Titel: Ueber die Entfernung der Düngstoffe in den Städten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 9 (S. 176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi02_9

Ueber die Entfernung der Düngstoffe in den Städten.

Bei der 42. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Dresden nahm man in der Section für öffentliche Gesundheitspflege folgenden von Dr. Varrentrapp aus Frankfurt a. M. und Wiebe, Geh. Oberbaurath aus Berlin, gestellten Antrag an:

I. „Die Gesundheit der Städtebewohner verlangt als eines der dringendsten Bedürfnisse, daß der Boden, worauf die Städte erbaut sind, rein und trocken erhalten werde — rein, indem aller flüssige Unrath (Küchen-, Hausreinigungs-, Fabrikwasser u. s. w.) weder direct dem Boden überliefert, noch in Gruben oder sonst wie in der Nähe der Wohnungen aufgespeichert, vielmehr vollständig und schleunigst weit aus den Städten weggeführt werde, — trocken, indem das Grundwasser, wo dasselbe regelmäßig oder zeitweise höher als der Kellerboden der Häuser steht, niedriger als derselbe gelegt, und auf diesem Standpunkt dauernd erhalten werde. Zur Erreichung dieses Doppelzweckes sind folgende Forderungen zu stellen: 1) reichliche Versorgung der Wohnhäuser mit frischem reinem Wasser, und zwar am besten durch alle Stockwerke; 2) jeder Aufspeicherungsort, jede Art von Gruben (Versickerungs-, Senk-, cementirte Gruben u. s. w.) sind unbedingt zu verbieten; 3) leichte und schnelle Abführung des durch den Gebrauch verunreinigten Wassers, durch gut eingerichtete, gehörig gespülte und ventilirte unterirdische Abzüge, dergestalt, daß jeder Fäulniß der flüssigen, organischen Abgänge nicht nur im Bereich des Hauses, sondern auch im Bereich der ganzen Stadt unbedingt vorgebeugt wird; 4) diese Abzüge sind so einzurichten, daß jedes Austreten von Luft aus denselben in die Häuser und die Verunreinigung des Untergrundes wirksam verhindert wird, und 5) die Abzüge müssen tiefer als die Kellersohlen liegen, und sind so anzulegen, daß sie die Keller von etwaigem Grundwasser befreien, überhaupt die Keller vor dem Eintreten von Wasser in dieselben völlig schützen.

II. Eine besondere Beachtung verdient die Entfernung der menschlichen Excremente... Bei diesen vor Allem ist jede Aufspeicherung verboten, schleunigste Entfernung geboten, und zwar sollen sie noch frisch abgeführt werden, d. h. ohne jeden Aufenthalt gleich nach ihrem Entstehen. Daher ist das Tonnensystem jeder Art von Gruben, selbst wenn diese durch die besten hydropneumatischen Apparate entleert werden, vorzuziehen, und ebenso das Schwemmsystem dem Tonnensystem. Bei kleineren und mittleren, an großen Flüssen gelegenen Städten ist vom gesundheitlichen Standpunkt aus gegen die Ausgießung des frischen flüssigen Inhaltes der Schwemmcanäle in jene Flüsse nichts zu erinnern.

Großen Städten kann diese Ausgießung, insbesondere in kleine Flüsse, nicht gestattet werden. Hier empfiehlt sich, zumal da die Frage der Desinfection, d. h. gegenüber der bloßen Geruchlosmachung, die wirkliche Niederschlagung, Zersetzung und Zerstörung der schädlichen Bestandtheile, bis jetzt noch ganz problematisch ist, nach den bisherigen Erfahrungen vor Allem die Berieselung der Felder. Diese allein gewährt das Mittel, die Flüsse vollkommen rein zu erhalten und allen düngenden flüssigen Unrath dem Ackerbau zuzuführen, indem andererseits bei jeder Art von Abfuhr das Küchen-, Wasch-, Fabrik-Wasser, der Straßendünger u. s. w. der Landwirthschaft entzogen bleiben“.

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