Titel: Lardani's Verfahren zur Schwefelsäurefabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 187/Miszelle 8 (S. 521–522)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj187/mi187mi06_8

Lardani's Verfahren zur Schwefelsäurefabrication.

Lardani empfiehlt einen neuen Apparat zur fabrikmäßigen Darstellung von Schwefelsäure nach einer gleichfalls neuen Methode. Als Rohstoff verwendet er Schwefel oder Kiese und sein Verfahren gründet sich, wie auch die bisher üblichen Methoden, auf die Oxydation der Schwefligsäure. Der Apparat besteht aus einem Verbrennungsofen, einer Waschvorrichtung, einer Denitrificirungskammer, einem Reactionsgefäße und einer Vorrichtung zum Regeneriren der Salpetersäure.

In den Ofen, worin die Verbrennung des Schwefels erfolgt, tritt ein durch einen Ventilator zugeführter Luftstrom, mittelst dessen sowohl die nöthige Sauerstoffmenge herbeigeschafft, als auch die erzeugte Schwefligsäure ausgetrieben wird, welche letztere in den bisher gebräuchlichen Apparaten in Folge ihrer größeren Dichte eine |522| rasche Erneuerung der zur Verbrennung des Rohmateriales erforderlichen atmosphärischen Luft verhindert und somit den Verbrennungsproceß verlangsamt.

Das Schwefligsäuregas tritt aus dem Ofen in den Waschapparat, in welchem es den verflüchtigten Schwefel, besonders aber (bei Anwendung arsenhaltiger Kiese) die mit übergegangene Arsenigsäure absetzt. Aus diesem Apparate tritt die Schwefligsäure durch eine von kaltem Wasser umspülte Röhre, in welcher der erzeugte Wasserdampf condensirt und das Gas abgekühlt wird, in den unteren Theil eines Cascaden‐ oder Traufapparates, worin ein Strom schwacher Schwefelsäure circulirt, welche noch die von dem folgenden Apparate herrührenden Stickstoffverbindungen enthält.

Von hier aus gelangt das Gas in den aus zwei Theilen bestehenden Reactionsapparat. Der untere Raum desselben ist mit Schwefelsäure angefüllt, die mit einer dicken Schicht von Salpetersäure bedeclt ist; der obere, von dem unteren mittelst durchbrochener Platten von Steinzeug oder Blei getrennte Theil enthält mit Wasser getränkte Bimssteinstücke. Das mit einem Strome gepreßter Luft gemengte Schwefligsäuregas tritt durch die Schwefelsäure hindurch in die Salpetersäureschicht; die in Folge dieses Vorganges entstandenen gasförmigen Producte durchströmen die Bimssteinschicht und gelangen in den fünften, zur Wiederherstellung der Salpetersäure bestimmten Recipienten. Derselbe besteht aus einem den Refrigeratoren der Gasfabriken analogen Systeme von irdenen Röhren, welche mit Bimsstein oder Kohksstücken angefüllt sind und deren Inhalt fortwährend durch einen Wasserstrahl benetzt wird.

Die stattfindende Reaction ist leicht zu begreifen. Indem die Schwefligsäure in Gegenwart eines Ueberschusses von atmosphärischer Luft durch die verdünnte Salpetersäure hindurchtritt, entstehen sauerstoffärmere Stickstoffverbindungen, welche aus der überschüssigen Luft Sauerstoff aufnehmen und sich schließlich zu Untersalpetersäure umwandeln, während die durch die Oxydation der Schwefligsäure entstandene Schwefelsäure in Folge ihres größeren specifischen Gewichtes in dem Gefäße zu Boden sinkt und von hier durch ein Rohr in den Traufapparat geleitet wird. Die Untersalpetersäure zieht durch den oberen Theil des Reactionsapparates in den Regenerator ab, trifft in demselben mit dem Wasser und dem im Ueberschüsse vorhandenen atmosphärischen Sauerstoffe zusammen und verwandelt sich wiederum in Salpetersäure, welche nun von Neuem auf das Schwefelsäurebad geleitet wird. Schließlich wird das erhaltene Product concentrirt. (Annales du Génie civil, December 1867, S. 806.)

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