Titel: Ueber die Destillation der Flüssigkeiten, welche beim Sieden stoßen; von Dr. Pietro Pellogio.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 6 (S. 519–520)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi06_6

Ueber die Destillation der Flüssigkeiten, welche beim Sieden stoßen; von Dr. Pietro Pellogio.

Nach den schönen Erfahrungen Dufour's über einige Eigenthümlichkeiten, welche man bei dem Sieden der Flüssigkeiten beobachtet, und nach Entwickelung der Theorie dieser Erscheinungen durch Boutan, forderte mich Prof. Bruguatelli auf, einige Versuche über den Gegenstand anzustellen, im Hinblick darauf, daß solche zu einer nützlichen Anwendung führen könnten. Ich unternahm es daher, das Verhalten der Flüssigkeiten zu studiren, welche beim Sieden stoßen, und wählte unter diesen den Methylalkohol (Holzgeist), die Schwefelsäure und die Rückstände von der Destillation des Petroleums.

Ich hatte dabei die Absicht, zu erforschen, ob die in diesen Flüssigkeiten gelöste Luft – wie dieß nach der Theorie von Dufour und von Boutan der Fall seyn soll – wirklich eine merkliche Einwirkung auf die Art, wie sie sich beim Sieden verhalten, ausübt und – wenn dieß der Fall – einen Apparat zu construiren, welcher ein leichtes Sieden derselben gestattete, sey es, daß er das Stoßen ganz hinderte, sey es, daß er es möglichst verminderte, und so die großen Unannehmlichkeiten vermeiden ließe, welche das Stoßen siedender Flüssigkeiten stets im Gefolge hat.

Ich übergehe die von mir angestellten zahlreichen vergeblichen Versuche und nicht zum Ziele führenden Apparate und spreche nur von einem Apparate, welcher bei größter Einfachheit die nothwendigen Bedingungen vereinigt, um das zweite von den oben genannten Zielen erreichen zu lassen.

Der Apparat besteht aus einer tubulirten Retorte mit angefügter Vorlage; in den Tubulus der ersten ist ein Glasrohr von möglichst großer lichter Weite eingefügt; es taucht in die Flüssigkeit ein und geht fast bis zum Boden der Retorte; außen ist es rechtwinkelig gebogen und fast zur Dicke eines Haarröhrchens ausgezogen, so daß demnach die Communication mit der äußeren Luft hergestellt ist. – Läßt die Natur der Flüssigkeit es nicht zu, daß man das Rohr mittelst eines Korkes einfügt, so muß man des Glasrohr von der Dicke wählen, daß es die Tubulatur an und für sich schon verschließt und die Fugen außen mit etwas Thon verstreichen.

Ich versuchte in dem Apparate zunächst die Destillation wasserfreien Methylalkohols, und da ich fürchtete, die beobachtete ruhige Destillation desselben könne eine |520| Folge der gänzlichen Abwesenheit von Wasser seyn, wiederholte ich den Versuch mit etwa 200 Grm. käuflichen Holzgeistes; aber immer erfolgte das Sieden ganz ruhig, genau so wie es bei Wasser oder gewöhnlichem Alkohol eintritt.

Nun nahm ich eine etwa 2 Liter fassende Retorte, füllte sie zu zwei Dritteln mit concentrirter Schwefelsäure, fügte das den Tubulus schließende Glasrohr ein, verstrich die Fugen mit Thon und erhitzte direct über Kohlenfeuer. Selbst unter diesen Umständen und bei sehr lebhaftem Sieden trat kein Stoßen ein. Nur vor dem Sieden und beim Beginnen desselben ist ein kleines Geräusch wahrnehmbar, aber dabei hat es auch sein Bewenden. Das Sieden setzt sich mit größter Ruhe fort, während die meisten Blasen sich vom Boden der Retorte aus rings um das Rohr herum entwickeln. Beim Aufstellen des Apparates hat man Sorge zu tragen, daß kein Thon in die Retorte fällt, denn er würde sich daselbst in feines Pulver zertheilen und zu heftigem Stoßen Veranlassung geben.

Den dritten Versuch stellte ich mit einer Mischung von 2 Theilen Destillationsrückstand von Petroleum und 1 Theil Wasser an und bediente mich dabei einer Retorte von etwa 1 Liter räumlichem Inhalt. – Um darzuthun, wie gefährlich die Destillation einer solchen Mischung ist, genügt es zu sagen, daß bei einer solchen, die nach gewöhnlicher Art ausgeführt wurde, ein einziger Stoß veranlaßte daß ein großer Theil der in die Höhe gerissenen Flüssigkeit in die Vorlage geworfen wurde und die Retorte aus dem Ofen flog. – Unter Anwendung des oben angegebenen Apparates dagegen verläuft die Destillation ruhig, selbst wenn man bis zu sehr lebhaftem Sieden erhitzt.

Nach diesen Resultaten glaube ich schließen zu dürfen, daß dieselbe Methode der Destillation sich bei allen unter Stoßen siedenden Flüssigkeiten nützlich erweisen wird und unterlasse daher nicht meine Beobachtungen einfach mitzutheilen, ohne auf eine theoretische Erklärung der Sache einzugehen.

Ein Theil meiner Aufgabe erscheint somit gelöst; was die Einwirkung der Luft auf das Sieden der Flüssigkeit betrifft, so behalte ich mir vor, später auf den Gegenstand zurückzukommen, wenn die Versuche, mit denen ich beschäftigt bin, hinlänglich wichtige Resultate liefern. (Zeitschrift für analytische Chemie, Jahrgang VI, S. 396.)

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