Titel: Ueber den Guano von Mexillones, von A. Bobierre.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 8 (S. 174–176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi02_8

Ueber den Guano von Mexillones, von A. Bobierre.

Der Guano von den „Hols“ und der Halbinsel Mexillones (Bolivia) ist seit einiger Zeit zum Gegenstande einer regelmäßigen Gewinnung geworden. Die erste Ladung dieses Düngemittels wurde von dem Schiffe „Pérou“ nach Frankreich gebracht und aus den in Bordeaux, Paris und Nantes ausgeführten Analysen ergab sich, daß er hauptsächlich aus dreibasischem phosphorsaurem Kalk (nämlich aus ungefähr 50 Proc. des letzteren mit 23,80 Phosphorsäure) und aus Spuren einer stickstoffhaltigen Substanz bestand. Bobierre hatte Gelegenheit, durch eigene Versuche von der ziemlich bedeutenden Löslichkeit dieses Phosphates in Kohlensäure, sowie von dem Vorhandenseyn von Spuren salpetersaurer Alkalien in dem gedachten Guano sich zu überzeugen. Später, im November 1867, erhielt er durch einen reisenden Naturforscher eine von demselben an Ort und Stelle gesammelte Probe dieses Guano's, welche sich weit reicher an Phosphorsäure erwies als der von dem Schiffe „Pérou“ eingeführte; denn Bobierre fand in ihm 33 Proc. der gedachten Säure, entsprechend 71,50 Proc. dreibasischen Kalkphosphates. Auffallend war das Vorhandenseyn weißer, unter der Loupe eine sehr deutliche krystallinische Textur zeigender Knollen. Allerdings hatte Bobierre auch in der vom bolivianischen Consul in Nantes zur Analyse ihm zugestellten Probe des von der „Pérou“ eingeführten Guano's große, aus mikroskopischen Krystallen von |175| schwefelsaurem Kalk bestehende knollenförmige Concretionen mit einem Gehalte von 21,70 Proc. flüchtiger Substanz (mit 20,94 Wasser) gefunden; allein diese Knollen hatten keine Aehnlichkeit mit den in der auf Mexillones selbst gesammelten Guanoprobe enthaltenen Krystallinischen Aggregaten.

Zur näheren Untersuchung der Knollen befreite Bobierre dieselben möglichst von der gelben, leicht zerreiblichen, in Folge der Beimengung von Chlornatrium einen salzigen Geschmack zeigenden Grundmasse, in welcher sie zerstreut lagen. Die so erhaltene Substanz bildete farblose, schiefe rhombische Prismen mit Abstumpfung der scharfen Seitenkanten, welche in Wasser unlöslich waren, sich aber in Säuren ohne Aufbrausen lösten und keine Spur von schwefelsaurem Kalk enthielten.83

Zwei Analysen dieser bei 100° C. getrockneten Substanz ergaben nachstehende Zusammensetzung derselben:

I. II.
Wasser (bei Rothglühhitze verflüchtigt) 34,00 33,88
Phosphorsäure 33,00 32,52
Magnesia 26,00 26,28
Thonerde und Eisenoxyd 3,00 1,97
unlöslicher Rückstand 1,00 0,98
Chlornatrium 0,53 0,55
Verlust u. nicht bestimmte Substanzen 2,47 3,82
––––––– –––––––
100,00 100,00.
Mg O 26,00 26,28
PO 5 33,00 32,52
HO mit geringen Mengen organischer Substanz 34,00 33,88
––––––– –––––––
93,00 92,68.

Demnach besteht diese krystallinische Substanz in dem zu erhaltenden Zustande möglicher Reinheit zu 93, bez. 92,68 Proc. ausschließlich aus wasserhaltiger dreibasisch phosphorsaurer Magnesia. Phosphorsäure und Magnesia repräsentiren im Durchschnitte 58,90 Proc.; nun hatte die Lösung beim Fällen mittelst Ammoniak 59,60 Proc. gegeben; zieht man davon 2,48 Proc. Thonerde und Eisenoxyd ab, so bleiben 57,12 Proc. für das durch Ammoniak gefällte dreibasische Phosphat, eine Zahl, welche sich 58,90 Proc. sehr nähert. Berechnet man die Zusammensetzung des Phosphates

3MgO, PO5 + 7HO

in Procenten und vergleicht sie mit der des Phosphates, welches 93 Proc. der weißen Knollen ausmacht, so erhält man

für die berechnete Zusammensetzung: für die Zusammensetzung des im Guano vorhandenen Magnesiaphosphates.
3MgO 30,92 29,71
PO 5 36,59 37,25
7HO 32,47 33,04.

Die weißen Knollen aus dem Bobierre übergebenen Guano sind somit von denen des durch die „Pérou“ importirten ganz verschieden, denn diese letzteren bestehen aus Gyps, die ersteren dagegen fast gänzlich aus entschieden krystallinischem dreibastschem Magnesiaphosphat.

Leider stand Bobierre eine zu geringe Menge von den Concretionen zur Verfügung, sonst würde es ihm vielleicht möglich gewesen seyn, das Magnesiaphosphat von den ihm noch beigemengten 7 Proc. fremdartiger Substanz vollständig zu befreien, so daß er nicht bei den zur Bestimmung der flüchtigen Bestandtheile ausgeführten dreizehn Versuchen Zahlenwerthe erhalten hätte, welche zwischen 31,19 und 34,20 schwankten. Indessen ergibt sich aus diesen Werthen das Vorhandenseyn des in deutlichen Krystallen ausgebildeten Phosphates (3MgO, PO5 + 7HO) in dem Guano von |176| Mexillones mit genügender Zuverlässigkeit. Es liegt demnach auf der Hand, daß die Analytiker bei der Untersuchung dieses Guano's die Phosphorsäure leicht unrichtig bestimmen könnten, wenn sie dieselbe aus einer Lösung des geglühten Düngers mittelst Ammoniak niederschlagen wollten; ferner daß durch das Erhitzen zur Rothgluth in derartigen Fällen ein Verlust entsteht, welcher durch die Verflüchtigung von chemisch gebundenem Wasser bedingt wird und nicht von organischer Substanz herrührt. Was diesen letzteren Punkt anbetrifft, so hat Bobierre kürzlich beim Glühen des Guano's von den Jarvis-Inseln Gelegenheit gehabt eine analoge Beobachtung zu machen. (Comptes rendus, t. XLVI p. 543; März 1868.)

|175|

Die Concretionen der von der Ladung der „Pérou“ herstammenden Guanoprobe, welche ebenfalls in einer ähnlichen Grundmasse lagen, bestanden aus einem Gemenge von phosphorsaurer Magnesia und wasserhaltigem schwefelsaurem Kalk, in welchem das letztere Salz in weit überwiegender Menge vorhanden war.

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