Titel: Ueber Kesselstein und die Mittel zur Verhütung desselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 1 (S. 424–425)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi05_1

Ueber Kesselstein und die Mittel zur Verhütung desselben.

In einer Versammlung des westphälischen Bezirks-Vereines deutscher Ingenieure betraf ein Gegenstand der Tagesordnung die Discussion über Mittel zur Verhütung der Kesselsteinbildung. Dieselbe wurde durch Hrn. Dr. List eingeleitet. Redner gieng davon aus, daß diese Mittel theils in Zusätzen zu den Speisewässern, theils in besonderen Apparaten beständen. Die ersteren sollen bewirken, daß statt des Kesselsteines sich Schlamm bildet. Zu diesem Behufe sind Kartoffeln, Kleie und andere stärkeartige Stoffe vorgeschlagen worden. Auf die an die Anwesenden gerichtete Frage, ob ihnen etwas über die Resultate dieser Mittel bekannt geworden sey, erwähnte Hr. v. d. Heyde, daß in ihm mitgetheilten Fallen das Resultat nur ein Anbrennen der Kartoffeln an den Kessel gewesen sey. Hr. Dr. List erwähnt sodann der günstigeren Wirkung von feinem Seifenschiefer (Bergseife), der auf mehreren Braunkohlengruben die Kessel vor Steinbildung bewahrt habe. Hr. Berggeschworner Schrader bestätigt, daß ähnliche Wirkungen auf anderen Braunkohlengruben beobachtet seyen. Hr. Dr. List erklärt sich diese Erscheinungen dadurch, daß die aus dem Wasser sich ausscheidenden Molecüle sich den suspendirten Thontheilchen anlegen, während sie sonst an den Kesselwänden adhäriren.

Ferner erwähnt Redner der Gerbstoff enthaltenden Mittel, deren günstige Wirkung sowohl in mechanischen, wie in chemischen Ursachen gesucht werden kann. Er bestätigt nach eigenen Versuchen deren Wirksamkeit auf kalkhaltiges Wasser. Ein Zusatz von Melasse und Syrup zum Speisewasser wird namentlich in Zuckerfabriken mit gutem Erfolge angewandt. Die Wirkung kann verschieden erklärt werden. In Betreff der chemisch wirkenden Zusätze hob Dr. List hervor, daß ihre Wirksamkeit von der chemischen Zusammensetzung des Wassers abhängig ist. Enthält das Wasser Gyps, so |425| beruht die Kesselsteinbildung darauf, daß beim Verdampfen des Wassers das bleibende Quantum nicht mehr zu seiner Auflösung hinreicht, um so mehr als Wasser um so weniger Gyps löst, je höher seine Temperatur ist. Bei Gehalt an kohlensaurem Kalk entsteht der Kesselstein, indem der gelöste doppelt-kohlensaure Kalk beim Erwärmen ein Aequivalent Kohlensäure abgibt und der unlösliche einfach-kohlensaure Kalk sich niederschlägt.

Die allmähliche Ausscheidung veranlaßt in beiden Fällen die Bildung einer Kruste. Die chemische Wirkung kann nur in vollständiger Verhinderung der Ausscheidung von Kesselstein oder in der schnellen Ausscheidung desselben beruhen, so daß in letzterem Falle nur ein leicht zu entfernender Schlammabsatz entsteht.

In ersterer Beziehung wird für beide Arten von Speisewasser Salmiak in Vorschlag gebracht, wodurch sich das leicht lösliche Chlorcalcium bildet. Dieses Mittel soll vielfach, namentlich in Holland, in Locomotiven angewendet werden. Wohlfeiler ist die Anwendung von Säuren, die aber natürlich nur bei kohlensauren Salzen wirksam ist. Das naturgemäßeste Mittel für kohlensauren Kalk enthaltende Wässer ist gelöschter Kalk, in Form von Kalkwasser, welcher allen kohlensauren Kalk als unlöslichen Schlamm abscheidet. Chlorbaryum dagegen ist nur bei Gypsgehalt des Wassers wirksam.

Als ein für kohlensauren und schwefelsauren Kalk wirksames Mittel empfiehlt Dr. List ferner nach mitgetheilten Erfahrungen und eigenen Versuchen das kohlensaure Natron.

Gegen die Ansicht des Dr. List, daß der Kesselstein eine allmähliche Bildung bedinge, bemerkte Hr. Helmholtz, daß die Incrustationen im Giffard'schen Injector zeigten, daß auch bei schneller Bewegung eine Steinbildung möglich sey. Hr. Weidtmann hat zwar auch an Stellen Kesselstein gefunden, wo das Wasser eine große Geschwindigkeit besitzt; doch weist er darauf hin, daß in Dampffeuerspritzen keine Kesselsteinbildung erfolgt. Hr. Kamp hat ebenfalls in Speiseröhren bedeutende Steinbildung gefunden, während sie in den Kesseln gering war.

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