Titel: Ueber Nobel's Dynamid; von Justus Fuchs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 7 (S. 358–359)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi04_7

Ueber Nobel's Dynamid; von Justus Fuchs.

Die Fabrikanten des bekannten Sprengöls (Nitroglycerins) sind augenblicklich mit der Darstellung eines neueu explosiven Körpers, des Dynamids, beschäftigt, welcher in Folge seiner Gefahrlosigkeit und dadurch bedingten leichteren Anwendungsfähigkeit in Kurzem von sehr bedeutender Wichtigkeit als Sprengmaterial werden wird. Einsender dieses hatte Gelegenheit, die Fabrication, Anwendung und Wirkung des Dynamids kennen zu lernen. Die erstere ist Fabrikgeheimniß der Erfinder und kann ich daher nur über die beiden letzteren hier einige Mittheilungen machen.

Das Dynamid erscheint in seinem äußeren Ansehen als ein bräunliches Pulver, fast wie feines schwach angefeuchtetes Sägemehl, ist geruchlos und fühlt sich etwas fettig an. Wird dasselbe in kleineren oder größeren Mengen angezündet, so verbrennt es rasch, etwa wie angefeuchtetes Schießpulver, jedoch ohne explosive Erscheinung. In derselben Weise verbrennt es, wenn man eine Hand voll oder selbst eine davon dargestellte Patrone in's Feuer wirft. Gegen Stoß und heftige Erschütterungen jeder Art ist es vollkommen unempfindlich und eine Patrone kann mit der größten Vehemenz gegen feste Körper geschleudert werden, ohne zu explodiren. Wird das Pulver auf |359| einem Amboß mit dem Hammer geschlagen, so explodiren nur die unmittelbar getroffenen Theile desselben ohne auch nur eine Entzündung des nächstliegenden Pulvers zu bewirken.

Die Explosion des Dynamids wird nun in folgender Weise bewirkt. In ein zu diesem Zwecke angefertigtes Zündhütchen von mindestens circa 1/2 Zoll langen Kupfertüllen und mit starker Knallquecksilberladung versehen, wird eine gewöhnliche Zündschnur (am besten sind die mit Gutta-percha-Hülle) mit einem Ende eingesteckt und durch Einkneifen des Zündhütchens circa 1/4 Zoll unter der Oeffnung derselben mit einer Zange festgehalten. Dieses Zusammendrücken der Oeffnung des Zündhütchens gegen die Zündschnur und die dadurch bewirkte Schließung derselben ist eine wesentliche Bedingung zur Erreichung einer vollständigen Explosion. Wird dieses so hergerichtete Zündhütchen in eine lose aufgeschüttete beliebige Menge Dynamid eingesteckt und das andere Ende der Zündschnur angezündet, so erfolgt mit der Explosion des Zündhütchens die gleichzeitige des ersteren mit einem äußerst heftigen Knall. Ein Eßlöffel voll Dynamid auf einen Quarzstein geschüttet und mit einem Ziegelsteine bedeckt in der angegebenen Weise zur Explosion gebracht, zeigte eine fast unglaubliche Wirkung. Der aufgelegte Ziegel wurde unter vollständiger Zerstörung in die Höhe geschleudert und kam in Sand und Staub verwandelt in einem Umkreis von mindestens 50 Fuß zur Erde, während der unterliegende Quarzstein in erbsengroße Stücke zersprengt weit umhergeschleudert wurde. Eine 2 Zoll starke Buchenholzbohle wurde in ihrer Mitte auf einen Bock derart aufgelegt, daß die beiden frei schwebenden Enden sich das Gleichgewicht hielten. Ungefähr 2 Fuß von einem Ende derselben wurde ein Eßlöffel voll Dynamid aufgeschüttet und in angegebener Weise entzündet. Das Resultat war ein circa 3 Zoll großes Loch in der Bohle, welche dabei ihre Lage unverändert beibehielt. Auf dieselbe Weise wurde ein 3/4 Zoll starkes Eisenblech durchlöchert. Eine Papierpatrone mit Dynamid gefüllt und durch Eindrücken des wie oben bemerkt hergerichteten Zündhütchens an dem einen Ende der Patrone und Zusammenbinden mit derselben durch Bindfaden mit der Zündschnur versehen, wurde nach dem Anzünden der letzteren in die Elbe geworfen. Man hörte bald darauf einen dumpfen Knall und 1/2 Minute später bedeckte sich die Oberfläche des Wassers mit einer Unmasse von Fischen aller Größen, die auf dem Rücken liegend und schwer betäubt leicht mit der Hand aufgefischt werden konnten. Wurden dieselben in ein Gefäß mit Wasser geworfen, so kamen sie nach Verlauf von längstens einer Stunde fast sämmtlich wieder zu sich.

Was endlich die Wirkungen des Dynamids beim praktischen Bergbau betrifft, so werden zur Zeit, besonders in Westphalen, ausgedehnte Versuche angestellt, deren vorläufige Resultate außerordentliche genannt werden müssen. In festem Gestein besonders und je größer der Widerstand der zu sprengenden Massen ist, ist der Erfolg bei Anwendung dieses Sprengmittels ein bedeutender.

Es bedarf wohl kaum der näheren Erörterung, um die eminenten Vorzüge des Dynamids vor jedem anderen Sprengmittel festzustellen. Die vollständige Gefahrlosigkeit desselben beim Transport und beim Arbeiten mit demselben, sowie die so geeignete Pulverform bedingen die unverkennbaren Vorzüge des Dynamids nicht nur dem Nitroglycerin, sondern auch dem gewöhnlichen Pulver gegenüber. Zu erwähnen dürfte noch seyn, daß das Dynamid bei einer Temperatur von unter circa 7° Cels. gefriert und im gefrorenen Zustande selbst auf die angegebene Weise nur sehr schwer zur Explosion zu bringen ist. Man ist genöthigt, dasselbe in einem erwärmten Raume, oder wenn in fertigen Patronen, in warmem Wasser zu erwärmen, um des Erfolges sicher seyn zu können. Das Dynamid theilt mit dem Sprengöl die Eigenschaft, sehr giftig zu seyn und ist deßhalb möglichste Vorsicht beim Umgehen mit demselben geboten. (Breslauer Gewerbeblatt, 1867 S. 88.)

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