Titel: Siegwart's neues Verfahren, Photographien in Glas Zu ätzen; von Dr. Liesegang.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 3 (S. 426–427)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi05_3

Siegwart's neues Verfahren, Photographien in Glas Zu ätzen; von Dr. Liesegang.

Vor einigen Monaten wurde mir von einem meiner Schüler, dem Hrn. E. Siegwart aus Neuchatel, eine Idee zum Einätzen von Photographien in Glas mitgetheilt, zu deren Veröffentlichung ich jetzt autorisirt wurde, nachdem durch praktische Versuche festgestellt, daß das Verfahren wirklich ausführbar ist.

Das Aetzen des Glases bezweckt die Herstellung einer matten Zeichnung auf klarem Grund, oder einer klaren Zeichnung auf mattem Grund, und wird meistens in der Weise bewirkt, daß man das Glas mit einem Wachsüberzuge versieht und die Zeichnung einradirt, oder im anderen Falle mit Wachsfarbe oder Firniß auf Glas zeichnet und dann das freiliegende Glas durch Fluorwasserstoffsäure ätzt. Die Säure verwandelt die Basen der Silicate in lösliche Fluorsalze, kann aber an den mit Wachs bedeckten Stellen nicht wirken. Die Säure wird theils in Dampfform, theils wässerig angewendet, meistens aber nimmt man eine Mischung von feingepulvertem Flußspath mit verdünnter Schwefelsäure.

Siegwart schlägt nun folgendes Verfahren vor: Man stellt sich eine Gelatinelösung dar, wie man sie beim Joubert'schen145 (oder Obernetter'schen146) Verfahren mit Einstäubung braucht, macht diese mit doppelt-chromsaurem Kali empfindlich, überzieht damit das Glas, belichtet unter einem Positiv oder Negativ, je nachdem die Zeichnung oder der Fond matt werden soll; nach der Belichtung stäubt man das latente Bild mit recht fein gepulvertem Flußspath, besser noch mit feinem Kryolithpulver ein, anstatt mit Schmelzfarbe, überzieht es mit dünnem Rohcollodium und behandelt es sodann mit verdünnter Schwefelsäure. Das Flußspathpulver haftet nur an den vor dem Licht geschützten Stellen, und diese erstreckt sich auch die Aetzung.

Da die Halbtöne weniger Licht erhielten als die Schatten, nehmen diese eine verhältnißmäßig geringere Menge Flußspathpulver an als die Lichter, werden also auch entsprechend weniger tief geätzt.

Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man ein Harz aufstäubt, etwa Benzoe, Copal, Schellack, Dammar, Botanybaiharz, Bernstein, Asphalt (welcher bei 100° C. schmilzt), natürlich alle ganz fein pulverisirt und gesiebt. Diese Bilder kann man auf bekannte Weise auf Glas übertragen, dieses sodann allmählich bis zum Schmelzpunkt des betreffenden Harzes erwärmen, wodurch das Harz am Glase festklebt und nun, bei den darauf folgenden Aetzungen mit Fluorwasserstoffsäure, als Deckgrund dient. Auf diese Weise lassen sich Halbtöne gut erzielen.

Nimmt man statt Harz einen recht leicht schmelzbaren Glasfluß oder borsaures Bleioxyd und schmelzt nachher im Muffelofen ein, so hat man gleichsam eine Aufschließung des gewöhnlichen Glases an den betreffenden Stellen bewerkstelligt. Durch nachherige Behandlung mit einer starken Säure lassen sich die aufgeschlossenen Stellen |427| ausziehen, wodurch man glänzende Zeichnungen erhält. Statt das borsaure Bleioxyd aufzustäuben, könnte man dasselbe auch wie beim Kohleverfahren der Gelatinemischung beifügen.

Sehr schöne Effecte lassen sich nach diesem Verfahren erzeugen, indem man statt des weißen Glases farbiges Ueberfangglas anwendet; man erhält dann farbige Zeichnungen auf weißem Grund. Sogar zweifarbige Bilder lassen sich herstellen; man kann nämlich Ueberfangglas herstellen, dessen Masse anders gefärbt ist als der Ueberzug, z. B. gelbes Glas mit blauem Ueberzug. Durch die Aetzung erhält man eine gelbe Zeichnung auf grünem Grund. Eine Menge von Variationen ergeben sich hier von selbst dem Glastechniker. (Photographisches Archiv, 1868 S. 234.)

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Polytechn. Journal, 1866, Bd. CLXXXII S. 347

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Polytechn. Journal, 1865, Bd. CLXXVIII S. 228.

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