Titel: Rohrdampfpfannen beim Salinenbetrieb; von Dr. H. Warth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 191/Miszelle 5 (S. 419–420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj191/mi191mi05_5

Rohrdampfpfannen beim Salinenbetrieb; von Dr. H. Warth.

Der Hauptübelstand bei Benutzung von Dämpfen zur Erzeugung von Kochsalz aus Soole bestand bisher darin, daß die Transmission der Wärme auf einer gewissen Fläche eine sehr geringe war. Die Dampfpfannen gaben aus diesem Grunde im Verhältniß zu ihrer Fläche sehr wenig Salz und die Wärmeverluste waren so groß, daß selten mehr als der vierte Theil der im abgehenden Dampf disponiblen Wärme ausgenutzt werden konnte. Durch Anwendung einer neuen Art von Dampfpfannen wird nun aber die Sache eine ganz andere. Man kann nämlich die Dampfpfannen anstatt aus Eisen auch aus Holz oder Stein construiren und unmittelbar durch die Soole eiserne Heizröhren legen. Diese Heizröhren können in einfacher oder doppelter Reihe so angebracht werden, daß ihre gesammte Heizfläche gleich dem 2- bis 3 fachen der Sooloberfläche wird. Dadurch wird das Salzerzeugniß bei gleicher Soolfläche auch das 2 bis 3 fache und es können die Dämpfe entweder vollständig condensirt werden, wie dieß bei den luftfreien Dämpfen der runden Maschinenpfannen der Fall ist, oder aber man kann sie, wo Luftzutritt stattfindet, wenigstens viel stärker ausnutzen als vorher. Den Rohren ist eine solche Neigung zu geben, daß das Condensationswasser in der Richtung des durchziehenden Dampfes abfließt. Es trifft alsdann dieses Wasser vor seinem Abfluß noch tiefere und kältere Soolschichten am kälteren Ende der Pfanne und kann ein gut Theil seiner Wärme abgeben, während bei der bisherigen Einrichtung vom Condensationswasser gar nichts benutzt wird. Die Rohre erhitzen nun die Soole sehr stark und immer nur an der Oberfläche, also da wo die Wärme zur Verdampfung gebraucht wird. Am Boden dagegen bleibt die Soole fast ganz kalt. Die |420| frische Soole, welche, wenn auch nur annähernd gesättigt, immer schwerer ist als die heiße gesättigte Soole, wird am Boden der tiefen Pfanne eingelassen und bringt somit die wenige nach unten fortgepflanzte Wärme wieder zur Benutzung allmählich nach oben. Das an der Oberfläche der Soole entstehende Salz fällt zwischen den Röhren hindurch auf den tiefen Pfannenboden. An den Röhren selbst hängt sich nur ganz wenig Salz so lose an, daß es mit geringer Mühe jeden Tag abgestreift werden kann. Es ist dieß ganz dem Naturgesetze entsprechend. Nur an einem kalten Körper setzt sich in heißgesättigter Soole Salz an, nicht aber an einem Körper, dessen Oberfläche heißer ist, als die Flüssigkeit. Das unter den Röhren gesammelte Salz kann nun auf zweierlei Weise herausgeschafft werden. Entweder läßt man längs beider langen Seiten der Pfanne parallel den Röhren einige Fuß breit freien Raum und zieht von hier aus das Salz unter den Röhren weg mittelst einer abgebogenen Krücke an, oder aber macht man den Raum unter der Soole sehr tief und läßt so viel Salz sich ansammeln, daß die Soole bei jedesmaligem Ausziehen abgelassen werden und der Arbeiter in der Pfanne selbst neben und unter den Röhren das Salz auf Karren laden und so herausschaffen kann.

Die nach H. E. Falk's Idee in Meadowbank bei Winsford (England) zuerst construirte Rohrdampfpfanne ist für das Ausziehen mit der Krücke eingerichtet und mit doppelter Röhrenlage versehen (alte Kesselheizröhren). Sie hat 300 Quadratfuß (28 Quadratmeter) Soolenfläche und 700 Quadratfuß (= 65 Quadratmeter) Rohrheizfläche. Die Soole wurde am heißeren Ende über 80° C. warm. Es wurden in einer Woche 7 Tonnen Salz in der Pfanne erzeugt und gleichzeitig die sämmtliche Soole für die zugehörige runde Maschinendampfpfanne auf 80° C. vorgewärmt und gesättigt, was einem Erzeugniß von weiteren 4 Tonnen gleichkommt. Der Ertrag ist somit 11 Tonnen wöchentlich, oder (da der Sonntag abgeht) nahezu 2 Tonnen oder 37 Centn. täglich. Dieses im Verhältniß zum Umfang der Pfanne sehr bedeutende Quantum beweist hinlänglich den Erfolg dieses neuen Dampfpfannensystemes. (Berggeist, 1869, Nr. 15.)

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