Titel: Zerstörung der Photographien durch die Gegenwart unterschwefligsaurer Salze in den Cartonpapieren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 8 (S. 496–497)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi06_8

Zerstörung der Photographien durch die Gegenwart unterschwefligsaurer Salze in den Cartonpapieren.

I. Spiller hat neuerdings die in der Photographie zum Aufspannen verwendeten Cartonpapiere einer ausgedehnten Prüfung unterworfen. Schon seit längerer Zeit ist es bekannt, daß diese Papiere oft unterschwefligsaures Natron enthalten; den Weg in das Papier findet letzteres dadurch, daß die mit Chlor gebleichte Papiermasse zuletzt, zum Unschädlichmachen des Chlors, jenes den Silberphotographien so verderblich werdende Salz (als Antichlor) empfängt und zurückhält. Spiller's Experimente beweisen, daß mit mancher Cartonsorte alle Bemühungen der Photographen, eine sorgfältige Waschung zu erzielen, durch die große Menge des unterschwefligsauren Natrons in den Cartons, vergeblich gemacht werden. Von zwölf Arten, die Spiller untersuchte, fand er nur zwei frei von jenem Salze; vier enthielten Quantitäten, welche zu gering waren, um als nachtheilig betrachtet zu werden, und die anderen sechs waren bis zu einem Grade imprägnirt, der hinreichend war, um deren Verwerflichkeit für photographische Zwecke zu rechtfertigen.

In erster Linie sind es natürlich die weißen Cartons, welche dieser Verunreinigung ausgesetzt sind, aber auch die farbigen sind nicht immer so unschuldig, als man glauben sollte. Bei einem cachirten, neutralfarbigen und einem gelben Carton fand Spiller die Quelle des unterschwefligsauren Natrons in dem weißen Papier, welches eine der Lagen ausmachte, aus welchen Cartons bestanden. Die sahnefarbigen Cartons schienen nach Spiller die natürlichen Farben des Hadernbreies zu repräsentiren und nicht gebleicht zu seyn, daher man von dieser Qualität erwarten kann, daß sie das verläßlichste Material zum Aufspannen der Photographien bietet. Auch noch andere Gefahren bedrohen in dieser Hinsicht die Haltbarkeit der Photographien. In einem grünen und einem neutralfarbigen Carton fand Spiller Ultramarin, einen Farbkörper, der seine Farbe Schwefelverbindungen verdankt, von denen man weiß, daß sie glänzende Silberoberflächen matt machen, woraus zu schließen ist, daß sie mit der Zeit |497| einen nachtheiligen Einfluß auf das reducirte Silber üben, das in die Composition der Photographie eindringt.

Das Mittel zur Nachweisung des Vorhandenseyns von unterschwefligsaurem Natron ist so einfach, daß jeder Photograph im Stande ist, sich selbst über die Güte des von ihm verwendeten Cartons Gewißheit zu verschaffen. Einerseits bereite man sich eine Stärkelösung durch Anrühren von 20 Gran Arrowroot mit ein wenig kaltem Wasser zu einem steifen Brei, zu dem man dann unter beständigem Umrühren allmählich circa 1 Pfund siedendes destillirtes Wasser zusetzt. Das Ganze läßt man 24 Stunden lang zum Absetzen stehen und gießt dann klar vom Bodensatz ab. Der klaren Flüssigkeit setzt man darauf eine Lösung von 1 Gran Jod und 3 Gran Jodkalium in etwas Wasser hinzu. Die erhaltene tiefindigoblaue Flüssigkeit wird in Berührung mit einem löslichen unterschwefligsauren Salz sofort entfärbt. Abgemessene Vierecke (Visitenkartengroße) der Cartons, die zu untersuchen sind, werden der Länge nach in schmale Streifen geschnitten, in Reagensgläser gesteckt und mit einer Maaßunze reinen destillirten Wassers bedeckt, 12 Stunden oder länger zum Einweichen und Extrahiren hingestellt. Nachdem man dann in einem Gestell eine Reihe von Reagensgläsern gleichen Kalibers vorbereitet hat, wird in jedes derselben bis zur gleichen Höhe eine geringe Menge der blauen Jodstärkelösung hineingeschüttet, und die zu prüfenden Flüssigkeiten in gleichen Mengen (in jedes ½ Unze Flüssigkeit) zugesetzt, eine Röhre aber als Maaßstab zur Vergleichung aufbewahrt, die mit derselben Menge reinen Wassers versetzt wird. Bei Besichtigung der ganzen Reihe kann man leicht entnehmen, ob eine Bleichung stattgefunden habe, und wäre dieß der Fall, so kann ein Schluß über die Menge des in den Cartons enthaltenen unterschwefligsauren Natrons gezogen werden, indem man die verschiedenen Töne mit der als Maaßstab reservirten Röhre vergleicht. Temperaturerhöhung mindert die Empfindlichkeit der Reaction, daher müssen die zu prüfenden Flüssigkeiten kalt angewendet werden.

Die „Photographische Correspondenz“ bemerkt zu diesem Aufsatze Spiller's, daß die HHrn. Dr. Székely und Massak sie wiederholt auf die Thatsache aufmerksam gemacht haben, daß bei einer Anzahl von Abzügen, wovon ein Theil unaufcachirt, der andere auf Cartons aufgezogen aufbewahrt wurde, der letztere nach längerer Zeit alle jene Symptome zeigte, welche von den Photographen als Vorboten des Ausbleichens betrachtet werden, während der erste völlig conservirt blieb. (Industrie-Blätter, 1868 S. 175.)

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