Titel: Anwendung des Dégras; von Franz Sünn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 192/Miszelle 9 (S. 343–344)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj192/mi192mi04_9

Anwendung des Dégras; von Franz Sünn.

In eine Tonne schütte man 3 Theile des käuflichen Dégras und gieße 1 Theil über dem Feuer zerlassenen Talg unter beständigem Umrühren hinzu. Dieses Verhältniß von Dégras und Talg ist indeß nicht für alle Fälle maßgebend; vielmehr sind verschiedene Umstände auf dasselbe von Einfluß. Ist z. B. das in der Gerberei verwendete Wasser sehr kalkhaltig, so muß etwas mehr als 1 Theil Talg genommen werden; ist hingegen das Wasser sehr eisenhaltig, so nimmt man etwas mehr als 3 Theile Dégras. Man bereitet sich von dieser schmiere vortheilhaft einen größeren Vorrath, weil sie, wenn sie zwei bis drei Wochen hindurch stehen bleibt, viel mürber Und zarter erscheint als eine Schmiere, welche erst kurz vor dem Gebrauche bereitet wurde. Diese Schmiere wird nun nicht warm, sondern kalt aufgetragen, und zwar auf die Fleischseite; für die Narbenseite verwendet man die weiter unten angegebene schmiere. Durch das Kaltauftragen werden mehrere wesentliche Vortheile erzielt. Zunächst wird dabei die Farbe gleichmäßiger. Ferner hat man die kalte und somit steifere schmiere mehr in der Gewalt, als eine warme, dünnflüssige. Während man die kalte schmiere auf die sogenannten Stellungen, welche besonders viel Fett erfordern, leicht auftragen kann, würde eine warme Schmiere gerade von den Stellungen abfließen und sich an den Theilen ansammeln, welche am wenigsten Fett vertragen können, wie an den Flemen, dem Halse und dem Bauche. Weiterhin wird beim Kaltschmieren das Leder glatter, und endlich hält sich die Schärfe des Vlanchireisens viel besser bei einem Leder, welches mit kalter Schmiere bearbeitet ist, als bei dem warm geschmierten. Statt der oben beschriebenen Schmiere wird nun namentlich in Deutschland noch vielfach Thran angewendet, welcher aber durchaus zu verwerfen ist; das Leder verliert dadurch Seine wesentlichsten und besten Eigenschaften. Es wird fuchsig-schwammig und lose, bedeckt sich bald mit einem wie Schimmel aussehenden Ueberzug, und erhält nie die schöne Farbe, welche die Dégrasschmiere ihm gibt. Eine wichtige Vorbedingung für das Gerathen der Dégrasschmierung ist es, daß die Haut weich in den Kalk gearbeitet ist; getrocknete Häute erweicht man daher gehörig vor der Einarbeitung in den Kalk. Ist nämlich das Innere der Haut noch hornig, so wird dieselbe leicht verschmiert. Eine zweite Vorbedingung ist es, daß die Haut genug Feuchtigkeit enthält, da sonst das Fett nicht gleichmäßig und successive auf den Kern vordringen kann. Drittens muß die Haut genug gegerbt seyn; ist sie das nicht, so kann sie weniger Fett vertragen, und dieses schlägt dann leicht durch. Geräth also die Dégrasschmierung nicht nach Wunsch, so möge man viel eher in mangelhafter Erfüllung dieser sehr wichtigen Vorbedingungen die schuld suchen, als in dem Dégras, womit jedoch nicht behauptet werden soll, daß Es nicht auch schlechte Dégras gebe. Das Schmieren der Narbenseite geschieht in Frankreich mit hellem Thran, welchen man dazu mit etwas Talg versetzt, etwa I Theil Talg auf 4 Theile Thran. Diese Mischung ist weit vortheilhafter als die einfache Thranschmierung, wie sie in Deutschland durchgehends im Gebrauche ist. Der Talg, welcher |344| dem Dégras oder dem Thrane zugesetzt wird, soll reines Stierfett seyn, was besonders für die Fleichseite von Wichtigkeit ist. So ist namentlich der russische Talg, welcher in Deutschland vielfach in Gebrauch ist, mit Schweine- und Schaffett versetzt, und also nicht immer zur Verwendung rathsam. Freilich hat derselbe einen zarteren Griff, was Viele täuscht, welche gerade aus diesem feinen Griff auf die Güte des Talges schließen zu dürfen glauben. Am besten ist daher jedenfalls, den Talg aus einer zuverlässigen einheimischen Quelle zu beziehen. (Chemisch-technisches Repertorium, 1868 1. Halbjahr, S. 47.)

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