Titel: Verfahren zum Reinigen gebrauchter Kleidungsstücke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 13 (S. 499–500)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi06_13

Verfahren zum Reinigen gebrauchter Kleidungsstücke.

Hierzu bringt Petitdidier in Paris ein Verfahren im Großen in Anwendung, welches darin besteht, daß man die Zeuge nicht mit Wasser wäscht, sondern ihnen Fett und Schmutz durch flüchtige Kohlenwasserstoffe entzieht. Man bringt in einem Kessel einen flüchtigen Kohlenwasserstoff — Terpenthinöl, Benzin etc. — zum Sieden und leitet die Dämpfe in Röhren, aus welchen dieselben dann in Strahlen entweichen. Ein Arbeiter hält die beschmutzten Stellen gegen den Dampfstrom und bearbeitet dieselben |500| nach dem Durchströmen mit einer Bürste, um den von Fett befreiten und dadurch lose gewordenen Schmutz zu entfernen. Zur Reinigung größerer Flächen packt man die Stoffe in einen zweiten Kessel, durch den man nun die Dämpfe hindurchstreichen läßt. Nach einiger Zeit öffnet man diesen zweiten Kessel, nimmt die Zeuge heraus und reinigt sie mit der Bürste. Sind dieselben dann noch nicht klar genug, so erfolgt ein nochmaliges Behandeln mit Kohlenwasserstoffdampf.

In Berlin wird diese Manipulation von der Firma Indlin (Leipzigerstraße) für alle Arten Bekleidungsgegenstände ausgeführt. Man hat bei dieser Art Reinigung niemals nöthig, die zu behandelnden Gegenstände vorher auseinander zu trennen, was sonst immer geschehen mußte.

Leider kam der Chef dieser Firma bei dem ersten Versuche, dasselbe in Gang zu bringen, um, indem er durch das Ausströmen und Entzünden des aus dem undicht gewordenen Kessel ausströmenden Dampfes so erheblich verbrannt wurde, daß er bald seinen Wunden erlag.

Diese Art von Reinigung wird von Petitdidier besonders für gestickte Kleider viel in Anwendung gebracht. Es werden namentlich in Paris große Mengen schwerer seidener Kleider gestickt; ist die Farbe des Stoffes oder die der eingestickten Dessins hell, so kommen dieselben aus der Fabrik aus den Händen der Arbeiterinnen, in welchen sie sich mehrere Monate befanden, gewöhnlich sehr beschmutzt. Diese werden immer nach der vorerwähnten Art wieder gereinigt. Das Haus Petitdidier hat in vier Jahren etwa 20,000 gestickte seidene Kleider in dieser Weise gereinigt. (Nach der Musterzeitung.)

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