Titel: Ueber einen rothen Farbstoff aus Naphtalin, von Clavel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 6 (S. 428–429)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi05_6

Ueber einen rothen Farbstoff aus Naphtalin, von Clavel.

Clavel gieng bei seinen Versuchen von der Ansicht aus, daß, ebenso wie das Anilin für sich allein kein Fuchsin liefert, sondern nur dann, wenn es von Toluidin begleitet ist, auch das Naphtylamin für sich allein keine brauchbaren Farbstoffe zu geben vermöge, sondern dazu der Mitwirkung einer anderen Base bedürfe. Der Erfolg, welchen Clavel erzielte, scheint diese Ansicht zu bestätigen. Derselbe verfährt auf folgende Art:

Das Naphtalin wird durch Salpetersäure von 1,33 spec. Gewicht in Nitronaphtalin verwandelt und dieses durch Eisen und Salpetersäure oder durch Zink und Salzsäure reducirt. Indem man das Product der Reduction der Destillation unterwirft, erhält man zuerst Naphtylamin und darauf bei erhöhter Temperatur eine andere Base, welche bei ungefähr 300° C. siedet und über 50° flüssig ist, bei dieser Temperatur aber eine butterartige Consistenz annimmt. Diese zweite Base ist die Erzeugerin der Farbe. Schützenberger und Willm haben vor einigen Jahren eine Base erhalten, deren allgemeine Eigenschaften denjenigen der Base von Clavel sehr ähnlich sind; sie haben derselben den Namen Phtalamin gegeben und für sie die Formel C8H9NO2 gefunden.

Um den Farbstoff zu bereiten, vermischt man diese Base mit ungefähr 50 Proc. ihres Gewichtes trockenem salpetersaurem Quecksilberoxyd und erhitzt bis 120° C.; statt des salpetersauren Quecksilberoxydes kann auch das salpetrigsaure Quecksilberoxyd, das Chlorquecksilber etc., angewendet werden.

Wenn die Reaction stattgefunden hat, setzt man dem Gemenge ebenso viel Naphtylamin zu, als man von der anderen Base angewendet hat, und erhitzt noch eine Viertelstunde lang. Der Farbstoff ist dann entstanden; man zieht ihn mit angesäuertem siedenden Wasser aus und fällt ihn aus der Lösung durch Chlornatrium,

Diese neue Farbe ist nach Clavel, der sich sein Verfahren in Frankreich patentiren ließ, echter als das Fuchsin; ihre Nüance ist der des Fuchsins ähnlich, aber frischer und reiner. (Bulletin de la Société chimique de Paris, August 1868, S. 173; polytechnisches Centralblatt, 1868 S. 1405.)

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