Titel: Ueber die Einwirkung des Wassers und verschiedener neutraler Salzlösungen auf Rohrzucker; von Dr. W. L. Clasen
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 15 (S. 255–256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi03_15

Ueber die Einwirkung des Wassers und verschiedener neutraler Salzlösungen auf Rohrzucker; von Dr. W. L. Clasen

Schon öfters ist die Frage, ob Rohrzucker durch die Einwirkung von Wasser oder neutralen Salzen umgewandelt wird, Gegenstand von eingehenden Untersuchungen gewesen. Zum Theil widersprechen sich die Angaben von Soubeiran, Berthelot, Maumené und Béchamp. Der letztere hat die ausführlichsten Arbeiten durchgeführt. |256| Er kam zu dem Resultate, daß ohne Schimmelbildung, ohne Entwickelung der fermentartig wirkenden Pilze, keine Veränderung des Rohrzuckers eintrete. Der Verf. hielt es für nöthig, diese Versuche wieder aufzunehmen. Er schloß alle Pilzentwickelung aus und erreichte das namentlich dadurch, daß er nicht wie Béchamp seine Versuche auf Monate ausdehnte, sondern dieselben nie länger als 5 Tage dauern ließ. Clasen wandte bei seinen Versuchen eine Zuckerlösung von etwa 10 Proc. an und überzeugte sich durch 2 stündiges Erhitzen einer solchen Lösung mit Fehling'scher Kupferlösung, daß nur Rohrzucker in der Raffinade enthalten war. Die Bestimmung des durch Einwirkung des Wassers veränderten Zuckers geschah immer mit dem Polarisationsinstrument von Ventzke-Soleil und zugleich durch die Fehling'sche Lösung. Im letzten Falle wurde das abgeschiedene Kupferoxydul mit Chamäleon titrirt. Die zugesetzte Menge der verschiedenen neutralen Salze betrug auf 100 Kubikcentimeter Zuckerlösung 0,2 Grm. Gyps oder die äquivalente Menge anderer Salze. Drei Versuchsreihen machte der Verf., keine dauerte über 5 Tage, dann trat gewöhnlich Schimmelbildung ein und der Versuch wurde unterbrochen. Seine Resultate faßt Clasen in folgender Weise zusammen:

1) Rohrzucker wird durch reines Wasser bei gewöhnlicher Temperatur allmählich in Glycose übergeführt, durch mehrstündiges Erhitzen einer Lösung gleich nach ihrer Darstellung tritt keine Veränderung ein. 2) Gyps, Gyps und Salmiak, salpetersaures Kali verhindern die Bildung von Glycose, schwefelsaure Magnesia schwächt die Wirkung des Wassers. 3) Wird eine mit Gyps, salpetersaurem Kali oder schwefelsaurer Magnesia versetzte Zuckerlösung nach mehrtägigem Stehen auf eine Temperatur von 70° R. nur während weniger Stunden erhitzt, so tritt bedeutende Glycosebildung ein. 4) Wird eine Zuckerlösung mit Gyps und Salmiak versetzt und erhitzt, so verflüchtigt sich Ammoniak und die Lösung wird sauer. Dadurch wird bei Gegenwart dieses Salzgemisches am meisten Glycose gebildet, auch wenn die Zuckerlösung frisch dargestellt war. 5) In allen anderen Fällen war keine saure Reaction der Flüssigkeit zu beobachten und muß die Molecularverwandlung allein der Wirkung des Wassers zugeschrieben werden. 6) Unbestimmt läßt es der Verf., ob sich wirklich bei der Wirkung des Wassers Traubenzucker=C12H12O12 bildet, auch andere Kohlenhydrate könnten die Fehling'sche Lösung reduciren. (Journal für praktische Chemie, 1868,Bd. CIII S. 449.)

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