Titel: Eine Formmasse für Galvanoplastik; von G. L. v. Kreß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 7 (S. 520–521)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi06_7

Eine Formmasse für Galvanoplastik; von G. L. v. Kreß.136)

Große Gegenstände, welche schwierig in Gutta-percha zu pressen sind; besonders solche, auf welchen feine Ciselirungen vorkommen, sodann landschaftliche Gegenstände mit geätzten Wolkenpartien (Erfindung des Verfassers) lassen sich vortrefflich in dieser Masse abformen, und namentlich solche kleinere Relief-Landschaften, wie sie in der Anstalt des Verfassers in vielen hundert Dutzenden verfertigt werden, lassen sich in dieser Masse schnell und massenweise herstellen, wodurch billige Preise erzielt werden können.

In Gutta-percha kann man nur durch Pressung scharfe Formen darstellen, während die eben erwähnte Masse flüssig gemacht und gegossen werden kann. Der Former legt sich verschiedene Modellplatten auf einen Tisch, umfaßt jede mit einem Streifen von Töpferthon, macht alsdann in einem Tiegel die Masse flüssig und übergießt dann sämmtliche Modellplatten. Die Modellplatten muß man vor dem Aufguß leicht mit Oel übergehen. Die Formmasse darf nicht zu heiß gegossen werden, indem sie, wenn dieß der Fall ist, auf dem Modelle hängen bleibt, wodurch die Form unbrauchbar wird. Sind die Formen gänzlich erkaltet, dann lassen sich dieselben leicht von dem Original abheben und man hat den schärfsten Abguß. Wie gesagt: die feinsten, geätzten Töne in aqua tinta-Manier geben sich wieder, und es können in kurzer Zeit eine Menge Formen angefertigt werden.

Nach dem Erkalten der Formen übergeht man dieselben mit einem weichen Pinsel mit trockenem Graphitpulver, und sie sind für den Niederschlag fertig. Wie bei jeder anderen Art von Formerei, muß auch hier umsichtig verfahren werden, besonders dürfen |521| die Formen nicht mit steifen Pinseln eingraphitirt werden, wodurch Stumpfheiten entstehen können, da die Masse nicht so hart ist wie Gutta-percha; sie nimmt jedoch den trocken aufgetragenen Graphit sehr gut an.

Die Formmasse ist wie folgt zusammengesetzt:

12 Gewichtstheile weißes Wachs,
4 „ Asphalt,
4 „ Stearin,
2 „ Talg.

Diese Bestandtheile werden in folgender Ordnung zusammengeschmolzen: 1) Asphalt, indem derselbe unter obigen Stoffen am schwersten schmilzt; 2) Wachs, 3) Stearin und zuletzt Talg. Ist die ganze Masse gehörig im Flusse und sind die verschiedenen Bestandtheile durch fleißiges Umrühren gehörig mit einander verbunden, dann wird so viel feiner Kienruß beigemischt, bis die Masse eine schöne schwarze Farbe erhält. Zuletzt mengt man etwas Gyps, welcher fein gesiebt seyn muß, bei, um der Masse mehr Körper zu geben. Auch verhindert die Beimischung des Gypses das Ankleben an das Original. Der Gyps muß jedoch mit der übrigen Masse tüchtig verrührt und verarbeitet werden; doch darf man auch nicht zu viel Gyps beimischen, weil dadurch die Masse zu trag flüssig werden würde.

Auch kann man von Gyps-Originalen Formen aus dieser Masse gießen. Man muß das zu formende Gyps-Modell in lauwarmes Wasser legen, bis dasselbe gänzlich durchgedrungen ist, was dadurch erkannt wird, daß sich keine Luft mehr aus dem Gyps entwickelt. Nimmt man nun das Gyps-Modell aus dem Wasser, so darf kein Wasser auf der Oberfläche stehen bleiben. Nun wird die flüssig gemachte Masse aufgegossen, jedoch darf sie auch hier nicht zu heiß seyn und wird sich nach dem Erkalten leicht von dem Modelle losheben. Besonders ist dieses Verfahren bei kleinen Relief-Gegenständen zu empfehlen.

Auch kann man noch einen anderen Weg einschlagen. Man tränkt das Gyps-Modell mit Leimwasser; doch auch hier darf auf der Oberfläche kein Leim stehen bleiben. Bei diesem Verfahren muß vor dem Gusse das Modell mit etwas Oel bestrichen werden. Hat man das Leimwasser mit einem weichen Pinsel aufgetragen, dann muß das Modell wieder getrocknet werden. Auch kann man statt des Leimes eine Auflösung von Gummi arabicum oder Hausenblase anwenden.

Wenn die Kupferniederschläge von diesen Formen aus vorstehender Masse abgenommen sind, kann man die Formen immer wieder gebrauchen; sollte aber durch das öftere Umschmelzen die Masse etwa zu spröde geworden seyn, so kann man etwas gelbes Wachs und Talg beimischen.

Für kleine Gegenstände, als: Münzen, Medaillen etc., kann man wohl auch Wachs und Stearin ohne alle andere Beimischung gebrauchen. Sowie aber der Gegenstand die Größe nur von mehreren Zollen Durchmesser hat, sind beide Stoffe aus dem Grunde unbrauchbar, weil sie sich beim Erkalten zu sehr zusammenziehen, schwinden, wodurch die Formen Risse bekommen. Alle empfohlenen Massen habe ich geprüft, keine aber so bewährt gefunden, als oben angegebene, nach meiner Zusammensetzung: denn nicht allein, daß diese Masse, wenn selbige bei ihrer Bereitung richtig behandelt wurde, beim Formen leicht zu handhaben ist, sondern sie formt auch das Feinste auf das Allergenaueste.

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Aus des Verf. Buch: Die Galvanoplastik für industrielle und künstlerische Zwecke. Frankfurt a. M. 1867. Boselli's Verlagsbuchhandlung.

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