Titel: Ueber die Verfälschungen der Hausenblase; von L. Soubeiran.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 12 (S. 343)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi04_12
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Ueber die Verfälschungen der Hausenblase; von L. Soubeiran.

Die beste Hausenblase ist bekanntlich die russische; sie unterliegt aber häufig Verfälschungen mit Sorten geringerer Qualität, als da sind: die brasilische und indische, am meisten jedoch mit Leim, welcher sich entweder einfach beigemengt findet oder der Hausenblase, namentlich der blätterigen, einverleibt ist. Um einen solchen Betrug zu entdecken, gibt es mehrere untrügliche und leicht anwendbare Mittel. Man braucht z. B. nur ein kleines Stück der verdächtigen Substanz mit warmem Wasser zu befeuchten; die echte Hausenblase wird dadurch weiß. matt, weich und dehnt sich nach allen Seiten hin gleichmäßig aus. Der Leim dagegen wird beim Aufschwellen durchsichtig und vergrößert sein Volumen unregelmäßig, so daß er das Ansehen eines Bandes bekommt, dessen breiteste Fächen denen des Bruches entsprechen. Auch besitzen die trockenen Stücke Leim einen eigenthümlichen Glanz, den man an der Hausenblase nicht bemerkt.

Die Hausenblase löst sich in kochendem Wasser fast ganz auf, und diese Lösung riecht noch warm mitunter schwach fischartig, keineswegs jedoch widrig. Der Leim löst sich in heißem Wasser immer nur theilweise, die Solution scheidet fast stets einen reichlichen Satz ab, ist klebriger und riecht unangenehmer. Die befeuchtete Hausenblase oder ihre Lösung reagirt neutral oder schwach alkalisch, der Leim dagegen fast immer deutlich sauer, was von den zu seiner Bereitung und Bleichung angewandten Materialien herrührt. Die russische Hausenblase hinterläßt beim Verbrennen eine äußerst geringe Menge Asche von dunkelrother Farbe, welche außer Eisenoxyd nur noch ein wenig kohlensauren Kalk enthält, Leim liefert weit mehr Asche; dieselbe ist weiß, reicher an kohlensaurem Kalk und enthält außerdem noch salzsauren und schwefelsauren Kalk.

Man sieht also, daß Hausenblase und Leim leicht von einander zu unterscheiden sind. Schwieriger hält es zu erkennen, ob Hausenblase mit Leim imprägnirt ist, aber mit Hülfe des Mikroskops gelingt dieß. Die mit warmem Wasser befeuchtete Probe zeigt sich nämlich, wenn leimhaltig, wegen der Ausdehnung des Leimes, am Rande sehr durchsichtig und structurlos.

Um die russische Hausenblase von der viel billigeren brasilischen Hausenblase zu unterscheiden, behandle man sie mit warmem Wasser; die russische löst sich fast ganz und bildet eine feste durchstchtige Gallerte, die brasilische gibt eine trübere Gallerte, woraus sich ein bedeutender, matt weißer, widrig schmeckender Satz ablagert. (Vierteljahresschrift für praktische Chemie, Bd. XXVII Heft 2.)

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