Titel: Eine neue Methode der Sauerstoffbeleuchtung von Dr. Jos. Philipps in Cöln; mitgetheilt von O. Kellner in Deutz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 191/Miszelle 6 (S. 420–421)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj191/mi191mi05_6

Eine neue Methode der Sauerstoffbeleuchtung von Dr. Jos. Philipps in Cöln; mitgetheilt von O. Kellner in Deutz.

Die Beleuchtung von Straßen, öffentlichen Plätzen etc. unter Mitwirkung von Sauerstoffgas, welche unlängst von Tessié du Mothay und Marechal praktisch versucht und auch theilweise eingeführt wurde, hat hinsichtlich ihres Effectes bemerkenswerthe Resultate ergeben. Es weicht diese Methode bekanntlich vom Drummond'schen Lichte darin ab, daß an Stelle des Wasserstoffgases Leuchtgas tritt, und daß die Kalkcylinder durch Magnesia- oder Zirkonerde-Cylinder ersetzt werden. Diese Beleuchtungsart ist aber eine sehr umständliche. Erstens erfordert sie zwei Rohrleitungen und zwei Druckregulirungen zur Zuführung des Leuchtgases und des Sauerstoffgases, und zweitens versagen die Cylinder, mögen dieselben aus Kalk, Magnesia oder Zirkonerde bestehen, nach einiger Zeit ihren Dienst und müssen gewendet werden, oder sie zerbröckeln durch das bei der Verbrennung sich bildende Wasser. Zudem ist die Beschaffung von Zirkonerdecylindern, welche den schönsten Lichteffect geben, sehr kostspielig, da das Loth noch circa 12 Thlr. kostet. In Anbetracht dieser Uebelstände ist es wünschenswerth, eine einfachere und billigere Sauerstoffbeleuchtung zum Ersatze des Drummond'schen Lichtes zu finden.

Es ist dem Dr. Philipps nun nach vielen und mühevollen Versuchen gelungen, eine Flüssigkeit zusammenzusetzen, welche in einer eigens dazu construirten Lampe unter Zuführung von Sauerstoffgas verbrannt, ein schönes, gleichmäßiges und außerordentlich intensives Licht erzeugt, welches sich zur Beleuchtung von Leuchtthürmen, öffentlichen Plätzen etc. recht gut eignen wird.

Bei der Zusammensetzung der Beleuchtungsflüssigkeit gieng der Erfinder von dem Principe aus, den festen intensiv leuchtenden Körper in einer Flüssigkeit beim Brennen abzuscheiden, was ihm in überraschender Weise gelungen ist.

Die Handhabung des Apparates ist eine sehr einfache und die Zusammensetzung |421| der Flüssigkeit eine wohlfeile, die Verbrennungsproducte sind geruchlos und nicht schädlich.

Der Lichteffect übertrifft den des Cölner Leuchtgases bei einer Dochtbreite von nur 15 Millimeter um das Zehnfache; während nämlich Leuchtgas bei einem als Einheit angenommenen kleinen Brenner eine Lichtstärke von 8 Kerzen hatte, ergab sich für das Philipps'sche Licht die 10,13 fache Lichtstärke des Brenners, demnach etwa 81 Kerzen, gewiß ein schätzenswerthes Resultat bei überaus wohlfeilem Verbrauche.

Es wäre wünschenswerth, wenn sich Industrielle dazu finden würden, das Philipps'sche Licht der praktischen Verwerthung zuzuführen und auf diesem durch die Anforderungen der Neuzeit täglich erweiterten Felde noch größere Fortschritte anzubahnen. (Journal für Gasbeleuchtung, Januar 1869, S. 22.)

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