Titel: Verbessertes Verfahren zur Herstellung sehr harter künstlicher Steine für Trottoirs, Pflaster, Fußböden etc.; von Paul Eckhardt, Chemiker in Großhesselohe bei München.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 191/Miszelle 4 (S. 83–84)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj191/mi191mi01_4

Verbessertes Verfahren zur Herstellung sehr harter künstlicher Steine für Trottoirs, Pflaster, Fußböden etc.; von Paul Eckhardt, Chemiker in Großhesselohe bei München.

Das bisher eingehaltene Fabrications-Verfahren, welches den Thon, der zur Erzeugung dieser Steine dient, mit verschiedenen Zusätzen, als den Pulvern von gebranntem Thon, von kohlensaurem Kalk, Kalkhydrat, Hohofenschlacke, Gyps, Glas und Quarz versetzt, erlitt in neuerer Zeit von mir mehrfache höchst wichtige Abänderungen und Verbesserungen, welche in Nachfolgendem bestehen:

a) Die oben genannten mineralischen Zusätze haben beim Brennen oft sehr bedeutende Fehler dadurch herbeigeführt, daß sie die Masse, welche beim Brennen sintern muß, leicht zum völligen Schmelzen brachten, wenn die Temperatur stellenweise ein wenig zu hoch stieg. Ein vollkommen gleicher Hitzegrad in allen Theilen des Ofens ist aber praktisch nicht erreichbar, und so war es auch nicht zu vermeiden, daß eine bedeutende Menge verschmolzener und verzogener Ausschuß entstand.

Weit vorzüglicher haben sich dagegen die Silicate von Eisenoxyd und Thonerde als Zusätze erwiesen, erstere in der Gestalt von Bohnenerz für Steine von brauner und schwaizer Farbe, letztere als Feldspath für hellere Farben. Bei diesen Zusätzen tritt der Uebergang vom Sintern zum Schmelzen nicht so rasch ein, und sie sind deßhalb den früher verwendeten weitaus vorzuziehen.

b) Der in seinem natürlichen Vorkommen mit humusartigen Stoffen und halbzersetzten Mineralien gemengte Thon wird zugleich mit dem Wasser, womit er zu einem plastischen Teige geknetet wird, noch mit etwas frischer Jauche versetzt, welche nach einiger Zeit während des Ablagerns in seiner Masse eine Zersetzung und Art Gährung herbeiführt, in deren Folge der Thon wesentlich plastischer19), zarter und dichter wird, Eigenschaften, die zur Erzeugung fester und dichter Steine höchst nothwendig sind.

c) Als höchst schätzbares mechanisches Mittel zum Dichtmachen, namentlich von Trottoirplatten, Fußbodenplatten, Pflastersteinen, Rinnen etc., hat sich die Anwendung einer starten Compression gezeigt, und zwar findet dieselbe nicht auf die frisch geformten Stücke statt, sondern erst nachdem dieselben schon längere Zeit an der Luft gestanden sind, und einen großen Theil ihres Wassers verloren haben, denn erst dann ist die Compression im Stande die festen Bestandtheile der Masse einander recht zu nähern und alle leeren Zwischenräume und Poren zu entfernen.

d) Da die Masse im Brennen nothwendig sintern muß und etwas weich wird, so ist es nicht möglich, den Einsatz im Brennofen hoch zu machen, weil die Last der oberen Steine die unteren zerdrücken würde. Die höchste Temperatur im Ofen darf deßhalb auch nicht unten seyn, weil so gerade die zumeist belasteten Steine am weichsten würden. Es mußten deßhalb Oefen construirt werden, in welchen die Flamme von oben kommt, und die oberen Steine die höchste Temperatur erhalten. Die Flamme geht von oben nach unten, trifft die unteren Steine zuletzt, und geht dann in einen zweiten Ofen, um denselben vorzuwärmen, und durch diesen oder auch direct vom ersten Ofen aus in den Kamin. Ein solcher Ofen muß also ein gutes Gewölbe von feuerfesten Steinen haben.

Dieses Princip, die Flamme im Ofen von oben nach unten gehen zu lassen, um die höchste Temperatur in den oberen Theilen des Ofens zu haben, ist höchst wesentlich, und macht es allein möglich größere Quantitäten von harten, gesinterten Steinen zu erzeugen.

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Die wesentlichen Verbesserungen im neuen Fabricationsverfahren bestehen also kurz in Folgendem:

  • 1) im Zusatz von Eisen- und Thonerde-Silicaten als Flußmittel;
  • 2) in Einleitung einer chemischen Zersetzung durch Zusatz eines in Fäulniß begriffenen Körpers;
  • 3) in Anwendung einer starken Compression auf die halbgetrockneten Stücke vor dem völligen Trocknen;
  • 4) in Anwendung eigens construirter Oefen mit Flamme von oben nach unten gehend.

Im Vergleich zu meinen früher erzeugten Steinen haben die neueren nach Anwendung des verbesserten Verfahrens die wichtigen Vorzüge, daß sie dichter, härter und weniger spröde sind, so daß mechanische Einwirkungen und Witterungseinflüsse noch weniger Nachtheil bringen können, und daß die Erzeugungskosten durch größere Sicherheit im Brennen auch namhaft billiger werden.

Die vorzügliche Haltbarkeit meiner Steine ist in München und weiterer Umgebung hinreichend bekannt, und wurde ich deßhalb auch von der Jury der letzten Londoner Industrie-Ausstellung für die ausgestellten Trottoir- und Pflastersteine, welche nach dem verbesserten Verfahren erzeugt waren, mit ehrenvoller Erwähnung ausgezeichnet, was keinem anderen Producte dieser Art zu Theil wurde. – Patentirt in Bayern am 16. Januar 1863 für fünf Jahre. (Bayerisches Kunst- und Gewerbeblatt, 1868 S. 703.)

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Sollte der Ammoniakgehalt eines Thones von wesentlichem Einfluß auf dessen Plasticität seyn?

Anm. d. Red.

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