Titel: Ueber die Erlangung einer schönen Patina auf Bronzen in großen Städten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 192, Nr. CXXVII. (S. 477–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj192/ar192127

CXXVII. Ueber die Erlangung einer schönen Patina auf Bronzen in großen Städten.

Aus Poggendorff's Annalen der Physik, 1869, Bd. CXXXVI S. 480.

In fast allen großen Städten, besonders in solchen, wo Kohlen als Brennmaterial dienen, hat man die Erfahrung gemacht, daß auf öffentlichen Plätzen aufgestellte Bronzen, statt sich mit einer Patina zu bekleiden, ein schmutziges, dunkles, dem Gußeisen ähnliches Ansehen erhalten. Der Wunsch, diesem Uebelstande zu begegnen, hat den hiesigen Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen veranlaßt, vergleichende Versuche anstellen zu lassen, um wo möglich eine Abhülfe zu finden.

Zunächst hat man die Frage zu beantworten gesucht, ob eine bestimmte Zusammensetzung der Bronze die Annahme einer schönen Patina bedinge. Zu dem Ende sind von zehn, durch besonders schöne Patina ausgezeichneten Bronzen, die sich an verschiedenen Orten befinden, kleine Proben entnommen und analysirt worden. Jede dieser Proben wurde getheilt und zwei verschiedenen, anerkannten Chemikern zur Analyse übergeben. Die Ergebnisse derselben (s. Verhandlungen des Vereins für 1864, polytechn. Journal Bd.CLXXII S. 370) haben gezeigt, daß die untersuchten Bronzen von sehr verschiedener Zusammensetzung sind. Der Kupfergehalt schwankt in ihnen von 94 bis zu 77 Proc. Die Menge des Zinnes steigt in einer derselben bis zu 9 Proc., in anderen beträgt sie nur 4 Proc. und einzelne enthalten nicht mehr als 0,8 Proc. Zinn, dagegen bis zu 19 Proz. Zink. Ebenso schwanken die anderen zufälligen Beimischungen wie Blei, Eisen, Nickel. Vei der verschiedensten Zusammensetzung besitzen diese Bronzen sämmtlich eine sehr schöne grüne Patina. Es wäre möglich, daß die Zusammensetzung einen Einfluß auf die Zeit übt, innerhalb welcher die Bronzen, unter übrigens gleichen Umständen, sich mit der Patina bekleiden, daß aber bei der verschiedensten Zusammensetzung die Annahme der Patina erfolgen kann, darüber lassen die erwähnten Analysen keinen Zweifel.

Um andere Einflüsse bei der Annahme der Patina kennen zu lernen, wurde eine Anzahl von Büsten aus Bronze an einer Stelle in der Stadt aufgestellt, wo besonders ungünstige Exhalationen stattfinden, und wo verschiedene, ganz in der Nähe befindliche Bronze-Statuen, ohne eine |478| Spur von Patina anzusetzen, das oben erwähnte unangenehme, schwarze Aeußere angenommen haben.

Durch die Beobachtung, daß an mehreren öffentlichen Denkmälern, die dem Publicum zugänglichen Stellen, welche vielfach mit den Händen befaßt werden, eine, wenn auch nicht grüne, doch aber fonst alle schönen Eigenschaften besitzende Patina angenommen haben, während alle übrigen Stellen schwarz und unansehnlich sind, kam die mit der Untersuchung beauftragte Commission auf die Vermuthung, daß wahrscheinlich das Fett eigenthümlich bei der Bildung der Patina mitwirke. Es wurde deßhalb eine der aufgestellten Büsten jeden Tag, mit Ausnahme der Regentage, mit Wasser abgespritzt, um sie rein zu erhalten und außerdem jeden Monat einmal mit Knochenöl in der Weise behandelt, daß das mit einem Pinsel aufgebrachte Oel sogleich mittelst wollener Lappen wieder abgerieben wurde. Eine zweite Büste wurde ebenfalls täglich mit Wasser gereinigt, erhielt aber kein Oel. Bei einer dritten ebenfalls täglich mit Wasser gereinigten wurde die Behandlung mit Oel nur zwei Mal des Jahres vorgenommen. Die vierte blieb zum Vergleich ungereinigt und überhaupt ganz unberührt.

Die erste und die zuletzt genannte Büste sind seit 1864 aufgestellt und auf die angegebene Weise behandelt, die dritte und vierte seit Anfang 1866. Es hat sich an ihnen die erwähnte Voraussicht von der Wirkung des Fettes auf das unzweifelhafteste bestätigt.

Die monatlich mit Oel behandelte hat eine dunkelgrüne Patina angenommen, die von allen Kunstverständigen für sehr schön erklärt wird. Die nur zwei Mal des Jahres mit Oel abgeriebene hat ein weniger günstiges Ansehen, und die nur mit Wasser gereinigte hat nichts von der schönen Beschaffenheit, welche die Bronzen durch Ansetzen der Patina erhalten. Die gar nicht gereinigte ist ganz unansehnlich, stumpf und schwarz.

Man kann hiernach als sicher ansehen, daß, wenn man eine öffentlich aufgestellte Bronze monatlich, nachdem sie gereinigt worden, mit Oel abreibt, sie eine schöne Patina annehmen wird.

In wie weit dieses Abreiben, das bei größeren Monumenten so häufig schwer auszuführen ist, sich wird beschränken lassen, darüber sollen fortgesetzte Versuche entscheiden, die durch die Büste, welche nur zwei Mal jährlich mit Oel behandelt wird, bereits eingeleitet sind. Außerdem hat der Verein noch zwei neue durch chemische Mittel künstlich patinirte Bronzen aufstellen lassen, um zu erfahren, wie diese sich bei ähnlicher Behandlung bewähren.

Wodurch das Oel bei der Bildung der Patina wirkt, ist nicht mit |479| Sicherheit anzugeben. So viel haben die Versuche gezeigt, daß jeder Ueberschuß an Oel zu vermeiden ist, und daß man das aufgebrachte sogleich mit einem Lappen soweit als möglich wieder entfernen muß. Bleibt überschüssiges Oel zurück, so setzt sich darin Staub fest, und die Bronze erhält ein schlechtes Aussehen. Daß die zurückbleibende geringe Menge von Oel eine chemische Verbindung mit der Oxydschicht der Bronze eingehe, ist nicht anzunehmen, besonders da sich Knochenöl so gut wie Olivenöl bei diesen Versuchen bewährt hat. Wahrscheinlich wirkt die dünne Schicht des Oeles nur dadurch, daß sie das Anhaften von Feuchtigkeit hindert, durch die sich leicht Staub befestigt, der Gase und Dämpfe absorbirt, und in dem häufig Vegetationen sich bilden. Allein in welcher Weise Es auch wirken mag, soviel haben die erwähnten Versuche ergeben, daß das Fett wesentlich zur Bildung der Patina beiträgt.

Voraussichtlich wird Es sich auch noch in anderer Beziehung bewähren. Man hat nämlich die wenig erfreuliche Beobachtung gemacht, daß mit einer schönen Patina bedeckte Bronzen an den Stellen, wo sich Wasserläufe auf ihnen bilden, eine weiße, undurchsichtige, kreideartige Oberfläche annehmen, die im Laufe der Zeit mehr und mehr durch das Wasser fortgespült wird. Eine richtige Behandlung mit Oel wird ohne Zweifel gegen die Bildung dieser kreideartigen Stellen schützen, doch können darüber nur lang fortgesetzte Versuche entscheiden.

Jedenfalls berechtigt die Anwendung des Oeles zu der Hoffnung, daß man fortan auch in größeren Städten wird schön patinirte öffentliche Bronzedenkmäler erhalten können. Sie werden da wo Kohlen das ausschließliche Brennmaterial bilden, nicht hellgrün, sondern dunkel, vielleicht sogar schwarz erscheinen, allein sie werden die übrigen schönen Eigenschaften der Patina, die eigenthümlich durchscheinende Beschaffenheit der Oberfläche besitzen.

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