Titel: Ueber die Fabrication des Fleischextractes in Uruguay.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 191/Miszelle 11 (S. 507–508)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj191/mi191mi06_11

Ueber die Fabrication des Fleischextractes in Uruguay.

Wir entnehmen dem Mechanics' Magazine, Januar 1869 S. 10, nach dem „Buenos Ayres Standard“ nachstehende interessante Angaben über die Fabrication des Fleischextractes in der großartigen Anstalt der betreffenden Gesellschaft zu Fray Bentos in der südamerikanischen Republik Uruguay.

Die neue Fabrik ist ein Gebäude, welches einen Flächenraum von beiläufig 20000 Quadratfuß bedeckt und ein aus Eisen und Glas bestehendes Dach hat. Wir treten zuerst in eine weite, mit Steinplatten gepflasterte Halle, welche dunkel, kühl und außerordentlich reinlich erhalten wird; hier wird das Fleisch gewogen und durch Oeffnungen den Fleischschneidmaschinen überliefert. Von hier gelangen wir in eine Halle, in welcher vier mächtige Schneidmaschinen stehen; dieselben wurden von dem Director der Gesellschaft, Geibert, für diesen Zweck eigens construirt. Jede dieser Maschinen ist im Stande, binnen einer Stunde das Fleisch von zweihundert Ochsen zu zerschneiden. Das zerschnittene Fleisch kommt in die aus Schmiedeeisen bestehenden „Digerirapparate“ (digerators), deren jeder ungefähr zwölftausend Pfund Fleisch faßt; gegenwärtig sind neun solcher Apparate vorhanden, drei andere sollen noch aufgestellt werden. In diesen Digestoren wird das Fleisch mit Hochdruckdampf von 75 Pfd. Pressung per Quadratzoll digerirt. Die das Fleischextract und das Fett enthaltende Flüssigkeit wird mittelst Röhren in eine Reihe von eigenthümlich construirten „Fettseparatoren“ (Fat separators) geleitet; in denselben wird das Fett in noch heißem Zustande von dem Extracte geschieden, |508| denn in diesem Klima kann man mit Kühloperationen keine Zeit verlieren, indem sehr rasch Zersetzung eintreten würde. – Aus diesem Raume gegen wir eine Treppe hinab und gelangen in eine riesige, 60 Fuß hohe Halle, in welcher die Fettseparatoren arbeiten; unter diesen Apparaten steht eine Reihe von fünf, aus Gußeisen construirten Klärapparaten (clarifiers), deren jeder 1000 Gallons faßt; jeder derselben wird mit Hochdruckdampf durch Hallet's Röhrensystem betrieben. In diesen gewaltigen Gefäßen wird das Albumin, das Fibrin und die phosphorsaure Magnesia aus dem flüssigen Extracte ausgeschieden. Das flüssige Extract wird dann mittelst Luftpumpen, welche durch zwei dreißigpferdige Dampfmaschinen getrieben werden, in zwei etwa 20 Fuß über den Klärapparaten stehende Gefäße gehoben, aus denen die Flüssigkeit in die großen Abdampfgefäße abzieht. – Gehen wir jetzt wieder treppaufwärts, so kommen wir in eine Halle, in welcher zwei mächtige Reihen von je vier Vacuumapparaten arbeiten; mittelst derselben wird das Extract bei sehr niedriger Temperatur eingedampft: hier werden die Flüssigkeiten verschiedenen Filtrirprocessen unterworfen, bevor sie im Vacuum abgedampft werden. Wir steigen nun nochmals mehrere Stufen hinauf und treten in den Raum, wo das Extract „fertig gemacht“ wird. Derselbe ist durch eine Wand aus Drahtgaze abgesondert, auch sind alle Fenster, Thüren etc. durch Drahtgewebe verwahrt, so daß Fliegen und Staub fern gehalten werden. Die Ventilation wird durch besondere Ventilatoren vermittelt und der Raum wird im höchsten Grade sauber gehalten. Derselbe enthält fünf, aus Stahlblech construirte, zum „Fertigmachen“ des Extractes bestimmte Pfannen, welche mit einem Systeme von je einhundert stählernen Scheiben versehen sind, die in dem flüssigen Extracte umlaufen. Diese fünf Pfannen bieten durch Vermittelung der sich drehenden Scheiben in einer Minute mehr als zwei Millionen Quadratfuß Verdampfungsfläche dar.

In diesem Saale erreichten die Fabricationsprocesse ihr Ende. Das Extract wird nun in große Kannen abgezogen und bleibt bis zum anderen Tage ruhig stehen. Einige Stufen höher liegt der „Dekrystallisir-“ und Verpackungsraum; in demselben stehen zwei große gußeiserne, am Boden mit einem Heißwasserbade versehene Behälter; in diese Gefäße wird das Extract in Quantitäten von je 10000 Pfd. auf einmal eingetragen und gesteht in denselben zu einer homogenen Masse von ganz gleichmäßiger Beschaffenheit. Hierauf nimmt der Chemiker der Anstalt, Dr. Seekamp, welcher die sämmtlichen chemischen und technischen Operationen leitet, Proben vom Extracte und unterwirft dieselben der Analyse.

Täglich wird das Fleisch von vierhundert Ochsen verarbeitet.

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