Titel: Verfälschung der Schmierseife durch Stärkmehl; von Roussin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 13 (S. 343–344)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi04_13

Verfälschung der Schmierseife durch Stärkmehl; von Roussin.

Die weiche, schwarze oder grüne Seife dient in der Therapie, Thierarzneikunde, in den Haushaltungen und der Industrie zu vielfachen Zwecken und wird ohne Zweifel schon seit langer Zeit in grober Weise verfälscht. Die Verfälschung besteht im Zusatz verschiedener Mengen Stärke und ist gegenwärtig fast schon allgemeine Mode der fabrikmäßigen Darstellung genannter Seife; 16 Pariser Seifen aus verschiedenen Stadttheilen enthielten Stärkmehl, nie unter 10, oft 20 bis 25 Procent. Ist die Stärke gut eingemengt, so sind die Seifen von sehr gutem Ansehen, transparent, ohne deutliche Körnung. Nichts verräth den betrügerischen Zusatz. Eine mikroskopische Untersuchung ergibt denselben sofort; man darf nur eine nadelknopfgroße Menge unter dem Deckgläschen drücken, um Hunderte von Stärkekörnchen zu finden, meistens aufgebläht durch unvollständiges Kochen, oder durch den Contact mit der alkalischen Seife. Eine Anzahl der Körnchen erscheint ganz charakteristisch, man sieht deutlich den Kern, die Grenzen der concentrischen schichten, das der Kartoffelstärke eigene schalige Aussehen.

Um die Stärke zu isoliren und ihr Gewicht zu bestimmen, verfährt man in folgender Weise: 10 Grm. schwarze Seife werden in der Kälte in 30 bis 40 Kubikcentimeter Weingeist von 85° Tr. gelöst, oder auch in noch schwächerem Weingeist. Durch Rühren mit einem Stäbchen ist die Lösung in wenigen Minuten bewirkt; bei reiner Seife ist die Flüssigkeit fast völlig klar. Der unlösliche Rückstand setzt sich |344| sehr schnell ab, und wird durch Decantiren gewaschen und gewogen, nachdem er zwischen Fließpapier einige Minuten im Trockenschranke gelegen hat. Die so abgeschiedene Stärke ist pulverig und grau; mit Wasser gekocht bildet sie einen sehr consistenten Kleister, der sehr energisch mit Jod reagirt.

Das geringe Aufgeblähtseyn der Stärke führt zu der Ansicht, daß das Stärkmehl der Seife bei relativ niedriger Temperatur zugesetzt wird, ohne daß sie der Wirkung der alkalischen Laugen ausgesetzt ist, welche die Stärkekörnchen schnell zersetzen. Das normale Wassergewicht der weichen Seifen ist bei diesem Zusatze nicht erhöht.

Einige Seifen aus dem nördlichen Frankreich enthielten nur sehr schwache Spuren von Stärke, so daß man annehmen kann, sie rühren eher aus dem schlecht gereinigten Oele her, als von einer Verfälschung.

Die Preise der zur Verfälschung dienenden schlechten Stärke und der reinen Schmierseife zeigen deutlich den Betrug. Die rohe Stärke kostet per 100 Kilogrm. 20 bis 45 Frcs.; während 100 Kilogrm. reiner, weicher Seife des Handels 60 bis 70 Frcs kosten. (Aus dem Journal de Pharmacie et de Chimie, durch das Archiv der Pharmacie, Bd. CLXXXV S. 133.)

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