Titel: Ueber die leichte Verquecksilberung des Eisens und deren praktische Verwerthung; von H. Reinsch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 2 (S. 425–426)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi05_2

Ueber die leichte Verquecksilberung des Eisens und deren praktische Verwerthung; von H. Reinsch.

Bekanntlich nimmt selbst ganz rein gescheuertes Eisen Quecksilber nicht an, und wird auch dann nur unvollkommen amalgamirt, d. h. mit Quecksilber überzogen, wenn man es in eine Quecksilberauflösung eintaucht. Dieses gelingt aber sehr gut, wenn man das mit Salzsäure gut gereinigte Eisen zuvor in eine sehr verdünnte, mit etwas Salzsäure vermischte Kupfervitriollösung eintaucht, wobei es mit einer nicht fest anhaftenden Kupferschichte überzogen wird, von welcher man es durch Bürsten oder durch Reiben mit rauhem Papier und Abwaschen wieder reinigt, und hierauf in eine sehr verdünnte, mit einigen Tropfen Salzsäure vermischte Quecksilbersublimatlösung bringt; es überzieht sich nun vollständig mit einer Quecksilberschichte, welche selbst durch Reiben mit rauhen Körpern nicht entfernt werden kann. Diese Quecksilberschichte schützt das Eisen sehr gut gegen Rost. namentlich dann, wenn man es nach dem Amalgamiren mit Salmiakgeist abgewaschen hat. Ich habe verquecksilberten eiserne Ringe, Schrauben, Muttern etc., mit nicht verquecksilberten eisernen, gut gereinigten Gegenständen mehrere Wochen im Laboratorium liegen lassen, dessen Luft fortwährend Dämpfe von Säuren enthält, wodurch die nicht amalgamirten Gegenstände schnell und stark rosteten, während die amalgamirten Sachen keine Spur von Rost zeigten. Die Verquecksilberung eignet sich insbesondere auch zu Leitungsringen für mit Salpetersäure getränkte Kohlencylinder, welche dabei weniger als die kupfernen Ringe angegriffen werden und deßhalb die Elektricität gleichmäßiger und besser leiten. Bis jetzt hat man das Rosten des Eisens und Stahles bei Uhren und anderen Instrumenten durch Bestreichen mit Oel zu verhindern gesucht, aber selbst das beste Oel wird nach und nach durch die Einwirkung der Luft zähe und schmierig und wirkt dann nacktheilig auf den regelmäßigen Gang der Uhren und Maschinen ein; ich glaube, daß diesem Uebelstande durch die Verquecksilberung der eisernen Gegenstände auf die oben angegebene Weise vollständig begegnet werden könnte. Auch ist es bekannt, daß die besten Anstriche des Eisens mit Lack oder Oelfarbe dieses doch nie vollständig vor dem Roste schützen; deßhalb möchte es gerathen seyn, eiserne Brücken etc. zuerst zu verquecksilbern, was sehr schnell und mit geringen Kosten ausgeführt werden könnte, und dann erst mit Oelfarbe, wozu sich immer der Steinkolentheer am besten eignet, anzustreichen, |426| da nach meinen Erfahrungen mit Bleioxyd vermischte Lackfarben oder Oelanstriche das Eisen nur schlecht gegen Rost schützen. Ich habe diese Verquecksilberung des Eisens auch für galvanische Batterien angewendet und gefunden, daß auf diese Weise amalgamirte Cylinder von Eisenblech einen weit gleichmäßigeren und stärkeren Strom als nicht amalgamirte Cylinder entwickeln, welcher der durch gleichgroße Zinkcylinder hervorgebrachten Stromstärke wenig nachsteht. Wenn man erwägt, daß das Eisenblech noch nicht halb so theuer ist als Zinkblech, und sich sein elektrischer Werth zum Zink nur wie 7:8 verhält, so möchte sich schon daraus der Vortheil des amalgamirten Eisens zur Erregung des elektrischen Stromes ergeben, und selbst die dabei erhaltene eisenvitriolhaltige Flüssigkeit, welche bei großen Batterien nicht unbedeutend ist, würde sich leichter und vortheilhafter als die Zinkvitriollösung verwerthen lassen, da der Zinkvitriol nur wenig angewendet wird, und sich nicht wohl zu Zinkweiß verarbeiten läßt. (Bayerische Gewerbezeitung, 1868, Nr. 21.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: