empfiehlt den Carlier'schen Feuerlöschapparat, nachdem er mehreren größeren Versuchen damit beiwohnte, in Wirth's Gewerbekalender angelegentlichst. Mit einem solchen Apparat, welcher kaum 80 Pfund der Flüssigkeit enthielt, und der von einem Manne auf dem Rücken getragen und gleichzeitig dirigirt wurde, konnte z.B. ein im Freien aufgestellter, aus dick mit Steinkohlentheer überzogenen Holzstücken bestehender, im vollen Brande befindlicher Holzstoß selbst bei heftigem Winde gänzlich gelöscht werden. – Im Allgemeinen wird angenommen, daß diese außerordentliche Wirkung vorzugsweise auf dem Entweichen von Kohlensäuregas in dem Moment beruhe, wo das stark kohlensäurehaltige Wasser, welches der Apparat ausspritzt, auf die brennenden Stellen auftrifft, indem alsdann nicht allein das Wasser die Hitze abkühlt, sondern zugleich die Kohlensäure, welche die atmosphärische Luft verdrängt, die Flamme auslösche. Hirzel glaubt jedoch, daß auch das im Wasser des Extincteurs aufgelöste weinsteinsaure Natron, welches nach der Verdunstung des Wassers auf den heißen Stellen zurückbleibt, einen sehr wesentlichen Antheil an der Gesammtwirkung hat und besonders bewirkt, daß die gelöschten, aber noch sehr heißen Stellen sich nicht sogleich wieder entzünden.

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