Titel: Ueber Petroleumgas im Vergleich mit Steinkohlengas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 6 (S. 173–174)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi02_6

Ueber Petroleumgas im Vergleich mit Steinkohlengas.

Auf der am 22. Juli d. J. zu Görlitz abgehaltenen Versammlung von Gasfachmännern Niederschlesiens und der Niederlausitz erörterte Hr. Ingenieur Lehmann die Frage der Concurrenz des Petroleumgases mit dem Steinkohlengase. Nach den Betriebsresultaten in der Locomotivenfabrik von Krauß und Comp. in München stellen sich die Herstellungskosten für 1000 Kubikfuß Gas mit 7 Proc. Zinsen und Amortisation des Anlagecapitals auf etwa 9½ Thlr und die Leuchtkraft beträgt das 3,68 fache des Steinkohlengases. Nach Ermittelungen, welche Hr. Lehmann angestellt hat, betragen die Herstellungskosten für 1000 Kubikfuß mit Zinsen und Amortisation 8 Thlr., die Leuchtkraft das Dreifache von der des Steinkohlengafes. Einem Kubikfuß Petroleumgas entsprechen durchschnittlich 7½ Kerzen, während einem Kubikfuß Steinkohlengas durchschnittlich 2½ Kerzen entsprechen. Nimmt man den ungünstigsten Fall an, daß die Selbstkosten des Gases 1⅓ Thlr. betragen, so dürften die des Petroleumgases, wie Hr. Lehmann bemerkte, nur das Dreifache ausmachen und sich nicht höher als 4 Thlr. stellen, während sie in Wirklichkeit das Sechsfache, d. i. 8 Thlr. betragen. Um dieses höchst ungünstige Verhältniß zwischen Herstellungskosten und Leuchtkraft zu verdecken, werde in allen Reclamen von 5- bis 6 facher Leuchkraft gesprochen. Es frage sich aber, ob es für gewöhnliche Verhältnisse überhaupt so wichtig sey, ein Material zu besitzen, mit welchem man einen sehr hohen Lichteffect erzeugen könne. Von hohem Werth ist ein außerordentlich intensives Licht für Leuchtthürme; aber weder für die Straßenbeleuchtung, noch für industrielle Zwecke, noch für den häuslichen Bedarf hat ein über das gewöhnliche Maaß steigender Lichteffect einen Werth. Das fortschreitende Streben im Beleuchtungswesen geht nicht direct auf außerordentliche Lichtquellen hinaus, sondern zunächst nur auf Ermäßigung der Kosten für Beschaffung der Einheit des Lichteffectes. Durch eine zweckmäßige Verwendung des vorhandenen Brennmateriales läßt sich jeder wünschenswerthe Effect erreichen. Man sorge nur für möglichste Vertheilung des Lichtes, beseitige den grellen Wechsel zwischen Licht und Schatten, und Niemand wird ein Bedürfniß fühlen nach einer höheren Concentration des Lichtes auf einzelne Punkte. Ein Lichteffect von 15 Kerzen für eine Straßenflamme und eine Flammendistanz von 5–8 Ruthen ist selbst für die belebtesten Straßen großer Städte ausreichend; bei Beleuchtung überdeckter Räume schwankt der erforderliche Lichteffect zwischen 9 und 15 Kerzen. Das Steinkohlengas liefert dieses Licht und zwar bis jetzt für die geringsten Kosten, ja es gestattet bequem noch Lichtwirkungen bis 20 Kerzen. Dabei ist bei Beleuchtungen von Wohnungen und gewissen Fabriken die Eigenschaft des Steinkohlengases nicht hoch genug zu veranschlagen, durch welche es sich als ein billiges Material zum Kochen und Heizen erweist. Eine Petroleumflamme gestattet einen höchsten Lichteffect von 15 Kerzen. Darüber hinauszugehen verbietet das Rußen der Flamme. Für Cylinderbrenner ist das Petroleumgas noch viel weniger zu brauchen als Cannelgas, zum Kochen und Heizen kann es wegen seiner hohen Kosten gar nicht verwendet werden, der Aufwand sür eine Illumination mit Petroleumgas oder die Verwendung für einen Gasmotor würde verschwenderisch hoch seyn. Mit dem Petroleumgas bietet man demnach nach Lehmann's Ansicht ein Leuchtgas an, das sehr theuer, ja selbst theurer als fast alle flüssigen Leuchtstoffe ist, das als Gas nur die einseitige Verwendung zum Leuchten hat und hierbei eine bei weitem beschränktere Ausdehnung als Steinkohlengas gestattet. Man streue den Leuten Sand in die Augen mit einem geringen Anlagecapital |174| und mit so kleinen Flammen, die nicht die halbe Leuchtkraft der Steinkohlengasbrenner ergeben. Da die Herstellungskosten des Petroleumgases das Sechsfache derjenigen des Steinkohlengases betragen, die Leuchtkraft aber nur das Dreifache, so müsse der Lichteffect der Petroleumgasflamme auf die Hälfte desjenigen der Steinkohlengasflamme ermäßigt werden, wenn sich die Kosten gleich bleiben sollen. Außerdem seyen die Bezugsquellen für Petroleumrückstände sehr beschränkt und es habe den Anschein, als wenn nur die von Hrn. Dr Hirzel bezogenen zur Herstellung von Gas geeignet wären. (Journal für Gasbeleuchtung, 1868 S. 381.)

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