Titel: Blausäuregehalt des Tabakrauches; von Prof. Dr. A. Vogel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 191/Miszelle 10 (S. 254–255)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj191/mi191mi03_10

Blausäuregehalt des Tabakrauches; von Prof. Dr. A. Vogel.

Das empfindlichste Reagens um Blausaure zu entdecken, ist offenbar das nach Schönbein's Angabe hergestellte Guajacpapier mit verdünnter Kupfervitriollösung benetzt. Die Darstellung des Reagenspapieres geschieht, indem man weißes Filtrirpapier durch Guajactinctur (3 Grm. Guajacharz auf 100 Grm. Weingeist) hindurchzieht und trocknen läßt. Dieses Papier benetzt man unmittelbar vor seiner Anwendung als Prüfungsmittel auf Cyan mit einer sehr verdünnten Kupfervitriollösung (0,1 Grm. Kupfervitriol auf 50 Kub.-Cent. Wasser). Hält man ein so zubereitetes Papier in eine geöffnete Flasche, auf deren Boden einige Stücke festes Cyankalium sich befinden, so färbt sich das Papier sogleich tief indigoblau. Es ist somit die aus dem käuflichen |255| Cyankalium sich entwickelnde Blausäure, kaum durch den Geruch bemerkbar, hinreichend, um die Reaction deutlich hervorzubringen. Nach Scouteten 78) wird noch ein 120-milliontel Cyan angezeigt. Ich habe dieses Reagenspapier zum Nachweis des Cyans im Tabakrauche angewendet. Man hat nur nöthig, Tabakrauch auf das in angegebener Weise mit Kupfervitriollösung benetzte Guajacpapier durch eine brennende Cigarre zu blasen, so tritt alsbald eine bläuliche Färbung des Papieres ein; ebenso wenn das Papier über eine brennende Pfeife, durch welche man hindurchbläst, gehalten wird. Man könnte in diesem Falle gegen die Reaction den Einwand machen, daß die blaue Farbe durch Einwirkung des im Tabakrauche vorhandenen kohlensauren Ammoniaks auf das Kupfersalz hervorgebracht werde. Dieß ist insofern ungegründet, als bei der großen Verdünnung des Kupfersalzes eine blaue Färbung des damit benetzten Papieres durch kohlensaures Ammoniak nicht eintritt. Ein mit dieser Kupfervitriollösung benetztes Papier, welches nicht vorher durch Guajactinctur gezogen, verändert seine Farbe durch Anrauchen ganz und gar nicht. Die Reaction tritt aber auch nach einiger Zeit ein, wenn man ein Schönbein'sches Reagenspapier im feuchten Zustande in einem Locale, wo viel geraucht wird, aufhängt. Bekanntlich ist im Tabakrauche auch Schwefelwasserstoff enthalten, von dessen Gegenwart man sich leicht durch Hinleiten des Tabakrauches auf befeuchtetes Bleipapier oder Nitroprussidpapier überzeugen kann. Da nun das Schönbein'sche Reagenspapier eine große Empfindlichkeit für Cyan besitzt, so ist man im Stande durch zwei Versuche, welche sich auch zu Vorlesungsversuchen eignen, diese beiden eigenthümlichen Bestandtheile des Tabakrauches, Schwefelwasserstoff und Cyan, auf sichere und einfache Art nachzuweisen. (Deutsche Gewerbezeitung, 1869, Nr. 4).

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Journal de Pharmacie et de Chimie. November 1868. S. 327.

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