Titel: Das Glycerin als Ersatz des Kleisters für die Châssis beim Handdruck.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 14 (S. 255)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi03_14

Das Glycerin als Ersatz des Kleisters für die Châssis beim Handdruck.

Bekanntlich gibt man beim Handdruck dem Châssis die erforderliche Weichheit und gleichzeitige Widerstandsfähigkeit dadurch, daß man es auf eine schleimige Flüssigkeit aufsetzt, welche eine Gummi- oder Dextrinlösung, Leinsamenschleim oder irgend ein anderes ähnliches Product seyn kann. Alle diese Flüssigkeiten werden indessen mit der Zeit sauer, gehen in Gährung über, faulen oder trocknen ein und werden dadurch dick.

Auf den Rath der Redaction des Moniteur de la teinture versuchte ein Färber Glycerin als Châssis-Unterlage zu verwenden. Nach einiger Zeit machte er dem Redacteur die Anzeige, dasselbe erfülle vollkommen den Zweck der früher gebräuchlichen Lösungen, ohne die Unzuträglichkeit des Sauerwerdens, der Fäulniß etc. zu zeigen.

In der That stellt das Glycerin eine dickliche, wenig bewegliche und sogar schleimige Flüssigkeit dar. Es trocknet nicht ein und verändert sich überhaupt nicht im geringsten, sondern behält unter allen Umständen und bei jeder Temperatur dieselben Eigenschaften. Zudem löst es sich vollkommen in Wasser, was die Reinigung der Châssis und Baken bedeutend erleichtert.

Sollte in einem Falle das Glycerin nicht dick und schleimig genug, sondern zu dünnflüssig seyn, so kann man es leicht dadurch verdicken, daß man es mit etwas Stärke versetzt und kochen läßt. Die so erhaltene Lösung zeigt bei allen vortheilhaften Eigenschaften des Glycerins die für den gedachten Zweck erforderliche Dickflüssigkeit.

Da das Glycerin nur eine mechanische Arbeit zu verrichten hat, so kann man mit Vortheil das rohe, dunkel gefärbte Glycerin verwenden, welches sehr billig ist. Bei einer Stärke von 28° Baumé beträgt der Preis des rohen Glycerins nur 10 Thlr. per Centner, das Pfund 3 Sgr. (Musterzeitung, 1868, Nr. 19.)

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