Titel: Darstellung schöner Zinndendriten; von Fr. Stolba.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 6 (S. 340–341)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi04_6

Darstellung schöner Zinndendriten; von Fr. Stolba.

Das im Handel vorkommende Bancazinn liefert unter Umständen die artigsten krystallinischen Bildungen, die zu dem Schönsten gehören, was man in dieser Art sehen kann. Namentlich die Zinndendriten, welche man mitunter bei den Versuchen, das Zinn zu krystallisiren, erhält, gewahren einen prachtvollen Anblick. Die in meinem Besitze befindlichen Proben haben schon manchen Naturforscher überrascht und von allen Seiten hörte ich die Ansicht aussprechen, daß es in dieser Art kaum etwas Schöneres gebe. Während ich derartige Zinndendriten früher nur zufällig erhielt, ist es mir nun gelungen, die Umstände zu erforschen, die einen stets sicheren Erfolg bedingen, weßhalb ich mein Verfahren hier mittheile.

Man schmelze einige Loth Bancazinn in einem hessischen Tiegel und erhitze das geschmolzene Metall so lange, bis sich die gelbe Anlauffarbe zeigt. Nun gieße man die geschmolzene Masse in ein Pappkästchen mit der Vorsicht, daß etwaige Unreinigkeiten, wie Zinnasche u. dgl. im Tiegel zurückbleiben. Das Pappkästchen sey mit dickem Papier, am besten blauem Umfchlagpapier, ausgekleidet. Man wartet kurze Zeit ab, während welcher man das Kästchen ruhig stehen läßt, bis das Zinn am äußersten Rande zu erstarren beginnt, so daß es daselbst am Papier haftet; hierauf gießt man das flüssige Metall rasch ab, indem man das Kästchen etwas neigt. Die hierbei gebildeten Dendriten haften am Papier, während der flüssige Antheil des Zinnes abfließt. Hat man einige solcher Versuche selbst angestellt, so lernt man das Verfahren besser kennen, als es jede Beschreibung vermöchte. Am schönsten nehmen sich jene Bildungen aus, welche zahlreiche Zwischenräume enthalten; sie sehen manchen zierlichen Moosen ähnlich und glänzen in sehr schön gold- und rothgelben Anlauffarben. Ich habe auf diese Art viele hundert Proben von überraschender Schönheit erhalten. (Lotos, Zeitschrift für Naturwissenschaften.)

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