Titel: Zinnchlorür mit Chlornatrium; von Dr. Carl Noellner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 188/Miszelle 6 (S. 75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj188/mi188mi01_6

Zinnchlorür mit Chlornatrium; von Dr. Carl Noellner.

Wie bekannt sind die Chlorverbindungen des Zinnes sehr leicht geneigt Doppelsalze zu bilden und wurden davon auch eine Reihe solcher schon untersucht uud beschrieben, allein ich suche vergeblich nach Verbindungen des Chlorürs mit Chlornatrium, während eine solche mit Chlorid beschrieben ist.

Vor einiger Zeit erhielt ich nun zufällig einen krystallinischen Niederschlag beim Vermischen einer concentrirten Zinnsalzlösung mit Kochsalz haltiger Salzsäure, der unter dem Mikroskop oberflächlich betrachtet, meist als aus regelmäßigen sechseckigen Sternen, bisweilen hier und da auch aus viereckigen Kreuzen bestehend erscheint; bei näherer Untersuchung gaben sie sich aber als Würfel und Kubo-Octaëder zu erkennen, auf deren Flächen immer kleinere Würfel aufgesetzt waren, demnach gerade ein umgekehrtes Verhalten zeigten, wie bei der Pyramidenbildung des Kochsalzes, wo die Pyramidenbildung von der Spitze aus beginnt; ferner verhalten sich diese Sterne unter dem Polarisationsapparate als völlig indifferent, zum Beweis, daß sie dem regulären Krystallsystem angehören.

Im Wasser sind dieselben in kleinster Menge löslich, weßhalb sie bisher der Beobachtung entgangen seyn mögen, aber in sehr saurer concentrirter Zinnsalzlösung sind sie schwerlöslich und in starkem Weingeist als unlöslich zu bezeichnen. Um sie rein zu erhalten, muß man daher vorerst durch schwaches Pressen in feiner alter Leinwand die überschüssige saure Zinnlösung davon entfernen und den letzten Rest derselben durch Waschen mit stärkstem Weingeist davon trennen.

Noch in der Lauge befindlich, sind die Krystalle durchscheinend, getrocknet aber stellen sie ein weißes krystallinisches Pulver dar, welches zwischen den Fingern sich wie Kalisalpeter anfühlt und dabei ein ähnliches, mit weichem Schnee, wenn man ihn ballt, zu vergleichendes Geräusch gibt. Mit Wasser angefeuchtet reagirt das krystallinische Pulver sauer, auch wenn dasselbe mit großem Ueberschuß von Weingeist so lange ausgewaschen wird, daß im Waschwasser nicht die geringste saure Reaction sich mehr erkennen läßt. Für sich im Platintiegel geglüht, hinterlassen die Krystalle Zinnoxyd, aus dem sich das Kochsalz mit Wasser auswaschen läßt, und zwar liefern 3 Grm. 2,958 Rückstand, woraus Wasser 2,907 Kochsalz auszieht und 0,048 Zinnoxyd hinterläßt; demnach bestehen sie aus:

Zinnchlorür 1,5
Kochsalz 97,0
Verlust, Wasser 1,5
–––––––
100,0

Da die erhaltenen Zahlen keinem eigentlichen Doppelsalze entsprechen, so wurden die Versuche mit wiederholt ausgewaschenem Salze vorgenommen, aber das Resultat blieb immer dasselbe, so daß sich eine dem Eisensalmiak analoge Verbindung vermuthen läßt. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1867, Nr. 24.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: