Titel: Benutzung der Eisenbahnen zu Gradmessungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 191/Miszelle 1 (S. 500)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj191/mi191mi06_1

Benutzung der Eisenbahnen zu Gradmessungen.

In München sind neuerdings eingehende Versuche darüber gemacht worden, ob ein Rad, welches auf einer Eisenschiene rollt, sich hierbei so vollständig ohne Gleiten bewegt, daß aus der Zahl seiner Umdrehungen und dem Radumfange die Länge des zurückgelegten Weges mit mathematischer Schärfe gefunden werden kann. Selbstverständlich wurde den Temperaturausdehnungen bei diesen Versuchen Rechnung getragen. Obgleich die gemessene Strecke nur etwa 17 Meter lang war, hat sich doch herausgestellt, daß diese Methode des Messens durch Abwickelung noch geringere Fehler ergab als die bei der Bessel'schen Gradmessung angewendete Operation mittelst Glaskeil, nämlich 1/4 Millimeter auf 17 Meter oder 1/68000 der ganzen Länge. Zugleich hat sich ergeben, daß das Rad keine Spur gleitet.

Durch Vervollkommnung des Apparates hofft man, die constanten Fehler in noch engere Grenzen einzuschließen. Hat man so eine Methode gefunden, welche sich vorzüglich eignet, die Wärmeausdehnungscoefficienten der verschiedenen Metalle zu bestimmen, beziehentlich zu controliren, so glaubt Hr. Ministerialrath von Steinheil in München, von dem diese Versuche ausgehen, durch sie auch die Grade auf der Erdoberfläche unmittelbar, d.h. ohne Hülfe von Dreiecken, messen zu können, indem er die Eisenbahnen dazu benutzt. Vorher will er aber noch durch Experimente ermitteln, ob sich auch der Verlauf einer doppelt gekrümmten Linie mit der zur Reduction auf einen größten Kreis erforderlichen Genauigkeit mit dieser Methode ermitteln läßt. (Astronomische Nachrichten.)

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