Titel: Verwendung von Espartogras zur Papierfabrication in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 9 (S. 252–253)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi03_9

Verwendung von Espartogras zur Papierfabrication in England.

Der Engineer vom 13. December 1867 bringt in seinem Berichte über die Versammlung des irländischen Civilingenieur-Vereines zu Dublin vom 11. December 1867 einige interessante Notizen über Papierfabrication, woraus wir das Folgende entnehmen:

Bekanntlich verarbeiten die englischen Papierfabriken gegenwärtig große Quantitäten von Espartogras, welches in Spanien, Algier etc. wild wächst und zu billigen Preisen nach England importirt wird. Aus Espartogras kann aber nur durch Behandlung mit sehr starken caustischen Laugen ein reiner brauchbarer Faserstoff gewonnen werden; 100 Pfd. Esparto, mit 16 bis 25 Pfd. caustischer Soda 8 oder 9 Stunden lang unter einem Dampfdruck von 80 Pfd. pro Quadratzoll (5,6 Kilogrm. pro Quadratcentimeter) gekocht, ergeben schließlich 40 bis 50 Pfd. reinen Faserstoff. Die abfließende Lauge ist schwarz von den aufgelösten organischen Bestandtheilen. Es läßt sich leicht denken, daß diese Flüssigkeit bei dem großen Alkaligehalt mehr als alle anderen Abfallstoffe der Papierfabriken das Wasser der Flüsse verderben und die Fische darin tödten muß, was natürlich zu Beschwerden Veranlassung gibt. Aus diesen Gründen hat man versucht, die aus dem Kochfaß ablaufende schwarze Lauge zu sammeln, einzudampfen und den festen Rückstand in einem Flammofen einzuäschern, wodurch man die Soda wiedergewann. Das Verfahren scheiterte jedoch an der Kostspieligkeit. Eine Tonne (=20 Ctr.) Esparto oder Stroh erfordert 12,000 Gallons (54,000 Liter) Wasser, um die Lauge richtig auszuwaschen, und ein solches Volumen Flüssigkeit brauchte zur Verdampfung nicht weniger als 5 Tonnen Kohlen (101,5 Ctr.), die einen Werth von 4 Pfd. Sterl. (26⅔ Thlr.) haben, und damit würde man 300 Pfd. Soda wiedergewinnen. Der Centner davon würde also allein an Brennmaterial 27 Sh. (9 Thlr.) erfordern, und es blieb somit nichts übrig, als die Lauge davonlaufen zu lassen. Auf Beschwerde von Interessenten wegen Verunreinigung eines kleinen Flusses durch diese Lauge wurde dieserhalb durch richterliche Entscheidung die Papierfabrik der Stowmarket Papermaking Company in Suffolk geschlossen.

Dieser Fall ist nun Veranlassung dazu gewesen, eine Methode aufzufinden, wodurch die oben genannten Schwierigkeiteu überwunden werden und die Eindampfung der schwarzen Lauge dennoch rentabel gemacht wird. Man gieng davon aus, das Volumen der Lauge möglichst zu verringern und man versuchte den gekochten Faserstoff nicht wie bisher durch Auswaschen mit Wasser davon zu befreien, sondern durch Auspressen. Nachdem man erst mit hydraulischen Pressen vergebliche Versuche gemacht hatte, kam man zuletzt damit zum Ziele, daß man den nassen Stoff nacheinander zwischen drei Paar Preßwalzen in Pappenform durchgehen ließ. Man will auf diese Weise die Lauge bis auf 4 Proc. ohne Verdünnung wieder gewonnen haben. Das Volumen derselben beträgt dann nur 2000 Gallons (9000 Liter) und das resultirende Sodaash kommt nur noch auf 6 Sh. (2 Thlr.) statt vorher 27 Sh. (9 Thlr.) pro Centner zu stehen. Mit diesem Verfahren hat die oben genannte Fabrik ihre Arbeit wieder aufnehmen können und arbeitet nun mit größerem Gewinne als vorher, da sie ihre Soda immer und immer wieder gebrauchen kann. Otto Krieg. (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1868, Bd. XII S. 583.)

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