Titel: Gruson'sche Hartguß-Blöcke zu Fortificationszwecken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 6 (S. 250–251)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi03_6

Gruson'sche Hartguß-Blöcke zu Fortificationszwecken.

Zu den seit Mitte Sommer d. I. in Berlin in der Ausführung befindlichen Fortifications-Versuchen mit Hartguß-Blöcken hat am 9. October der Guß des letzten und größten Werkstückes stattgefunden Derselbe erfolgte in Gegenwart des Kriegs- und Marineministers wie der Spitzen sämmtlicher bei diesen Versuchen betheiligten Militär- und Marinebehörden in der für die Gruson'sche Hartgußfabrik auf dem Berliner Artillerie-Schießplatz errichteten Gießhütte. Das zu diesem Guß verwendete Material belief sich auf 1800 Ctr. Das Schmelzen des Metalles erfolgte in drei mächtigen Kupolöfen und beanspruchte im Ganzen bis zur Fertigstellung nur drei Stunden. Jeder dieser Oefen lieferte dazu in der Stunde 250 Ctr. flüssiges Metall; der eigentliche Guß des Stückes ist in dem Zeitraume von nur 45 Secunden bewirkt worden. Der Vortheil für die Gleichmäßigkeit des Gusses und den raschen Fluß desselben liegt auf der Hand; den geeignetsten Maaßstab für die so bewirkte Leistung aber gewährt der Umstand, daß jüngst noch erst in England der Guß eines zu einem Dampfhammer bestimmten Werkstückes von 2000 Ctr. 48 Stunden in Anspruch genommen hat. Nicht minder merkwürdig erscheint die Handhabung und Fortbewegung dieser ungeheuren Werkstücke. Dieselbe erfolgt durch hydraulische bewegliche Krahne, und zwar so leicht und sicher, daß für die Aufstellung einer Platte von 800 Ctr. und deren Transport über eine Strecke von mehreren hundert Schritten nur der Zeitraum von einer halben Stunde erforderlich ist. Das Zusammenstellen dieser Blöcke zu Panzerständen für Geschütze schwersten Kalibers erfordert dazu dem Vernehmen nach weder Bolzen noch Schrauben, sondern wird einfach durch die Einfügung der Werkstücke in einander bewirkt. Ein Vortheil dabei ist, daß die Besatzung dieser Geschützstände nicht durch das von dem feindlichen Feuer bewirkte Heraustreiben und Herumfliegen der Bolzen gefährdet zu werden vermag, und dieselbe sich somit in einer derartigen Eisenbefestigung weit gesicherter als in den nach früherer Art ausgeführten Panzer-Fortifications-Anlagen befindet. Auch der Ausführung von Drehthürmen aus diesem |251| Material soll nicht die geringste Schwierigkeit entgegenstehen, und wird namentlich die Bewegung dieser Thürme vermittelst einer Kurbeldrehung als durch einen einzelnen Mann ausführbar bezeichnet. Ganz besonders wird noch bei dieser neuen Eisenbefestigung die glückliche Verbindung von Eisen, Mauerwerk und Erde hervorgehoben. Zunächst und in erster Reihe sind diese Eisenbauten zu dem Zweck der Küstenbefestigung bestimmt; selbstverständlich würden sie aber, wofern sie sich bewähren, zu den verschiedensten Fortificationszwecken eine Anwendung zu finden vermögen. (Berggeist, 1868, Nr. 84.)

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