Titel: Neue grüne Chromfarbe, Kaisergrün (vert impérial), von Casthelaz und Leune.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 7 (S. 429)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi05_7
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Neue grüne Chromfarbe, Kaisergrün (vert impérial), von Casthelaz und Leune.

Es gibt bekanntlich verschiedene Methoden zur Darstellung von Chromoxyd: die Verfahrungsarten auf nassem Wege (Zersetzung der Chromoxydsalze durch Alkalien oder der chromsauren Salze durch Reductionsmittel), welche ein Product von matter, grünlichgrauer Farbe liefern; die Methoden auf trockenem Wege (Zersetzung der chromsauren salze oder gewisser Chromoxydsalze, für sich allein oder mit Zusatz anderer Stoffe, in höherer Temperatur), welche im Allgemeinen ein Oxyd von sehr intensiver, aber wenig lebhafter Farbe geben; endlich ein gemischtes Verfahren, welches darin besteht, daß man verschiedene Chromverbindungen bei Gegenwart von Borsäure calcinirt, wobei ein borsaures Chromoxyd entsteht, und daß man die Masse nachher mit Wasser behandelt, wobei das borsaure Chromoxyd zersetzt und Chromoxydhydrat ausgeschieden wird. Das auf letztere Art erhaltene Product, nach seinem Erfinder Guignet's Grün genannt, besitzt eine intensive und sehr reine grüne Farbe. Es ist seit mehreren Jahren der Gegenstand einer bedeutenden Fabrication und wird zum Bedrucken der Gewebe und des Papieres in großer Menge verbraucht.

Nach Casthelaz und Leune kann man auf ausschließlich nassem Wege ein Oxyd von reicherer und reinerer Farbe als das Guignet'sche Grün darstellen (französisches Patent Nr. 80043). Man braucht zu diesem Zweck nur das Chromoxyd sehr langsam zu fällen; dieß erreicht man, indem man der grünen Chromlösung unlösliche oder wenig lösliche Hydrate, wasserhaltige kohlensaure Metalloxyde, Schwefelmetalle oder andere Verbindungen von schwachen Säuren hinzufügt; die Wirkung ist langsam, fortschreitend, und gibt sehr constante Resultate. Zu ähnlichen Resultaten gelangt man, indem man in die schwach angesäuerte Chromlösung Metalle taucht, welche hinreichende Verwandtschaft haben, um sich mit der Säure des Chromsalzes zu verbinden, z. B. Eisen oder Zink.

Das von den Erfindern besonders angegebene Verfahren besteht darin, daß man die Lösung irgend eines Chromsalzes (Chlorid, schwefelsaures Salz, Chromalaun etc.) durch Kochen oder auf andere Art in die grüne Modification (wenn es nicht bereits diese ist) verwandelt, und derselben, nachdem sie auf 8 bis 10° C. abgekühlt ist, nach und nach gelatinöses Thonerdehydrat (oder Zinkoxydhydrat, kohlensaures Zinkoxyd, Schwefelzink etc. im frisch gefällten Zustande, oder Eisen, Zink etc.) in hinreichender Menge, um die Säure zu sättigen, hinzufügt. Die Reaction findet leicht statt; man kann sie übrigens durch Erwärmen, nöthigenfalls bis zum Sieden der Mischung, befördern. Das ausgeschiedene Chromoxyd braucht man nur auszuwaschen, um es in einem zur technischen Anwendung geeigneten Zustande zu erhalten.

Wenn man als Fällungsmittel Körper anwendet, welche mit der Säure des Chromsalzes unlösliche Verbindungen bilden, so wird die Farbe des Productes natürlich durch Beimischung dieser Verbindungen modificirt.

Dieses neue Product bietet folgende Vortheile dar: 1) Wohlfeilheit der Darstellung; alle Chromsalze, die Rückstande von der Darstellung des Anilinviolettes, des Aldehyds etc., können benutzt werden, und finden so einen leichten Absatz; 2) Schönheit der Farbe; 3) die Eigenschaft, gut zu decken; 4) absolute Unschädlichkeit. (Bulletin de la Société chimique de Paris, August 1868, S. 170; polytechnisches Centralblatt, 1868 S. 1406.)

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