Titel: Wismuthgewinnung im Joachimsthal.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 3 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi01_3

Wismuthgewinnung im Joachimsthal.

Ueber den gegenwärtigen Standpunkt der Joachimsthaler Wismuthgewinnung berichtet Wagner in der österreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen: Die Erze und Schliege enthalten 3 bis 25 Proc. Wismuth, ½–7 Proc. Blei, ½ bis 2½ Proc. Kobalt, ¾–5 Proc. Nickel, ferner Uran, Arsen, Schwefel, Eisen, Silber, sowie Kalk-, Thon-, Talk- und Kieselerde. Die Erze werden wie Bleierze probirt, der König in Salpetersäure gelöst und entweder das anwesende Blei als Chlorblei bestimmt oder das Wismuth aus schwachsaurer Lösung mittelst eines Bleistreifens niedergeschlagen. Erze und Schliege werden in Flammöfen in Posten von 2–5 Ctr. 4 bis 6 Stunden mit Braunkohlen geröstet, mit Soda, Eisendrehspänen, Schmiedeeisenstücken und nöthigenfalls Quarz in 700markigen Graphittiegeln in einem Windofen geschmolzen, die Schlacke abgeschöpft (entweder zum Rohschmelzen gegeben oder nach Weselsky's Vorschlag auf Uran benutzt), neue Beschickung nachgetragen und dieß bis zum Vollwerden des Tiegels mit Wismuthmetall und Speise fortgesetzt. Man entleert den Tiegelinhalt in conische eiserne Eingüsse, schlägt den Wismuthkönig von der Speise ab, saigert ersteren in gußeisernen Röhren von der anhängenden Speise und anderen Unreinigkeiten ab, treibt das Bleiwismuth nach Patera's Verfahren in Partien von 4–5 Ctr. ab und erhält zunächst reine Bleiglätte (grüne Glätte, zur Bleiarbeit), dann erfolgt wismuthhaltige braune Glätte, zuletzt bloße Wismuthglätte |74| (schwarze Glätte). Hierauf nimmt man eine Probe; ist sie großblätterig oder zeigt sich auf nassem Wege kein Bleigehalt mehr, so läßt man das Wismuth in einen mit Kalk bestrichenen gußeisernen Stechherd ab, zerschrottet es nach dem Erstarren, saigert und gibt es in 10 Pfd. schweren Barren in den Handel. Die beim Erzschmelzen fallende Speise wird concentrirt. Früher wurden die Erze roh verschmolzen; beim vorherigen Rösten lassen sich ärmere Geschicke mit 2¼ Proc. Blei und 4¾ Proc. Wismuth noch mit Vortheil verschmelzen. Bei einem Bleigehalte der Erze von etwa 4,88 Proc. und 6,82 Proc. Wismuth betrugen die Selbstkosten pro Pfd. ausgebrachtes Wismuth im Jahre 1866 91½–97 kr.

Bleifreie schwarze Glätte verschmelzt man unter einer Kochsalzdecke mit 10 Proc. Quarz, 5 Proc. Kalk und 10 Proc. Eisendrehspänen, und behandelt das Metall weiter wie beim Erzschmelzen. 1 Pfund Wismuth kommt nur auf 19 kr. Von bleihaltiger brauner Glätte wurden 120 Pfd. mit 80 Pfd. Herd, 30 Pfd. Soda, 50 Pfd. Quarz, 50 Pfd. Flußspath und 20 Pfd. Eisendrehspänen geschmolzen und das bleihaltige Wismuth abgetrieben.

Man hat seit 4½ Jahren jährlich durchschnittlich 5123 Pfd. Wismuth im Geldwerthe von 33,013 fl. 6 kr. dargestellt. Verkauf und Nachfrage nach dem Metall ist sehr lebhaft und die Wismuthpreise werden wahrscheinlich steigen. Der Verkaufspreis pro Pfund beträgt etwa 9 fl.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: