Titel: Ueber das Vorkommen von Columbit (Niobit) im Wolfram; von Phipson.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 188/Miszelle 5 (S. 162–163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj188/mi188mi02_5

Ueber das Vorkommen von Columbit (Niobit) im Wolfram; von Phipson.

In einer aus der Auvergne stammenden Probe von Wolfram, welche ich vor einigen Jahren von Pisani erhalten hatte, habe ich einen Gehalt von Columbit (niobsaurem oder vielmehr unterniobsaurem Manganoxydul-Eisenoxydul) entdeckt. Schon vor mehreren Jahren hatte ich bemerkt, daß Wolfram von verschiedenen Fundorten bald Niobsäure, bald Tantalsäure enthält, welche sich durch die Löthrohruntersuchung des nach Abscheidung des größeren Theiles von Eisen, Mangan und der Wolframsäure bleibenden Rückstandes ziemlich deutlich nachweisen lassen.50

Bei dem in Rede stehenden Exemplare gelang es mir, von etwa 20 Grm. Material eine Quantität Columbit abzutrennen, welche hinreichend war, um ein kleines Fläschchen damit zu füllen, und die Eigenschaften dieses Minerals bequem zu studiren. Die Trennung dieser immer noch so seltenen Substanz vom Wolfram ist auf die einfache Thatsache gegründet, daß das letztgenannte Erz von Königswasser angegriffen wird, was dagegen beim Columbit nicht der Fall ist. Demnach verwandelt man 15 bis 20 Grm. Columbit in feines Pulver und behandelt dasselbe in der Wärme mit Königswasser. Nach möglichst vollständig erfolgtem Aufschließen sammelt man den Rückstand, entfernt aus demselben die gebildete Wolframsäure mit Aetzammoniak und behandelt das darnach |163| Zurückbleibende wiederum mit Königswasser. Dieses Verfahren wiederholt man fünf bis sechs Mal, überhaupt so lange sich noch Wolframsäure mittelst Ammoniaks aus dem Rückstande ausziehen läßt. Dieser wird zuletzt ganz schwarz und besteht dann fast gänzlich aus Columbit (Niobit, Gröulandit, Bodenmais-Tantalit), mit einer geringen Menge mehr oder weniger durchsichtiger Quarzkörner gemengt.

Nachdem ich mich durch die Analyse von der chemischen Beschaffenheit dieses Rückstandes überzeugt hatte, untersuchte ich denselben unter dem Mikroskope und erkannte das Mineral sofort an seinem gewöhnlichen, charakteristischen Aeußern. Es bildete eckige, unregelmäßige Bruchstücke, von dunkelschwarzer Farbe und mehr oder weniger metallähnlichem Glanze und beinahe glasähnlichem Aussehen, ohne Einwirkung auf die Magnetnadel, mancher Schwarzkohle einigermaßen ähnlich, jedoch von sehr bedeutendem specifischem Gewichte und gegen Königswasser vollkommen indifferent. Vor dem Löthrohre gaben diese Körner alle Reactionen des Columbits. (Comptes rendus, t. LXV S. 419; September 1867.)

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Im Wolfram von Chanteloube bei Limoges und von Zinnwalde hat Dr. Bernoullie bereits im Jahre 1861 einen Niobgehalt nachgewiesen.

H. H.

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