Titel: Anfertigung einer Copirtinte, mit der man ohne Mitwirkung einer Presse scharfe Copien erhält; von Prof. Dr. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 191/Miszelle 10 (S. 175–176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj191/mi191mi02_10

Anfertigung einer Copirtinte, mit der man ohne Mitwirkung einer Presse scharfe Copien erhält; von Prof. Dr. Böttger.

Eine schwarz aus der Feder fließende Copirtinte, mit der man ohne Mitwirkung irgend einer besonderen Preßvorrichtung sehr scharfe Copien erhält, bereite ich auf folgende Weise: 1 Unze käufliches, gröblich zerstoßenes Campecheholzextract und 2 Drachmen krystallisirtes kohlensaures Natron überschütte ich in einer Porzellanschale mit 8 Unzen destillirtem Wasser, erhitze so lange, bis die Flüssigkeit eine tief rothe Farbe angenommen und das Extract völlig aufgelöst ist. Dann entferne ich die Schale vom |176| Feuer, setze dem Inhalte derselben unter starkem Umrühren 1 Unze Glycerin von 1,25 spec. Gewicht, ferner 15 Gran in etwas Wasser gelöstes, neutrales chromsaures Kali und 2 Drachmen fein gepulvertes arabisches Gummi (das zuvor mit ein wenig kaltem Wasser zu einem Schleim angerührt worden) hinzu, und die Tinte ist zum Gebrauche fertig. In verschlossenen Gläsern läßt sich dieselbe, ohne zu schimmeln, unbegrenzt lange aufbewahren, greift die Stahlfedern nicht im mindesten an, und gibt Schriftzüge, die, noch so alt, sich dennoch mit Leichtigkeit ohne alle Mitwirkung einer Presse auf die Weise copiren lassen, daß man dieselben mit einem wohlgefeuchteten dünnen Copirpapier überdeckt, aus dieses ein glattes Blatt weißen Schreibpapieres legt und dann das Ganze mit einem gewöhnlichen hölzernen Falzbein (oder in Ermangelung dessen mit dem Nagel des Daumens) unter mäßigem Druck überstreicht.

Sonderbar erscheint es jedenfalls, daß die mit der genannten Tinte erzeugten Schriftzüge mit einer gewöhnlichen Copirpresse sich nicht copiren lassen; ob dieß vielleicht werde mittelst einer einfachen Walzenvorrichtung zu bewerkstelligen seyn, habe ich zur Zeit noch nicht versucht. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1869, Nr. 1.)

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