Titel: Ueber die Identität des Körpers in der Atmosphäre, welcher Jodkalium zersetzt, mit Ozon; von Th. Andrews.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 4 (S. 171–172)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi02_4

Ueber die Identität des Körpers in der Atmosphäre, welcher Jodkalium zersetzt, mit Ozon; von Th. Andrews.

Es ist eine Reihe von Jahren, namentlich auf die Autorität von Schönbein hin, angenommen worden, daß der in der Atmosphäre enthaltene Körper, welcher Jodkalium-Papier färbt, mit Ozon identisch ist; aber diese Identität ist neuerlich in Zweifel gezogen worden, und da der Gegenstand erhebliche Wichtigkeit hat, so unterwarf ich ihn einer sorgfältigen Untersuchung. Die einzige Eigenschaft des Ozons, welche bis jetzt auch für den in der Atmosphäre enthaltenen Körper nachgewiesen worden ist, ist die, Jod aus Jodkalium frei zu machen; da aber auch andere Substanzen, wie z. B. Salpetersäure und Chlor, dieselbe Eigenschaft besitzen, ließ sich aus dieser Thatsache allein kein sicherer Schluß ziehen.

Eine der auffallendsten Eigenschaften des Ozons ist sein Vermögen, Quecksilber zu oxydiren, und wenige Experimente sind auffallender, als das, einige Blasen elektrolytisch entwickelten Sauerstoffgases auf die Oberfläche von 1 bis 2 Pfund Quecksilber einwirken zu lassen. Das Metall verliert sofort seinen Glanz, seine Beweglichkeit und die Convexität der Oberfläche, und bewegt haftet es in dünnen spiegelartigen Häutchen an der Wandung des es enthaltenden Glasgefäßes. — Der in der Atmosphäre enthaltene Körper wirkt in derselben Weise auf reines Quecksilber ein; aber bei der äußerst geringen Menge, welche überhaupt in der Luft anwesend ist, erfordert der Versuch einige Sorgfalt dafür, daß diese Wirkung zur Wahrnehmung gebracht werde. Bei mehrstündigem Ueberleiten eines Stromes von atmosphärischer Luft, welche mit Jodkalium-Papier die gewöhnliche Reaction gab, über die Oberfläche von Quecksilber in einer U förmigen Röhre, wurde das Metall deutlich an dem Ende oxydirt, an welchem die Luft zuerst in Berührung mit ihm kam.

Dieser Versuch kann jedoch nicht als ein streng beweisender betrachtet werden, da das Quecksilber auch in Folge der Einwirkung mehrerer anderer Körper, außer Ozon, anlaufen und seine Beweglichkeit verlieren kann.

Bekanntlich verschwinden alle Reactionen des Ozons, wenn das letztere durch eine Röhre geleitet wird, welche Stückchen trockenen Mangansuperoxyds oder eines anderen Körpers aus derselben Classe enthält. Dasselbe hat statt für die in der Atmosphäre enthaltene, als Ozon betrachtete Substanz. Etwa 80 Liter atmosphärischer Luft wurden in gleichförmigem Strome durch eine Mangansuperoxyd enthaltende Röhre gesaugt und dann auf sehr empfindliches Reagenspapier einwirken gelassen. Nicht die leiseste Färbung des letzteren trat ein, obgleich dasselbe Papier deutlich gefärbt wurde, als 10 Liter derselben Luft, ohne Einschaltung der mit Mangansuperoxyd gefüllten Röhre, über dasselbe geleitet wurden.

Aber die Einwirkung der Hitze gibt den unzweideutigsten Beweis ab für die Identität des in der Atmosphäre enthaltenen Körpers mit Ozon. Ich habe früher gezeigt, daß das Ozon, mag es durch Elektrolyse oder durch die Einwirkung elektrischer Funken aus Sauerstoffgas erhalten seyn, bei 237° Cels. rasch zu gewöhnlichem Sauerstoffgas umgewandelt wird. Ein Apparat wurde zusammengestellt, mittelst dessen ein Strom atmosphärischer Luft in einem kugelförmigen Gefäße von 5 Liter Inhalt |172| auf 260° C. erhitzt werden konnte. Nach dem Austreten aus diesem Gefäße strich die Luft durch eine Uförmige Röhre, deren Wandung innen mit Wasser benetzt war, während die Röhre selbst durch Eintauchen in ein Gefäß mit kaltem Wasser abgekühlt wurde. Als atmosphärische Luft von günstiger Beschaffenheit durch diesen Apparat geleitet wurde, mit einer Geschwindigkeit von 3 Liter in der Minute, wurde das Reagenspapier innerhalb 2 bis 3 Minuten deutlich gefärbt, vorausgesetzt daß das kugelförmige Gefäß nicht erhitzt war. Aber wenn die Temperatur der Luft bei dem Durchgehen durch dieses Gefäß auf 260° C. gebracht war, zeigte sich nicht die leiseste Einwirkung auf das Reagenspapier, wie lange auch das Durchströmen von Luft andauerte. Aehnliche Versuche mit künstlich ozonhaltig gemachter Luft — nämlich mit der Luft eines großen Zimmers, welche eine kleine Menge elektrolytisch dargestellten Ozons erhielt — gaben genau dieselben Resultate. Andererseits wurde das Reagenspapier gefärbt, die Glaskugel mochte erhitzt seyn oder nicht, als kleine Mengen Chlorgas oder Salpetersäuredampf, mit sehr viel Luft verdünnt, durch denselben Apparat gesaugt wurden.

Auf Grund dieser Versuche betrachte ich die Schlußfolgerung als gerechtfertigt, daß der in der Atmofphäre enthaltene Körper, welcher Jodkalium zersetzt, mit Ozon identisch ist. (Aus den Procedings of the Royal Society, durch die Annalen der Chemie und Pharmacie, 6. Supplementband S. 125.)

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