Titel: Darstellung des Alizarins und Purpurins aus dem Krapp, nach E. Leitenberger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 13 (S. 254–255)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi03_13

Darstellung des Alizarins und Purpurins aus dem Krapp, nach E. Leitenberger.

Nach E. Leitenberger löst sich das Purpurin bei 25 bis 55° C. in Wasser in ziemlich bedeutender Menge, während bei dieser Temperatur von Alizarin nur Spuren aufgenommen werden. Erst bei 75° beginnt das Alizarin sich zu lösen. Gestützt auf diese Beobachtung, verfährt Leitenberger (französ. Patent) zur Trennung beider Krappfarbstoffe folgendermaßen. Der gemahlene Krapp wird in einer hinreichenden Menge Wasser vertheilt, die Flüssigkeit durch Dampf langsam auf 25 bis 55° C. erhitzt und einige Zeit bei dieser Temperatur erhalten, ohne daß man dieselbe überschreitet. Die gefärbte Flüssigkeit wird abfiltrirt, der Rückstand nochmals mit frischem Wasser bei 25 bis 55° behandelt, und dieses Verfahren so lange wiederholt, als die Flüssigkeit sich noch gefärbt zeigt. Aus den vereinigten Extracten wird das Purpurin mit Kalk- oder besser mit Barytwasser niedergeschlagen, von welchem ein Ueberschuß nicht schadet. Der Kalklack wird darauf mit überschüssiger Salzsäure zersetzt; das Purpurin scheidet sich ab und ist nach dem Filtriren und Trocknen zum Gebrauch fertig, wenn man es nicht durch Auflösen in siedendem Holzgeist von einigen etwa anhängenden Unreinigkeiten befreien will. Zur Gewinnung des Alizarins aus dem so behandelten Krapppulver muß dasselbe zunächst getrocknet werden; dann kocht man es in mit Dampf geheizten Gefäßen mit Holzgeist so oft wiederholt aus, als die Flüssigkeit noch gefärbt wird. Das Alizarin wird aus der Lösung durch langsames Eingießen derselben in Wasser unter beständigem Umrühren erhalten; durch das langsamere Eingießen soll sich nach Leitenberger ein Alizarinhydrat bilden, welches unlöslicher in Wasser ist als das Alizarin selbst. Der Niederschlag gibt getrocknet ein Präparat, welches fast chemisch rein ist. Leitenberger will auf diese Weise 2 bis 3 Proc. des Krapps an Purpurin und 4 bis 4½ Proc. Alizarin erhalten haben. Zur Vergleichung des Werthes der Producte führt er an, daß zum Ausfärben von 5 Grm. mit Eisensalz gebeizter Baumwolle bei Fixirung mit arsensaurem oder kieselsaurem Natron 0,2 Grm. des nach obiger Methode bereiteten Alizarins, 7 bis 8 Grm. Krapp, 2 Grm Garancin oder 0,8 Grm. Alizarin von Schaaf und Lauth erforderlich |255| seyen. Die Apparate, welche Leitenberger bei der Extraction von Farbstoffen anwendet und welche bereits früher bekannt gemacht worden sind, bestehen aus zwei Kesseln, deren Festigkeit hinreichend ist, daß sie sowohl einen inneren Druck von mehreren Atmosphären, als auch den äußeren Druck der Atmosphäre auf den luftleeren Raum aushalten können. Beide cylindrische Kessel sind neben einander aufgestellt und durch ein Rohr, welches nahe am Boden einmündet, mit einander verbunden. Bringt man nun in den ersten Kessel das zu extrahirende Pulver, füllt darauf den zweiten, ohne den ersten luftdicht zu schließen, zu 8 bis 9 Zehnteln seines Inhaltes mit Wasser, so wird, wenn man jetzt den zweiten Kessel luftdicht verschließt und das Wasser darin zum Kochen erhitzt, das letztere durch den Dampf in das erstere Gefäß gedrückt werden, sich dort mit Farbstoff sättigen und beim Abstellen des Heizdampfes damit in das zweite Gefäß zurücktreten. Ist die Flüssigkeit durch öftere Wiederholung dieses Verfahrens gesättigt, so pumpt man sie in ein Reservoir, von wo sie über ein Filter von Leinenzeug von unten geht und eingedickt oder eingetrocknet wird. Es braucht wohl kaum bemerkt zu werden, daß für den speciellen Fall der Trennung des Purpurins vom Alizarin die Benutzung des kochenden Wassers ausgeschlossen ist, die Construction des Apparates also abgeändert werden muß. (Deutsche Industriezeitung.)

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