Titel: Eine neue Hefe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 188/Miszelle 14 (S. 80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj188/mi188mi01_14

Eine neue Hefe.

Bei der Spirituserzengung werden Stoffe verwendet, welche die Eigenschaft der Selbstgährung nur in geringem Grade oder auch gar nicht besitzen, wie die reinen Zuckerlösungen, die Melassen etc. Um diese in Gährung zu versetzen, muß man Bier- oder Preßhefe anwenden. Da man sich diese jedoch nicht immer und überall qualitätsmäßig und zu einem billigen Preise verschaffen kann, so glauben wir im Interesse der Spirituserzeuger auf eine neue Hefe hinweisen zu sollen, welche durch ihren Erzeuger, Durin und Comp., zu Steene bei Dünkirchen, in der Gruppe V, Classe 43, in drei Arten ausgestellt wurde, und die Bierhefe sehr vortheilhaft ersetzen soll. Sie wird 1) aus den Rückständen der Stärkmehl-Erzeugung; 2) aus jenen von Rüben bei der Spirituserzeugung und 3) aus dem bei der Scheidung der Zuckersäfte erhaltenen Schaume gewonnen.

Diese verschiedenen Stoffe findet man heutzutage überall und zu sehr billigem Preise — ja oft um die Auslage des Wegführens. Sie können ebenso wie die nach dem Gebrauche weggeworfene Hefe leicht wieder belebt werden und sie lassen sich durch vollkommene Trocknung mittelst Dampf etc. bei niedriger Temperatur dauerhaft conserviren und, ohne ihre Wirksamkeit einzubüßen, überall hin versenden.

Die seit zwei Jahren auf eine currente industrielle Weise angewendete Methode, die Melasse mittelst dieser neuen Hefe in Gährung zu versetzen, hat in den Zucker- und Spiritus-Etablissements der HHrn. Durin und Comp. und in anderen sehr günstige Resultate geliefert.

Die Gährung, sowie die Destillation, sind in 28, ja in 24 Stunden beendet — das Destillat ist besser, als jenes bei der alten Verfahrungsweise mit Bierhefe und man erhält auch etwas mehr Spiritus. Die Gestehungskosten dabei sind bedeutend geringer. Die Melassenbrennereien zahlen für ihre Hefe 60 Centimes bis 1 Franc 20 Centimes per Kilogramm.

Man verbraucht zur Gährung von 1000 Kil. Melasse im Durchschnitte 14 Kil.

englische Preßhefe à. 60 Cent = 8,40 Francs
von der neuen trockenen Hefe 3½ Kil. à. 15 Cent = 0,52 Francs
–––––––––––––
was bei Verarbeitung von 1000 Kil. Melasse einen Gewinn ergibt von 7,88 Francs

Die Jury der Welt-Ausstellung zu Paris hat dieser neuen Hefe die silberne Medaille zuerkannt. Dr. Ed. Schmidt. (Aus dem österreichischen officiellen Ausstellungs-Bericht, 7. Lieferung S. 200.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: