Titel: Zur Bestimmung des Erstarrungs- und Schmelzpunktes des Paraffins beim Handel damit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1868, Band 190/Miszelle 9 (S. 497–498)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj190/mi190mi06_9

Zur Bestimmung des Erstarrungs- und Schmelzpunktes des Paraffins beim Handel damit.

Der Verein für Mineralöl-Industrie, welcher am 24. September 1868 seine zweite Versammlung zu Halle a. d. S. hielt, hat eine Commission — bestehend aus den HHrn. Dr. Rolle in Gerstewitz, L. Ramdohr in Aschersleben und Dr. B. Hübner in Zeitz — beauftragt, eine Methode zur Ermittelung des Erstarrungs- und Schmelzpunktes des Paraffins in Vorschlag zu bringen. Die Genannten sind dahin übereingekommen, zu diesem Zweck folgende Methode zu empfehlen:

1) Zur Ermittelung des Erstarrungspunktes:

Das Paraffin wird in einem beliebigen Behälter bei möglichst niedriger Temperatur geschmolzen und dann die ganze Quecksilberkugel eines Thermometers in die flüssige Masse getaucht. Das Thermometer wird sodann gegen Luftzug durch Einhängen in ein leeres Becherglas geschützt und sobald das erstarrende Paraffin den Quecksilberspiegel zu trüben beginnt, die Temperatur abgelesen, welche den Erstarrungspunkt kennzeichnet.

2) Zur Ermittelung des Schmelzpunktes:

Die wie ad 1 beschrieben vorgerichtete, mit vollständig erstarrtem Paraffin überzogene Quecksilberkugel des Thermometers wird in ein mit Wasser gefülltes Becherglas gehängt; das Wasser wird im Sandbad so lange erwärmt, bis das Quecksilber durch das schmelzende Paraffin hindurch blitzt und dann die Temperatur abgelesen, welche den Schmelzpunkt angibt.

Die Bestimmungen 1 und 2 controlliren sich gegenseitig.

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Hr. Krug, Chemiker der HHrn. Klotz und Schmid, bemerkte, daß seiner Ansicht nach durch Festsetzung einer Bestimmungs-Methode für den in Rede stehenden Zweck die bei den Bestimmungen des Erstarrungspunktes von ein und demselben Paraffin durch verschiedene Personen öfter vorkommenden Differenzen nicht beseitigt werden würden, denn die nachtheiligen Wirkungen von Mangel an Uebung und äußeren Einflüssen, wie z. B. der Verschiedenheit der Luft-Temperaturen, bei denen die Bestimmungen vorgenommen würden, der Veränderlichkeit der Thermometer etc. würden auch durch die empfohlenen Methoden nicht beseitigt werden können. Da es sich aber im geschäftlichen Verkehr mit Paraffin nicht darum handle, den absolut richtigen Schmelz- oder Erstarrungspunkt aufzufinden, da vielmehr nur der Nachweis der Uebereinstimmung zwischen gekaufter und gelieferter Waare zu führen sey, so empfehle es sich nach einer Probe zu verkaufen, und bei Prüfung der darnach gelieferten Waare hinter einander den Erstarrungspunkt beider, der Probe wie der gelieferten Waare, festzustellen. Es ließe sich wohl annehmen, daß dann zwei, wenn bei Mangel an Uebung etc. auch fehlerhafte, doch mit denselben Fehlern behaftete Bestimmungen gemacht werden würden, die unter sich in der That nicht mehr von einander abweichen würden, als die wirkliche Differenz der Schmelzpunkte zwischen der Probe und gelieferter Waare betrüge. Da man Proben nur von einem Schmelzpunkte haben könne, man sich in Betreff desselben für Lieferungen aber gewöhnlich einen gewissen Spielraum vorbehalte, so könne man bei einem Handel in Paraffin sagen, daß man nach Probe unter Vorbehalt einer Differenz von einem oder einem halben Grade auf und ab verkaufe. Hätte man z. B. eine Probe von 51° C. S. P. zur Hand und wolle darnach Paraffin von 50–52° C. S. P. verkaufen, so würde man sich auszudrücken haben: Schmelzpunkt nach Probe mit einem Spielraum von einem Grade auf und ab; wolle man nach derselben Probe Paraffin von 53–54° C. S. P verkaufen, so würde man zu sagen haben: Schmelzpunkt 2½° C. höher als Probe mit einem Spielraum von einem halben Grad auf und ab. Es sey an diesen Beispielen leicht einzusehen, wie man sich in jedem Falle auszudrücken haben werde. (Journal für Gasbeleuchtung, 1868 S. 495.)

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