Titel: Ueber ein Verfahren um die Explosion von schlagenden Wettern in den Kohlengruben zu verhüten; von Delaurier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 4 (S. 339–340)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi04_4

Ueber ein Verfahren um die Explosion von schlagenden Wettern in den Kohlengruben zu verhüten; von Delaurier.

In einer der französischen Akademie vorgelegten Note (Comptes rendus, t. LXVII p. 441; August 1868) sagt der Verfasser über den vorliegenden Gegenstand Folgendes: „Die schlagenden Wetter, welche sich allmählich bei dem Ausbringen der Steinkohlen entwickeln, insbesondere aus den fetten Steinkohlen, wie bei jenen von Mons, können nicht immer durch Ventilation aus den Gruben entfernt werden. Man hat die Absicht gehabt, dieses gefährliche Gas dadurch zu zerstören, daß man dasselbe in dem Maaße, in welchem es sich mit der atmosphärischen Luft mischt, direct zum Verbrennen bringt, aber diese Operation ist für Jene, welche damit beauftragt werden, gefährlich; hingegen kann durch Anwendung der Elektricität dieses Resultat erzielt werden. Man hat Apparate vorgeschlagen, um mittelst des elektrischen Funkens Minensprengungen, sowohl für Kriegs-, als auch für industrielle Zwecke auszuführen, und zwar namentlich deßhalb, um Gefahren für die Arbeiter zu beseitigen, während das vorliegende Problem bis jetzt noch keine Lösung gefunden hat, obgleich die traurigsten Berichte über Katastrophen in den Bergwerken aufgezählt werden.“

„Mein Vorschlag geht (abweichend von analogen, namentlich in Deutschland gemachten) dahin, in den verschiedenen Gallerien einen hinreichend dicken Leitungsdraht aus Kupfer auszuspannen, der an vielen Stellen mit Unterbrechungen versehen ist. An den Unterbrechungsstellen sollen die Drahtenden mittelst feiner Drähte von Gold unter sich metallisch verbunden und jeder Golddraht soll mittelst einer Art Patronenhülse in Schwefelblumen eingehüllt werden, die sich bekanntlich leicht entzünden. Mittelst der ganzen Leitung soll nun eine starke Volta'sche Batterie geschlossen werden, deren Strom groß genug ist, um jeden der Golddrähte zum Glühen zu bringen; in diesem Glühzustande wird der Schwefel entzündet, und die ganze Luftmischung, welche in seiner Umgebung sich befindet, zum Entflammen gebracht. Bei diesem Verfahren ist man sicher, daß die Kette nicht unterbrochen wird, und überdieß wird man finden, daß die Explosion des schlagenden Wetters stattgefunden hat, weil der Schwefel selbst oder ein anderer leichter und empfindlicher Zündsatz beim Entflammen nach allen Richtungen hin zerstreut wird. Diese Procedur wird man jedesmal anwenden, ehe die Arbeiter die Gruben betreten; man wird daher jeden Morgen den Strom herstellen, und die Kette nicht eher unterbrechen, als bis keine Explosion mehr wahrgenommen wird. Jeden Abend bringt man wieder in die Umhüllung eines jeden Golddrahtes eine kleine Quantität Schwefel, und man wird so die Gefahren, denen die Arbeiter durch die schlagenden Wetter ausgesetzt werden, zu verhüten im Stande seyn. Ich schlage deßhalb feine Golddrähte statt der Platindrähte vor, weil letztere leicht chemische Veränderungen durch den Schwefel erfahren. — In jenen Gruben, wo das Ausbringen der Steinkohlen ein permanentes ist, hat man die Arbeiter von Zeit zu Zeit austreten zu lassen, und möglichst oft die Volta'sche Kette zu schließen, und das genannte Verfahren in Anwendung zu bringen, um erst dann wieder die Arbeiten fortsetzen zu lassen, wenn die Explosionen sehr schwach geworden sind.“

Die akademische Commission, welche die Mittheilung von Delaurier der näheren Würdigung unterstellte, erkennt die Nützlichkeit des vorliegenden Verfahrens an. Die wirksamsten Mittel aber, welche für den in Rede stehenden Zweck dienen können, bestehen nach dem Ausspruche der Commission immer in einer starken Ventilation, indem man die kräftigsten Ventilatoren in Anwendung bringen soll, um die Kohlengruben von schädlichen Gasen beständig zu reinigen. Diese Ventilation sey auch dann noch nothwendig, wenn das Verfahren von Delaurier in Anwendung kommt, da sich bei der Verbrennung der detonirenden Gase Luftarten, wie Kohlensäure und Kohlenoxydgas erzeugen, welche jedenfalls zuerst durch Ventilation entfernt werden müssen, ehe die Arbeiter die Kohlengruben betreten können.

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