Titel: Ueber Leuchtgas aus Petroleum-Rückständen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 5 (S. 172–173)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi02_5

Ueber Leuchtgas aus Petroleum-Rückständen.

Im polytechn. Journal, 1867, Bd. CLXXXIV S. 485 sind die Resultate mitgetheilt, welche sich bei Anwendung eines (nach beigegebener Zeichnung von Dr. Schilling beschriebenen) Hirzel'schen Petroleumgas-Apparates in der Locomotivenfabrik von Krauß u. Comp. in München ergeben hatten. Ueber die weiteren Ergebnisse dieses Apparates liegt jetzt eine Mittheilung der Herren Krauß und Comp. vor. Darnach wurden vom 27. Dec. 1867 bis 5. März 1868 aus 3048 Pfund Material 25450 Kubikfuß bayr. = 22345 Kubikfuß engl. Gas producirt. Als Material dienten Petroleumrückstände, welche von Hirzel in Leipzig bezogen wurden, und die zu 3⅔ Thaler ab Leipzig und auf 9 fl. pro Zollcentner loco Fabrik zu stehen kamen. Während der ersten vier Wochen mußten wegen der unregelmäßigen Function der Speisepumpe, die namentlich bei größerer Consistenz des Rohmateriales ihren Dienst versagte, einige Zusätze, namentlich von Kammfett, gemacht werden; seit dem 24. Januar wurde ohne Zusatz mit dem Material allein gearbeitet. Seit dem 5. März wurden auch Versuche mit Paraffinöl gemacht, welche jedoch nicht zur Zufriedenheit ausgefallen sind. Das Heizmaterial kostete pro 1000 Kubikfuß engl. Gasproduction durchschnittlich 1 fl. 20 kr. Der Arbeitslohn berechnet sich für den Zeitraum vom 27. Dec. bis 5. März auf 34 Tagelöhne à 1 fl. Es wurde nämlich an 34 Tagen Gas gemacht, und ein Arbeiter hatte damit jedesmal, einschließlich der Vorbereitungen und des nachherigen Reinigens des Apparates, einen Tag zu thun. Auf 1000 Kubikfuß engl. Gasproduction berechnet sich demnach 1 fl. 31 kr. Arbeitslohn. Was die Unterhaltung des Apparates betrifft, so kann gerechnet werden, daß jährlich eine neue Retorte zum Preise von 26 fl. 15 kr. gebraucht wird. Die übrigen Unterhaltungsausgaben zu 3 fl. 45 kr. angeschlagen, ergibt sich im Ganzen auf diesem Conto eine Jahresausgabe von rund 30 fl., und diese Summe auf den Gesammtgasbedarf von rund 60000 Kubikfuß pro Jahr vertheilt, ergibt pro 1000 Kubikfuß engl. Gas 30 kr. Unterhaltungskosten. Die Verzinsung und Amortisation des Anlagecapitals von 3000 fl. betragen, zu 7 Proc. berechnet, 210 fl. pro Jahr. Dieß ergibt pro 1000 Kubikfuß engl. Gasproduction 3 fl. 30 kr. Die Herstellungskosten für 1000 Kubikfuß engl. Gas betragen sonach: für Material eigentlich 12 fl. 17 kr., jedoch in Berücksichtigung des Umstandes, daß das Material sich bei zweckmäßiger Einrichtung des Apparates vortheilhafter ausnutzen läßt,

anzuschlagen zu 10 fl. — kr.
für Heizmaterial 1 fl 20 kr.
für Arbeitslohn 1 fl. 31 kr.
für Unterhaltung fl. 30 kr.
für Verzinsung und Amortisation 3 fl. 30 kr.
–––––––––––––––
16 fl. 51 kr.
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Hieraus ergibt sich, daß die Productionskosten des Gases sich trotz der größeren Billigkeit des Rohmateriales nur unwesentlich gegen früher (17 fl. 1 kr) verringert haben, und zwar vornehmlich aus zwei Ursachen. Einmal war die Ausbeute an Gas aus 1 Ctr. Rohmaterial wesentlich geringer als früher; und zweitens hat sich der Betrag für Verzinsung und Amortisation höher gestellt, als früher angenommen war, weil der Jahresbedarf an Gas, welcher zu 72500 Kubikfuß veranschlagt war, in Wirklichkeit nur die Höhe von 60000 Kubikfuß erreichte. Bei einem Verhältniß der Leuchtkraft von 1: 3,68, wo 272 Kubikfuß Petroleumgas 1000 Kubikfuß Steinkohlengas entsprechen, stellt sich also jetzt für die Locomotivenfabrik von Krauß und Comp. das Aequivalent von 1000 Kubikfuß Steinkohlengas auf 4 fl. 35 kr. (Journal für Gasbeleuchtung, 1868 S. 190.)

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