Titel: Die Glasfäden-Erzeugnisse von de Brunfaut.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 2 (S. 493–494)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi06_2

Die Glasfäden-Erzeugnisse von de Brunfaut.

Es ist längst bekannt, daß sich Glas zu feinen Fäden ausziehen läßt, doch ist die außerordentliche Elasticität und Feinheit der von de Brunfaut erzeugten Glasfäden bisher nirgends erreicht worden und kann in diesem Sinne de Brunfaut's Erzeugniß (welches im vorhergehenden Heft S. 432 bereits kurz besprochen wurde) als neu betrachtet werden. Die älteren Fabricate dieser Art besaßen immer noch eine gewisse Sprödigkeit, und Stoffe, deren Einschuß ganz oder theilweise aus Glasfäden bestand, waren bald in ihrem Gebrauch verpönt, da sich kleine Splitter ablösten, in die Haut des diese Stoffe Tragenden eindrangen und dort ein Jucken, ja selbst Geschwüre zur Folge hatten. Diese Nachtheile treten bei den Erzeugnissen de Brunfaut's nicht mehr auf. — Der Erfinder, welcher gegenwärtig in Wien, Hôtel Wandel, seine Erzeugnisse — Damenhüte, Coifsuren, Schleifen, Armbänder, Netze, Federn etc. — herstellt, bedient sich hierzu eines sehr einfachen Verfahrens, welches wir in Folgendem kurz darstellen.

Das verwendete Glas ist in feine Streifen von rechteckigem oder quadratischem Querschnitt von circa 4 Quadratmillimeter geschnitten. Die Spitze dieser Stäbchen wird durch die Flamme eines Löthrohres erhitzt und mittelst eines zweiten Stäbchens werden die Fäden abgezogen und auf ein nebenstehendes hölzernes Rad geworfen, welches rotirt. Dieses Rad, in der Hauptform einer Riemenscheibe ähnlich, mag einen Durchmesser von 1 Met. und eine Radkranzbreite von 0,1 Met. haben. Auf dem Umfange des Rades windet sich der Glasfaden auf, ähnlich wie Coconfäden am Seidenhaspel. Es erfordert eine bedeutende Uebung in der Erhitzung des Glases, um einen gleichmäßig dicken, beliebig langen Glasfaden herzustellen und einestheils hierin, vorzüglich aber in der chemischen Zusammensetzung des Glases dürfte das Wesentliche der de Brunfaut'schen Verbesserung zu suchen seyn. Aus dem Gesagten ist ersichtlich, daß nur Ein Faden gleichzeitig gebildet wird und sind hierzu gegenwärtig zwei Personen — eine am Blastisch, eine zweite zum Drehen des Rades — erforderlich. Muß schon dieß eine Unvollkommenheit des Verfahrens genannt werden, so verdient diese Bezeichnung noch mehr der Umstand, daß de Brunfaut den am Umfang des Rades in vielen Windungen liegenden Faden bisher nicht abhaspeln kann. Das Ablösen der Fadenwindungen vom Rad erfolgt vielmehr dadurch, daß die Fäden an einer Stelle durchschnitten und dann abgenommen werden, wodurch man eine Anzahl Fäden von der Länge eines Radumsanges erhält. Aus diesen werden durch Flechten, Netzen, Kräuseln, Häkeln etc. Modeartikel hergestellt. Es kann wohl erwartet werden, daß obige Unvollkommenheiten der Erzeugung behoben werden können und daß es gelingt, mehrere Fäden gleichzeitig am Rad aufzuwinden, denen zusammen so viel Kraft eigen ist, daß sie auch wieder abgehaspelt werden können

Die Glasfäden de Brunfaut's haben einen Durchmesser von 0,006–0,012 Millimet., sie sind also noch etwas feiner als einfache Coconfäden und dabei von einer bewunderungswürdigen Gleichheit. Ihr Glanz übertrifst den der Seide bei weitem und de Brunfaut versteht es, die Glasfäden zu kräuseln und stellt Glaslocken und sogen. Glaswatte her. Letztere, in der Hand zu einem Klümpchen zusammengepreßt, läßt sich wieder aufrütteln und aufblasen und vertheilt sich — Spinnfäden ähnlich — auf den Raum von nahe einem Kubikfuß! Es dürften sich de Brunfaut's Glasfäden auch ganz wohl zu Fadenkreuzen optischer Instrumente verwenden lassen. Dieses Erzeugniß verdient alle Beachtung. Prof. Fr. Kick. (Deutsche Industriezeitung, 1868, Nr. 50.)

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