Titel: Ueber das Schweißen des Kupfers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 2 (S. 170–171)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi02_2

Ueber das Schweißen des Kupfers.

Einer Mittheilung hierüber von PH. Rust, qu. k. Salinen-Inspector, im bayerischen Kunst- und Gewerbeblatt, 1868 S. 527, entnehmen wir Folgendes:

Wenn es gelingen sollte das Kupfer zu schweißen, so handelte es sich offenbar um ein Flußmittel, welches das im Feuer sich bildende Kupferoxyd zu einer leichtflüssigen Schlacke aufzulösen vermag. Die Mineralogie gab hierüber Aufschluß, denn sie lehrt, daß der Libethenit und der Phosphorocalcit, zwei phosphorsaure Kupfersalze, vor dem Löthrohr leicht schmelzen. Es war daher anzunehmen, daß ein Salz, welches freie Phosphorsäure enthält, oder sie in der Glühhitze liefert, das Schweißen des Kupfers ermöglicht.

Ein erster Versuch wurde mit dem für Löthrohrproben gebräuchlichen sogenannten Phosphorsalz (phosphorsaures Natron-Ammoniak) angestellt und gelang sofort vollkommen.

Da dieses Phosphorsalz etwas theuer ist, so wurde später eine billigere Zusammensetzung benutzt, nämlich 1 At. phosphorsaures Natron (358) und 2 At. Borsäure (124), welche im Feuer ebenfalls freie Phosphorsäure, nebst borsaurem Natron und phosphorsaurem Natron liefert.

Auch hiermit gieng das Schweißen ganz gut von statten, nur war die Schlacke nicht ganz so dünnflüssig wie die bei Anwendung des Phosphorsalzes sich bildende.

Mittelst dieser Schweißpulver, welche man auf das rothglühende Kupfer streut, dann dasselbe noch etwas weiter, bis zur hellen Kirschroth- oder angehenden Gelbglühhitze erwärmt, und sofort unter den Hammer bringt, gelingt das Schweißen des Kupfers mindestens eben so leicht wie das des Eisens; man kann z. B. ein kurzes Kupferstäbchen, welches etwa durch zu starkes Erhitzen quer abgebrochen war, wieder zusammenschweißen, wenn man die Bruchenden stumpf zusammenstößt, mit einer eisernen Zange beide zugleich erfaßt, sammt der Zange im Feuer erhitzt, Schweißpulver aufträgt, nochmals einhält und dann zusammenstaucht. Die Vereinigung ist so vollständig, daß sich das Stäbchen nachher strecken und biegen läßt, als wenn es nie gebrochen gewesen wäre.

Mittelst Anwendung obiger Schweißmittel hat der Verf. im Jahre 1854 u. a. ein aus mehreren Streifen starken Kupferbleches zusammengeschweißtes und ausgestrecktes Stäbchen, dann ein Stück Kette, deren Glieder aus starkem Kupferdraht zusammengeschweißt waren, angefertigt.

Beim Schweißen des Kupfers sind folgende zwei Punkte besonders zu beobachten:

1) Wenn man das zu schweißende Kupfer im Kohlenfeuer erhitzt, so muß man sorgfältig Acht haben, daß keine Kohle, sey es auch das kleinste Stückchen, ja selbst nur ein Funken, mit der die Schweißstelle umgebenden Schlacke des geschmolzenen Schweißmittels in Berührung kommt, denn sonst bildet sich aus dem in dieser Schlacke vorhandenen phosphorsauren Kupferoxyd Phosphorkupfer, welches als stahlgrauer Ueberzug sogleich die Schweißstellen bedeckt und das Schweißen unbedingt verhindert. Erst nach längerer Behandlung im Oxydationsfeuer und nochmaligem Aufgeben des Schweißpulvers gelingt dann das Schweißen wieder. Es ist daher sehr zu empfehlen, das Erhitzen des zu schweißenden Kupfers in einem Flammfeuer — etwa in einer Gasflamme — vorzunehmen.

2) Das Kupfer, ein an und für sich schon viel weicheres Metall als das Eisen, ist bei der für das Schweißen nöthigen Hitze natürlich weit weicher als Eisen in der Schweißhitze; deßhalb verändert sich die Form der zu vereinigenden Stücke in Folge der Anwendung von Hammerschlägen bedeutend; es muß daher bei Gestaltung der zu vereinigenden Theile hierauf im Voraus Rücksicht genommen, d. h. denselben die |171| nöthige Stärke gegeben werden. Etwas weniger findet die Formveränderung statt, wenn man sich beim Schweißen eines hölzernen Hammers bedient.

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