Titel: Nürnberger Violett.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 11 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi01_11

Nürnberger Violett.

Ueber das von dem Chemiker E. Leykauf in Nürnberg erfundene, kürzlich in Frankreich patentirte sogen. „Nürnberger Violett“ werden jetzt nähere Angaben veröffentlicht, nach welchen dessen Darstellung folgende ist. Ein Gemisch von ganz fein gepulvertem Braunstein oder besser Rückstände von der Chlorbereitung und Phosphorsäure in geeigneten Verhältnissen wird in emaillirten gußeisernen Gefäßen zusammengeschmolzen, wobei es eine violette Farbe annimmt. Welches die geeignetsten Verhältnisse sind, ist nicht angegeben, es wird nur gesagt, daß bei zu geringem Zusatz von Phosphorsäure das Gemisch schwierig, bei zu hohem Zusatze aber zu rasch schmelzen und in beiden Fällen eine geringe Ausbeute an Farbe erhalten werde. Die geschmolzene Masse wird nach dem Erkalten mit Ammoniak oder kohlensaurem Ammoniak und genügendem Wasser zum Sieden erhitzt; dabei schlägt sich ein Theil Manganoxyd nieder, der abdecantirt oder abfiltrirt wird. Die filtrirte oder decantirte Flüssigkeit wird zur Trockne eingedampft und bis zum Schmelzen erhitzt. Nachdem man wieder hat erkalten lassen, kocht man mit einer genügenden Menge Wasser und erhält dadurch einerseits eine röthliche Flüssigkeit und andererseits ein feines violettes Pulver, welches gesammelt, ausgewaschen und getrocknet wird; es ist dieß das sogen. Nürnberger Violett, als dessen Zusammensetzung eine Analyse ergab: 6,21 Proc. Ammoniak, 28,39 Proc. Manganoxyd, 58,39 Proc. Phosphorsäure und 10,75 Proc. Wasser.

Wendet man bei dem beschriebenen Verfahren eine Eisen- statt einer Manganverbindung an, so erhält man schließlich ein blaues Pulver, und mit Gemischen von Eisen- und Manganverbindungen lassen sich demnach mehr oder weniger blau nüancirte violette Farbstoffe darstellen. (Deutsche Industriezeitung, 1868, Nr. 38.)

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