Titel: Ueber Glaswolle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 13 (S. 432)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi05_13

Ueber Glaswolle.

In der Mustersammlung des nieder-österreichischen Gewerbevereines sind von Jules de Brunfaut aus Paris erzeugte Glas-Kunst-Spinnerei-Artikel, als: Coiffuren, Schleifen, Armbänder, Manchets, Uhrketten, gekräuselte und glatte Straußfedern ausgestellt. Dieselben unterscheiden sich von den bisher erzeugten Artikeln dieser Art dadurch, daß sie viel feiner, geschmeidiger und dauerhafter hergestellt sind. Die Besorgniß, daß von den Colliers z. B. feine Splitterchen sich loslösen und am Halse empfindliche Spuren zurücklassen, entfällt hier gänzlich, wenn man die von Hrn. de Brunfaut erzeugte Glaswolle betrachtet, die so fein wie Spinnengewebe ist, auch an Stärke der besten Wolle nichts nachgibt, sie aber an Schönheit weit übertrifst. Was die Geschmeidigkeit des Glasfadens betrifft, so möge die Thatsache als Beweis dienen, daß derselbe mittelst der Nähmaschine den schönsten Stepp- und Kettenstich gibt und sich auch durch die Strickmaschine verarbeiten läßt.

Auch vom ärztlichen Standpunkte aus wird der Glaswolle eine Zukunft prophezeiht und veranlaßte den Schreiber dieses zu nachfolgendem Versuch. Nimmt man einen Ballen Baumwolle in die eine und einen gleich großen Ballen Glaswolle in die andere Hand, so verspürt man augenblicklich eine sehr starke Wärmeentwickelung in der die Glaswolle haltenden Hand. Allein gibt man in jeden Ballen ein kleines Thermometer, so wird man die interessante Erscheinung wahrnehmen, daß bei der Baumwolle das Thermometer innerhalb fünf Minuten eine beinahe um 3° C. höhere Wärme erreicht als durch die Glaswolle, wiewohl die Glaswolle zuerst das Thermometer zu einem raschen Steigen gebracht hat. Folglich ist auf eine constante höhere Wärmeentwickelung bei der Glaswolle nicht zu rechnen, und wird also nur der Nutzen anzuschlagen seyn, den die augenblickliche Wärmeentwickelung derselben hervorbringt. (Verhandlungen n. Mittheilungen des nieder-österreichischen Gewerbevereines, 1868 S. 457.)

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