Titel: Ueber die Darstellung und die Eigenschaften von in Wasser löslichem Anilinblau; von Assistent Naschold.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 5 (S. 356–358)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi04_5
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Ueber die Darstellung und die Eigenschaften von in Wasser löslichem Anilinblau; von Assistent Naschold.

Ueber dieses Farbmaterial, welches seit etwa 4 bis 5 Jahren im Handel vorkommt, haben seiner Zeit P. Bolley (polytechn. Journal Bd. CLXVIII S. 62), A. W. Hofmann (Reports of the Juries p. 132) und Max Vogel (polytechn. Journal Bd. CLXXIX S. 404) Mittheilungen gemacht, woraus hervorgeht, daß das gewöhnliche Anilinblau durch geeignete Behandlung mit englischer oder rauchender Schwefelsäure oder sauren schwefelsauren Alkalien u.s.f. in lösliche Form gebracht werden kann und dabei eine erhebliche Mehrausbeute liefert.

Bestimmte Angaben über die chemische Zusammensetzung des hierbei erhaltenen Products fehlen zur Zeit; es ist nur gesagt, daß dasselbe ähnlich der Indigblauschwefelsäure sich mit Basen verbinde und in einer kurzen Notiz über diesen Gegenstand erwähnt Dr. E. Jacobsen (polytechn. Journal Bd. CLXXX S. 75), daß nach Prof. A. W. Hofmann's Untersuchungen dasselbe nicht als eine lösliche Modification des unlöslichen Anilinblau's, sondern als anilinblauschwefelsaures Natron zu betrachten sey.

Von den Herren Lachmann und Breuninger in Glauchau, welche sich die Darstellung des löslichen Anilinblau in Sachsen patentiren ließen, aufgefordert, analysirte ich im Monat Mai 1865 eine kleine Probe des von ihnen erzeugten löslichen Blau's und fand, daß dasselbe in der That eine gepaarte Schwefelsäure, ähnlich der Indigoschwefelsäure, an Natron gebunden, enthält.

Zur Ermittelung der entfernteren Bestandtheile wurde die aus der concentrirten wässerigen Lösung durch Salzsäure ausgefällte, erst mit Wasser und sobald dieses anfieng sich blau zu färben, mit Alkohol und zuletzt mit Aether durch wiederholtes Decken und Ausschleudern vollständig ausgewaschene Substanz im Vacuum über Schwefelsäure getrocknet und darin Stickstoff durch Glühen mit Natronkalk, Kohlenstoff und Wasserstoff durch Erhitzen der mit chromsaurem Bleioxyd überdeckten Substanz im Luft- und zuletzt im Sauerstoffstrome bei vorgelegter Silberspirale elementaranalytisch und endlich die Schwefelsäure durch Schmelzen mit Salpeter und Soda als schwefelsaurer Baryt bestimmt.

Obgleich auf die Ableitung einer Formel aus den untenstehenden Zahlen verzichtet werden muß, da die untersuchte Substanz immerhin noch ein Gemenge gepaarter Schwefelsäuren seyn konnte und über die Abstammung des zur Fabrication verwendeten Anilinblau's (ob Toluidin- oder Rosanilinblau) keine Angaben vorlagen, so führe ich doch die aus der empirischen Formel der Toluidinblauschwefelsäure:

C⁸²H³⁷N³ . 3 (HO . SO³) + 5 aq

(über die Formeln der Anilinderivate gibt unter Anderen Professor Dr. H. Hirzel in dem 2. Jahrgang des „Jahrbuchs der Erfindungen“ S. 316–323 Angaben, wornach

Anilin = C¹²H⁷N,

Rosanilin = C⁴⁰H¹⁹N³ . 2 HO,

Rosanilinblau = C⁷⁶H³¹N³ . 2 HO und

Toluidinblau = C⁸²H³⁷N³ . 2 HO sind)

berechneten Zahlen mit an, um zu zeigen, wie sehr die gefundene Zusammensetzung der theoretischen sich nähert.

Gefunden Berechnet
Wasser (bei 110° C. entweichend) 5,835 Proc. 5,90
Kohlenstoff 64,356 – 64,061 „ 64,48
Wasserstoff 4,930 – 4,833 „ 5,24
Stickstoff 5,941 „ 5,50
Schwefelsäure (wasserfrei) 14,460 „ 15,73
Sauerstoff – „ 3,15
–––––––
100,00.

Die mir übergebene kleine Probe von löslichem Anilinblau enthielt Natron, zum Theil an die gepaarte Schwefelsäure gebunden, zum Theil als schwefelsaures Natron, und sie verlor, nach mehrtägigem Stehen über Schwefelsäure, beim Erhitzen auf 110° C. noch 6,92 Proc. Wasser.

Umfassendere Untersuchungen mußten seiner Zeit theils aus Mangel an Zeit, theils aus Mangel an Material unterbleiben und ich gebe diese Notiz im Einverständniß mit |358| Hrn. R. Breuninger nur aus dem Grunde, weil in den letzten zwei Jahren dieser Gegenstand, wie es scheint, nirgends zu Studien Veranlassung gab.

Der neue Farbstoff hat wegen seiner bequemen Handhabung sehr bald Eingang in den Wollfärbereien gefunden; er eignet sich zu vielen anderen Zwecken, z.B. zum Färben des Papiers in der Masse, zum Farben von Horn u.s.w. – Das ebenfalls zur Vorlage kommende „wasserlösliche Jodviolett“ oder „Primula“ von derselben Firma scheint in ähnlicher Weise dargestellt zu seyn.

Um lösliches Indigblau von dem von mir untersuchten wasserlöslichen Anilinblau zu unterscheiden, zwei Körper, welche gegen sehr viele Reagentien sich ganz ähnlich verhalten, so z.B. von Zinkfeile, besser noch von Zinkstaub in saurer, neutraler und alkalischer Lösung, ferner von Schwefelammonium leicht reducirt werden, obgleich in der Schnelligkeit, womit dieß geschieht, schon eine Verschiedenheit sich zeigt, wende ich mit bestem Erfolg 8–10 procentige Natronlauge an, welche bei anhaltendem Kochen die beiden löslichen Indigblau so verändert, daß beim Ansäuren mit Essigsäure die blaue Farbe nicht wieder erscheint, sondern zuweilen eine grünliche, meist aber kirschrothe Färbung an deren Stelle tritt, während das lösliche Anilinblau nur schwierig seine Farbe verliert, und dieselbe sofort oder nach mehrtägigem Stehen auf Zusatz von Essigsäure oder Salzsäure wieder annimmt. (Vom Verf. aus den „Sitzungsberichten der Isis zu Dresden“ mitgetheilt.)

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