Titel: Ueber die Empfindlichkeit einiger im Handel vorkommenden weißen Malerfarben gegen Schwefelwasserstoff; von Prof. Dr. Oppel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 11 (S. 253–254)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi03_11

Ueber die Empfindlichkeit einiger im Handel vorkommenden weißen Malerfarben gegen Schwefelwasserstoff; von Prof. Dr. Oppel.

Es ist eine auch von Dilettanten, die sich nur dann und wann mit Malen beschäftigen, vielfach gemachte unangenehme Erfahrung, daß die mit weißen Deckfarben aufgesetzten oder solche als Mischungsbestandtheil enthaltenden „Lichter“ einer Zeichnung, — wenn man letztere nach Jahr und Tag wieder betrachtet, in ebenso viele dunkle, bräunliche Flecken oder Streifen verwandelt erscheinen und dadurch die Wirkung des Dargestellten oft geradezu vernichten; — bekanntlich eine Folge des Bleigehaltes jener Pigmente, welcher durch den (zumal in bewohnten Räumen niemals ganz fehlenden) Schwefelwasserstoffgehalt der Luft mit der Zeit in bräunliches Schwefelblei umgewandelt wird. Da nun aber die besagten Pigmente in der Regel kein Glaubensbekenntniß bezüglich ihres chemischen Ursprunges an der Stirne tragen, sondern allerlei ganz willkürlich von den Fabrikanten gewählte Namen führen, so wird es immer rathsam seyn, sie vor dem Gebrauche zu prüfen. Beispielsweise wurden von mir 6 solche, sämmtlich sehr schön weiße Deckfarben sectorenförmig auf Papier aufgetragen und dieses dann (nach dem Trocknen) auf eine zuvor mit Löschpapier bedeckte Porzellanschale gelegt, in welcher eine Messerspitze voll Schwefeleisen mit etwas verdünnter Salzsäure übergossen worden war. Das frisch entwickelte Schwefelwasserstoffgas ruft dann die sonst in Jahr und Tag von selbst eintretende Veränderung binnen einer Minute hervor. so daß z. B. das Pariser Blanc d'argent in ein gesättigtes Kastanienbraun verwandelt, Blanc léger graubraun und das ordinäre Weiß der „Muschelkästen“ gelblichbraun geworden, dagegen Hornemann's „Deckweiß“, Winsor und Newton's Chinese Whiteund auch eine in kleinen Schälchen verkäufliche Sorte sogenannten „Cremser Weiß“ (— die also kein Bleiweiß seyn kann —), völlig unverändert geblieben waren. Es würden sonach von den 6 geprüften Pigmenten die beiden letztgenannten, da sie zugleich sehr gut decken, vorzugsweise zu |254| empfehlen seyn.) (Jahresbericht des physikalischen Vereines zu Frankfurt a. M. für 1866–67.)

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