Titel: Reichardt, über Statuen-Bronze.
Autor: Reichardt, Eduard
Fundstelle: 1868, Band 188, Nr. XLIII. (S. 138–139)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj188/ar188043

XLIII. Ueber die Bronze einer von Peter Vischer gefertigten Statue; von Prof. E. Reichardt in Jena.

Durch freundliche Mittheilung wurde mir ein wenig Bronze zugesendet, welche von der Statue des Grafen Otto IV. von Henneberg zu Roemhild, einem Meisterwerke Peter Vischer's, herrührt, mit der Bemerkung, daß man bis jetzt die von genanntem Meister verwendete Mischung nicht kenne. Die chemische Untersuchung ergab in 100 Theilen Bronze:

Eisen 0,978
Mangan 0,151
Nickel 0,334
Zink 16,609
Blei 1,141
Cadmium 0,318
Kupfer 80,069
––––––––
99,600.

Zinn und Silber waren nicht zugegen. Das specifische Gewicht der Bronze betrug 8,47.

Im Ganzen genommen schließt sich die Mischung den kupferreichen |139| Bronzen an, wie man sie namentlich in neuerer Zeit zu Bronzeguß verwendet. Das Verhältniß von Zink zu Kupfer laßt sich unschwer als 1 : 5 erkennen. Das specifische Gewicht der Bronzen varürt sehr leicht nach der Dichte des Gusses oder der künstlichen Verdichtung durch Schlag u. s. w. Nach Mallet (Gmelin's Handbuch der Chemie 1853, Bd. III S. 430; polytechn. Journal Bd. LXXXV S. 378) hat eine Legirung von 5 Theilen Kupfer und 1 Theil Zink das spec. Gewicht von 8,415; nach Percy (Jahresbericht für technische Chemie von R. Wagner, 1863 S. 167) eine Mischung von 84 Theilen Kupfer und 16,0 Zink ein spec. Gewicht von 8,639. Der stärkere Kupfergehalt prägt sich deutlich aus und so kann das hier gefundene spec. Gewicht als ganz entsprechend betrachtet werden. Einige andere ähnliche Mischungen bestanden aus:

I. II. III. IV V. VI.
Kupfer 91,40 89,62 82,45 83 75 86,38
Zink 5,53 4,20 10,30 14 20 13,61
Zinn 1,70 5,70 4,10 2 3
Blei 1,37 0,48 3,15 1 2

I. Bronze der Reiterstatue Louis XIV., von Keller 1699 gegossen; II. Statue Henri IV.; III. Reiterstatue Ludwig XIV., von Goo; IV. Bronze zur Minervastatue, Paris; V. Bronze zur Napoleonsstatue, sehr gelb; VI. englisches Gußmessing, durch schöne Farbe und Schärfe des Gusses ausgezeichnet.

(IV, Graham-Otto's Lehrbuch der Chemie, Bd. II, 2. Abth. S. 830, Aufl. II; VI, Jahresbericht der Chemie von Liebig und Kopp 1853, S. 726.)

Die Mischungen varüren sehr bedeutend, sicher auch an Farbe, Härte u. dgl. Die gefundene Zusammensetzung der Legirung Peter Vischer's ergibt unbedeutende Beimengungen von Eisen, Mangan, Cadmium und Nickel, welche jedenfalls als Verunreinigungen aufzufassen sind; die Menge von Blei, wenig mehr als 1 Procent, ist jedoch vielleicht als wesentlich zu betrachten, analog dem Gehalte der anderen Gemische. Die unter VI aufgeführte englische Legirung zeichnet sich durch einfache Zusammensetzung aus.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: