Titel: Ueber die Bildung des Silbersuperoxydes durch Ozon; von Professor F. Wöhler.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 7 (S. 75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi01_7

Ueber die Bildung des Silbersuperoxydes durch Ozon; von Professor F. Wöhler.

Leitet man durch Wasser, welches mit Schwefelsäure schwach sauer und dadurch leitend gemacht ist, den elektrischen Strom von einigen Bunsen'schen Elementen, indem man als positiven Pol eine Silberplatte anwendet, so fängt diese sogleich an sich mit schwarzem Silbersuperoxyd zu bedecken, welches aber nicht krystallinisch ist, sondern amorphe Rinden bildet. Diese Bildungsweise bietet insofern Interesse dar, als es wahrscheinlich ist, daß sie unmittelbar durch das am positiven Pol entstehende Ozon stattfindet, denn daß blankes Silber ohne den elektrischen Strom durch Ozon oberflächlich in Superoxyd verwandelt wird, ist schon längst von Schönbein beobachtet worden. Bei den angestellten Versuchen war der Strom stark genug, um bei Anwendung von Platin als positiven Pol Ozon zu bilden; aber bei Anwendung von Silber war während der Bildung des Superoxydes keine Spur von Ozongeruch wahrnehmbar, so daß also anzunehmen ist, alles Ozon werde sogleich zur Oxydation des Silbers verwendet.

Nachdem sich eine gewisse Menge Superoxyd auf dem Silber abgesetzt hat, fängt es an schwach Sauerstoffgas zu entwickeln und zugleich sieht man am negativen Pol die Abscheidung einer kleinen Menge von grauem ganz amorphem metallischem Silber. Auch findet man in der Flüssigkeit stets etwas Silber als Salz aufgelöst. Es sind dieses wahrscheinlich secundäre Erscheinungen, herrührend von der Einwirkung der um den positiven Pol sich sammelnden und auf das Superoxyd zersetzend wirkenden Schwefelsäure.

Dasselbe Verhalten zeigt das Silber, wenn es in einer Glaubersalzlösung steht und der Strom hindurchgeleitet wird; in einer Salpeterlösung dagegen bildet sich kein Superoxyd, sondern die ganze Flüssigkeit erfüllt sich mit hellbraunem aufgeschlämmtem Silberoxyd. In einer Lösung von Ferrocyankalium (Kaliumeisencyanür) belegt sich das Silber mit weißem amorphem Ferrocyansilber, und in einer Lösung von doppeltchromsaurem Kali mit röthlich schwarzem, fein krystallinischem chromsaurem Silber, welches kein Superoxyd enthält. (Göttinger Nachrichten, 1868 S. 139.)

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