Titel: Ueber die Verwerthung der Rückstände von der amerikanischen Amalgamation; von G. H. Mann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 7 (S. 251–252)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi03_7

Ueber die Verwerthung der Rückstände von der amerikanischen Amalgamation; von G. H. Mann.

Bei dem amerikanischen Amalgamirverfahren erwachsen große Verluste dadurch, daß Quecksilberchlorür entsteht, welches nicht wiedergewonnen wird. Es ist berechnet worden, daß auf diese Weise in den letzten zweihundert Jahren auf den amerikanischen Werken-zweihundert Millionen Centner Quecksilber verloren gegangen sind.

Im Nachstehenden soll ein billiges Verfahren zur Wiedergewinnung des in den Amalgamirrückständen enthaltenen Quecksilbers angegeben werden.

Zunächst werden die Rückstände sorgfältig ausaewaschen, bis alles Lösliche entfernt worden ist. Das Ungelöste wird in einem großen Bottiche mit salpetersaurem Natron und einem geringen Ueberschusse von Chlorwasserstoffsäure behandelt. Dadurch wird das in den Rückständen enthaltene, in Wasser fast ganz unlösliche Quecksilber chlorür (Calomel) in Quecksilberchlorid (Sublimat) verwandelt, und zwar in Folge einer Reaction, welche wahrscheinlich dem nachstehenden Ausdrucke entspricht:

Hg2Cl + Na O, NO5 + 2H Cl=2Hg O + Na Cl + NO4 + 2H O.

Das entstandene Quecksilberchlorid wird durch Zusatz einer genügenden Menge von heißem Wasser und Umrühren in Lösung gebracht und die erhaltene Flüssigkeit mittelst eines Hebers in einen anderen Bottich abgezogen. Zur Gewinnung von metallischem Quecksilber aus dieser Flüssigkeit kann man nun zwei verschiedene Methoden befolgen. Nach dem ersten Verfahren verdampft man die Flüssigkeit zur Trockne und reducirt den erhaltenen Rückstand mittelst Kalkhydrat; doch ist diese Methode sehr mangelhaft, indem ein Antheil des Chlorids verflüchtigt wird bevor es sich reducirt hat, so daß das Ausbringen an Quecksilber sehr vermindert wird. Das zweite, bessere Verfahren ist das folgende: man versetzt die in den zweiten Bottich abgezogene Flüssigkeit mit einer Lösung von Schwefelcalcium, welches bei dem sogleich näher zu beschreibenden Reductionsprocesse als Nebenproduct entsteht, bis sämmtliches Quecksilber als schwarzes Schwefelquecksilber niedergeschlagen ist:

Hg Cl + Ca S + Hg S + Ca Cl.

Man läßt diesen Niederschlag sich absetzen, decantirt dann die über demselben stehende, klar gewordene Flüssigkeit, trocknet den Rückstand bei einer nicht über 150° C. zu erhöhenden Temperatur, mengt ihn dann innig mit gelöschtem Kalk und unterwirft dieß Gemenge in eisernen Retorten der Destillation. Die Dämpfe des reducirten Quecksilbers werden in Vorlagen, in denen etwas Wasser enthalten ist, condensirt; in den Retorten bleibt ein Gemenge von Schwefelcalcium und schwefelsaurem Kalk zurück; denn

4Hg S + 4Ca O=4Hg + 3Ca S + CaO, SO3.

Dieser Rückstand wird mit Wasser ausgelaugt und die dadurch erhaltene Lauge von Schwefelcalcium wird zur Fällung neuer Mengen von Schwefelquecksilber verwendet. (Scientific American, Juli 1868, S. 20.)

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